Paar aus Speikern hilft Mauerseglern

Auf der Suche nach einer Landebahn

Von Alexander Bergdolts Hand aus sieht sich der Jungvogel erst einmal um, bevor er zu seinem Flug aufbricht. | Foto: Privat2020/09/72-rotated.jpg

SPEIKERN/NÜRNBERGER LAND – Lange sieht sich der junge Mauersegler die Umgebung der Wiese in Speikern an, und mustert neugierig den Himmel. Schließlich erhebt er sich in die Lüfte und bricht auf zu seinem ersten Flug nach Afrika. Damit ist auch der letzte Nachzügler der sechs jungen Mauersegler und der vier Brutpaare, denen Alexander Bergdolt und seine Lebensgefährtin Annette Vossen an ihrem Haus in Speikern Nistkästen zur Verfügung gestellt hatten, in Richtung Süden gezogen.

Auf die Idee, Mauersegler bei der Suche nach geeigneten Nistmöglichkeiten zu unterstützen, kam Alexander Bergdolt vor einigen Jahren, als er noch in Lauf wohnte: Immer wieder hatte er beobachtet, wie Vögel durch die Altstadt flogen – auf der Suchenach ihren alten Nistplätzen. Doch werden Häuser neu gedämmt, abgerissen oder renoviert, verschwinden auch die Brutplätze, und die Vögel ziehen ohne Nachkommen wieder von dannen.

In einer Box transportiert Annette Vossen den Mauersegler auf die Wiese, wo er in die Freiheit entlassen wird. /Foto: Privat2020/09/5-scaled.jpg

Jedes Jahr treten die Tiere, die zwar den Schwalben ähneln, aber zu den Seglern gehören, von ihrem Winterquartier Afrika aus einen mehrere Wochen dauernden Flug über Südeuropa nach Deutschland an. Dabei sind sie sehr „standorttreu“, wie Alexander Bergdolt erklärt: „Mauersegler können bis zu 20 Jahre alt werden. Wenn ein Tier einmal an einem Ort gebrütet hat, wird es den Rest seines Lebens versuchen, am selben Platz erneut Nachkommen groß zu ziehen, oder bestenfalls und mit Glück in der unmittelbaren Nähe nach einer Bleibe zu suchen. Deswegen ist der Schutz bestehender Nistplätze so wichtig“.

Artisten und Flugkünstler

Die schwarzen, stromlinienförmigen Vögel mit den großen Flügeln und den kleinen Stummelfüßen verbringen einen Großteil ihres Lebens in der Luft – auch zum Fressen und Schlafen landen sie nicht. „Sie sind Flugkünstler, können artistische Wendungen vollführen und müssen ein dreiviertel Jahr lang kein einziges Mal landen“, fügt der 49-Jährige sichtlich fasziniert hinzu.

Nur zwischen Mai und August verlassen sie regelmäßig den Luftraum, um sich um ihre Nachkommen zu kümmern. Nester bauen sie in Hohlräumen von Ziegel- und Blechdächern, in Spalten unter Regenrinnen, in größeren Lücken zwischen Mauersteinen – oder in extra für sie angebrachten Nistkästen an Gebäuden.

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Immer mehr solcher Nistkästen haben Bergdolt und Vossen seit 2017 an ihrem Haus angebracht, sie kommen mittlerweile auf 21 mögliche Mauersegler-Nistplätze. 2018 hat sich bereits das erste Brut-Pärchen in einer der Nisthöhlen neu angesiedelt, 2019 waren es zwei, und in 2020 sind es nun vier brütende Paare.

Alexander Bergdolt mit dem kleinen Mauersegler. / Foto: Privat2020/09/6-rotated.jpg

Voranmeldungen

Zusätzlich haben sich dieses Jahr bereits zwei Mauerseglerpaare „vorangemeldet“, sie sind regelmäßig zu Besuch gekommen und haben ein Nest vorbereitet. Sie werden wahrscheinlich nächstes Jahr das erste Mal Eier legen, so die Hoffnung des Paares.

„Junge Mauersegler, die zum ersten Mal eine Brutmöglichkeit suchen, fliegen die Gegend ab, in der bereits die Eltern genistet haben. Wer einen Nistkasten bereitstellen will, muss Höhe und die Himmelsausrichtung berücksichtigen. Auch eine Klangattrappe, die vorgibt, dass bereits eine Mauersegler-Kolonie existiert, kann helfen“, sagt der studierte Biologe.

Nistplätze auf einer Landkarte

Heute arbeitet er im IT-Bereich und befasst sich, ebenso wie seine Lebensgefährtin, nur noch in seiner Freizeit mit Tieren. Neben der eigenen Mauerseglerkolonie engagiert er sich auch beim Landesbund für Vogelschutz (LBV). Diesen unterstützen beide beispielsweise bei der Kartierung von bereits vorhandenen Nistplätzen verschiedener Gebäudebrüter im Nürnberger Land. Mit diesen Informationen können Sanierungen schonend geplant, und passende Ersatz-Nistmöglichkeiten geschaffen werden. Außerdem geben sie sowohl Hauseigentümern als auch Baufirmen Tipps, wie man Gebäude möglichst Mauersegler-freundlich gestalten kann.


Mit einer Hebebühne holen die beiden das Küken aus seinem Nistkasten. /Foto: Privat2020/09/1-scaled.jpg

Mitte August wird es dann bei den beiden ruhiger: die Vögel werden flügge und ziehen wie ihre Eltern gen Afrika. In diesem Jahr galt das aber nur für fünf der sechs Jungtiere, denn ein Elternpaar ließ einen Babyvogel im Nest zurück. „Dieses Paar hat auch sehr spät mit dem Brüten angefangen. Vielleicht kam den Eltern dann der heiße und trockene Sommer dazwischen“, mutmaßt Bergdolt, der regelmäßig mit einer kleinen Kamera die Nester inspiziert.

Rettung mit Hebebühne

Die beiden zögerten nicht und liehen sich kurzerhand eine Arbeitsbühne aus, um das verlassene Vogelbaby aus dem Nest zu holen.Anschließend gaben sie es zur Aufzucht per Hand an eine Bekannte weiter, die „bereits mehr Erfahrung sammeln konnte, und auch tagsüber genug Zeit für die Fütterungen hatte“, wie Bergdolt sagt. Erfolgreich, wie sich Anfang September zeigte, als sie den Nachzügler wieder zu sich nahmen, um ihn auf einer Wiese bei Speikern in die Freiheit zu entlassen.

Nun nutzen sie die Zeit, um die Nistkästen zu reinigen, und hoffen, dass sie die Tiere mit ihren bis dahin gefundenen Partnern im kommenden oder im übernächsten Jahr wiedersehen.

Der kleine Mauersegler bei der letzten Fütterung am Tag seines Abflugs. / Foto: Privat2020/09/41.jpg

Informationen und Beratung

Wer selbst Mauersegler ansiedeln möchte oder Beratung bei Bautätigkeiten sucht, kann sich telefonisch unter 0172/6063606 oder per E-Mail an [email protected] mit Alexander Bergdolt und Annette Vossen in Verbindung setzen. Weitere Informationen gibt es online beim Landesbund für Vogelschutz Bayern (www.nuernberg.lbv.de/mitmachen/gebäudebrüterschutz) und bei Gerhard Brodowski, einem bekannten Tierfotografen und Tierschützer (www.brodowski-fotografie.de/beobachtungen/mauersegler.html).

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