Große Vielfalt im Stadthaus

Kreativität bis ins Detail beim Hersbrucker Künstlermarkt

Agathe Meier (rechts) zeigt Besuchern ihre selbst gemachten Decken. | Foto: M. Wildner2018/11/Agathe.jpg

HERSBRUCK – Wenn die weißen Wände des Hersbrucker Stadthauses für ein Wochenende mehr als einen Farbtupfer bekommen und an jeder Ecke ein überraschendes Detail wartet, dann ist wieder Kunstmarkt in Hersbruck. Der Künstlerstammtisch um Gerlinde Berger hat das „Herz der Stadt“, wie es Bürgermeister Robert Ilg in seiner Eröffnungsrede ausdrückte, bereits zum 18. Mal in eine große Ausstellung verwandelt, die regionalen Künstlern einen gebührenden Rahmen für ihre Werke bot.

Bei so viel Kreativität unter einem Dach wusste das kunstverliebte Auge anfangs gar nicht, wo es als erstes hängen bleiben soll. Etwa bei Federica Burzis großformatiger Fotografie einer Frau, auf deren Körper Schimpfwörter gegen das weibliche Geschlecht in unterschiedlichen Sprachen verteilt waren, die allerdings durch aufgestickte bunte, positive Begriffe verdrängt wurden. Oder bei den verspielten Details von Irene Kress-Schmidts Werken, bei denen der Besucher in die Knie und ganz nah ran gehen musste: Aus Computer- und anderen haushaltsüblichen Materialien erschafft sie eine eigene kleine Welt, indem sie die Originale auseinandernimmt und wie Bauelemente neu zusammensetzt.

Wie vielseitig Kunst sein kann, zeigte sich auch einen Stock höher: Hier trafen moderne Computergrafiken von Manfred Elbert auf verspielte Tiere aus Filz von Barbara Kraus und die detailreichen wie massiven Drechselarbeiten von Reinhard Netter auf Hartmut R. Hahns feinen Gold- und Silberschmuck.

Ein Zimmer weiter hatten sich die Designstudenten Marion Hartnagel, Verena Eckert und Dominik Rajdl ihr eigenes kleines Atelier eingerichtet, mit einem Tisch übervoll mit Farbtuben, Pinseln und bemaltem Paper. Während ihres Praktikums bei Künstler Heinz Thurn seien sie spontan auf die Idee gekommen, ein Gemeinschaftsprojekt zu starten. Heraus kam die „Vielfalt der Oktupusse“ und ein ganzer Raum voller bunter Portraits der Meerestiere, auf einfachem Karton gemalt. „Der Oktopus kann seine Arme in alle Richtungen bewegen, deshalb kann man ihn nie falsch malen“, sagte Rajdl. Jeder der drei hat an jedem Bild mitgearbeitet.

Ein weiteres Gemeinschaftsprojekt begleitete die Besucher im Treppenhaus nach oben: Nadja Chalupka, Birgit Wonneberger und Heinz Thurn brachten sich jeweils auf dem Bild des anderen mit ein, sodass das Ursprungsmotiv am Ende eine komplett andere Aussage hatte. „Nahebi“ nannten sie ihr Projekt, zusammengesetzt aus den Anfangsbuchstaben ihrer Namen. Begeistert erzählten die drei von einer Besucherin, die anmerkte, dass man in Nordrhein-Westfalen den Begriff als Ausdruck für „zusammen“ verwendete. „Wie passend“, sagte Thurn.

Zwischen all den Augenschmäusen schickten Dieter Serfas, der bei Aufbau und Organisation die verletzte Gerlinde Berger unterstützte, Jockl Streb, Achim Göttert und als Gast Cornelia Effner die passende Musik durch die Räume. „Viele sagten mir, dass der Kunstmarkt dieses Jahr ganz anders sei“, erzählte Berger erfreut. Und versprach den Besuchern schon jetzt, dass der 20. Kunstmarkt in zwei Jahren alles bisher Gesehene sprengen werde.

N-Land Marina Wildner
Marina Wildner