ALTDORF – Über Jahrzehnte haben die Freien Wähler die Kommunalpolitik in Altdorf geprägt. Jetzt feierte der Ortsverband 40-jähriges Gründungsjubiläum und 70 Jahre Freie Wähler in Altdorf. Dazu begrüßte der FW/UNA Fraktionsvorsitzende Thomas Dietz zusammen mit der FW-Vorsitzenden Cordula Breitenfellner neben vielen anderen Gästen auch den stellvertretenden Landesvorsitzenden der Freien Wähler in Bayern, Landrat Armin Kroder, der zum Jubiläum die Festrede hielt.
Kroder sagte Grundsätzliches zur Bedeutung der Kommunalen Selbstverwaltung – die sei wichtiger denn je. Und wenn es nach Kroder ginge, sollte sie weiter ausgebaut werden: „Man sollte Gemeinden und Städten mehr zutrauen.“ Hier, auf kommunaler Ebene, sollten die Stadt- und Gemeinderäte viel mehr selbst entscheiden können.
Viele Mitglieder und Anhänger der Freien Wähler pochen darauf, dass die FW ja keine Partei sind. Aus dem Geist heraus, jenseits aller Parteien zu stehen, fanden sich die ersten Freien Wähler ja unmittelbar nach Kriegsende zusammen, Menschen, die von Parteien zuerst einmal die Nase gestrichen voll hatten. Bis heute betonen viele Freie Wähler noch, Parteipolitik mache man nicht. „Die Frage: Partei oder nicht – das hat mich nie berührt“, bekannte Kroder allerdings dazu. Wichtig ist ihm, dass sich Politik immer an der Sache orientiert. Der sachpolitische Ansatz sei dem parteipolitischen stets vorzuziehen. „Letzterer ist am Ende gefährlich.“ Warum? Weil es beispielsweise ungut ist, wenn Leute über einen zu langen Zeitraum zu viel Macht haben, sagt Kroder, der abschließend als Ratsvorsitzender für die Europäische Metropolregion Nürnberg warb. Als große Einheit sei die Metropolregion im Wettbewerb gut aufgestellt. Teil davon ist der Landkreis Nürnberger Land, ein wohlhabendes Fleckchen Erde in Bayern mit bedeutender Wirtschaftskraft. Bei der Größe der Steuerkraft nimmt der Landkreis Platz 15 unter den 71 bayerischen Kreisen ein.
Dass der Landkreis gut dasteht, hängt auch mit guter Kommunalpolitik zusammen. In Altdorf wird die seit 70 Jahren maßgeblich von Freien Wählern mitgeprägt.
Darauf wies Cordula Breitenfellner in ihrer historischen Rückschau hin. FW-Bürgermeister Hans Dötsch, hoch angesehen in der Bevölkerung, wurde nach dem Krieg von den Amerikanern eingesetzt. Bei der ersten Kommunalwahl 1948 war er Kandidat aller Parteien und erhielt 90 Prozent der Stimmen. Kurt Purucker (FW) war nach dreijähriger Amtszeit als Landrat des Landkreises Altdorf von 1972 bis 1982 Bürgermeister in Altdorf und hatte die Gebietsreform zu bewältigen.
In Puruckers Amtszeit fiel dann 1975 auch die Gründung des Altdorfer Ortsvereins der Freien Wähler. Der heute 87-jährige Max Kalweit wurde damals zum Vorsitzenden gewählt. Kurz nach Gründung des Altdorfer Ortsverbands wurde auch der FW-Kreisverband aus der Taufe gehoben. 20 Jahre lang war Erich Stoll für die Freien Wähler 2. Bürgermeister der Stadt, von 1982 bis 2002, sein Nachfolger wurde Dr. Hartmut Herzog.
Seit 2010 bilden die FW in Altdorf eine Fraktionsgemeinschaft mit der Unabhängigen Jungen Liste Altdorf (UNA). Der FW-Kreisvorsitzende Joachim Lang bezeichnete anlässlich des Altdorfer Jubiläums die Freien Wähler als „Anwälte der Kommunen“. Freie Wähler seien nie uniforme Partei-Soldaten. Hier werde lebhaft diskutiert und man sei stolz darauf, eine eigene Meinung vertreten zu können und keiner Parteilinie folgen zu müssen.
Altdorfs Bürgermeister Erich Odörfer bescheinigte den Freien Wählern, unter anderem die Gebietsreform 1972 gut gemeistert zu haben: „Die Eingemeindungen waren eine große Herausforderung, hier haben die Freien Wähler entscheidend mitgewirkt.“
Kerstin Pommereit, neue Vorsitzende der Altdorfer SPD, gratulierte der FW zu deren „großer Nähe zu den Bürgern“. Nur mit einer solchen Bürgernähe könne man dem Problem einer sinkenden Wahlbeteiligung entgegentreten.
Für die CSU dankte der stellvertretende Ortsvorsitzende Lothar König den Freien Wählern für die Arbeit im Stadtrat und wünschte für die Zukunft eine gute Zusammenarbeit für das Wohl der Stadt.
„Die Freien Wähler haben viel bewegt“, stellte Margit Kiessling für die Grünen fest.
Unter den Festgästen waren auch die drei Gründungsmitglieder Horst Ellenberger, Ludwig Haas und Richard Waller. Sie wurden für ihre jahrezehntelange Treue zu den Freien Wählern ausgezeichnet.
