Protest gegen Klinikreform

Zeichen setzten gegen den Personalnotstand

An der Protestaktion nahmen auch Mitarbeiter aus dem Krankenhaus Altdorf...2015/06/altdorf_krankenhaus_protest_verdi.jpg

ALTDORF/RUMMELSBERG – Ver.di hatte zu einer bundesweiten Protestaktion gegen den Personalnotstand an Krankenhäusern aufgerufen, der auch Mitarbeiter an den Krankenhäusern Rummelsberg und Altdorf gefolgt waren.

Nach Erhebungen der Gewerkschaft fehlen bereits jetzt in deutschen Krankenhäusern 162.000 Beschäftigte – eine Zahl, die die Protestierenden zeitgleich in ganz Deutschland durch hochgehaltene Nummern symbolisierten. Allein in Bayern mangele es an über 21.000 Stellen, darunter 10.000 Stellen in der Pflege. Im Vergleich zu Pflegekräften in der Schweiz und den Niederlanden versorgt laut ver.di eine deutsche Pflegekraft pro Schicht doppelt so viele Patienten.

Sorge bereitet den Mitarbeitern zudem die im Bundeskabinett verabschiedete Klinikreform 2015. Die in 2013 zur Unterstützung der Krankenhäuser bei der Personalfinanzierung eingeführten Versorgungszuschläge sollen 2017 wieder wegfallen. Zusätzlich sollen neu mit den Krankenkassen vereinbarte Leistungen drastisch gekürzt werden. Damit gehen den Krankenhäusern insgesamt 500 Millionen Euro verloren, das ist der Gegenwert von 10.000 Pflegestellen. Auch bringt das im Gesetzentwurf vorgesehene Pflegestellenförderprogramm dafür keine wirkliche Entlastung. 660 Millionen Euro in drei Jahren bedeuten 220 Millionen jährlich für 2 000 Krankenhäuser, also 110.000 Euro je Einrichtung.

Damit könnte jede Klinik zwei oder drei zusätzliche Kräfte einstellen. Gemessen am tatsächlichen Bedarf sind das aber viel zu wenige Pflegende. Denn schon jetzt haben in Altdorf die Pflegekräfte einen Berg an Überstunden angehäuft, den sie nicht abbauen können, berichtet eine der Schwestern. Auch nach den Worten von Sebastian Holm, Geschäftsführer des Krankenhauses Rummelsberg, ist die Belastung des Krankenhauspersonals an seine Grenzen gekommen.

Dennoch werden aufgrund der drohenden gesetzlichen Vorgaben viele Kliniken zu engeren Personalausstattungen gezwungen werden. Davon ist die Pflege ganz besonderes betroffen. „Auch werde es mit den vorgesehenen Regelungen immer schwerer für die Kliniken, den pflegerischen Nachwuchs für ein Engagement im Krankenhaus zu begeistern“, ist Holm überzeugt. Auch deswegen steht Geschäftsführer Holm persönlich mit den Pflegekräften vor dem Krankenhaus Rummelsberg. Anders als in Altdorf, wo sich nicht mehr als 20 Mitarbeiter aus den Bereichen Pflege, Physio, Reinigung und Küche zum Protest aufstellten. Ärzte hingegen wollten nicht für ein Zeitungsbild fotografiert werden.

N-Land Der Bote
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