24 Stunden, 24 Unternehmen: Montessori-Schule

Wo Schule Spaß macht

In der Pandemie wurde die Natur zum Grünen Klassenzimmer: Die pädagogische Fachkraft Silvia Beer übt mit einigen Schülerinnen Vokabeln. Fotos: Montessori-Vereinigung Nürnberger Land e.V.2021/10/24h_monte_02.jpg

Von wegen, nur New York ist die Stadt, die niemals schläft. Auch hier in dieser Serie stellen wir 24 regionale Betriebe aus unterschiedlichen Branchen vor. Jedes Unternehmen bekommt dabei eine Stunde, und das acht Wochen lang; jede Woche drei Firmen. Die Stunde zwischen 11 und 12 Uhr gehört heute der Montessori-Schule.

Lauf. Es ist 11 Uhr, und bei der Montessori-Vereinigung Nürnberger Land e.V. (Monte) in Lauf geht es hoch her: In der Küche liegt der erdig-fruchtige Duft von Kürbissuppe in der Luft und ein Holzlöffel klackert gegen den Topf. Mit sicht- und hörbar viel Freude versuchen sich Schüler in den berufsorientierten Fächern beim Kochen. Andere Schüler sägen im Werkraum unter entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen ihr Lieblingstier aus oder lernen im Englischunterricht sämtliche Begriffe rund ums Bahnfahren kennen. Weitere erfahren beim Outdoor-Tag, welche heimische Flora und Fauna es gibt, und die nächste Gruppe kommt gerade vom Sport zurück. Weitere Schüler sind mit Freiarbeit beschäftigt, einige von ihnen sitzen dabei im Klassenzimmer, andere haben es sich auf dem Sofa im Flur bequem gemacht, während sie selbstständig ein Thema ihrer Fasson vertiefen. Dabei kann jedes Kind im Rahmen gewisser Grenzen den Lernpartner (Pädagoge, Mitschüler oder alleine), den Lernort und die Dauer wählen.

Selbstständigkeit und Bewegung
„Der Lehrer muss passiv werden, damit das Kind aktiv werden kann“, lautete die Devise von Maria Montessori, der Mutter dieser nach ihr benannten Schul- und Unterrichtsform. Passiv bedeutet dabei nicht, dass die Schüler auf sich gestellt sind, sondern dass sie jegliche Unterstützung bekommen, um möglichst selbstständig agieren zu können. Da sein, beobachten, erklären, helfen … die Aufgaben der Pädagogen während der Freiarbeit sind vielfältig.

Einen wichtigen Baustein stellt dabei die sogenannte vorbereitete Umgebung dar, die als eine Art Inbegriff für eine entspannte Atmosphäre steht, in der sich die Kinder wohlfühlen, inspiriert werden, sich oder Dinge ausprobieren können. Eine kindgerechte Einrichtung und insbesondere entwicklungsfördernde Materialien zum Anfassen spielen dabei eine elementare Rolle. Häufig kommen diese Materialien dem Bewegungsdrang von Kindern entgegen, beispielsweise beim Hüpfen auf gerade oder ungerade Zahlen auf dem „100er-Teppich“.

Piet Neuß bringt seinen Schülern alles rund um Basketball bei vom Alley-oop (bestimmter Spielzug) übers Dribbeln bis hin zur Zonenverteidigung.2021/10/24h_monte_01.jpg

Noch mehr Bewegung gibt es im Sport, für den auf der Laufer Monte der Sportlehrer Piet Neuß verantwortlich ist. Neben dem Basissport, also dem klassischen Schulsport, dürfen sich die Kinder auch im Klettern oder Baseball versuchen. Seine Basketballtruppe hat sogar schon die Landesmeisterschaft gewonnen, zudem ist die Schule ein Mountainbike-Stützpunkt in Bayern.

Bestens vernetzt
Das Prinzip der Montessori-Schule setzt am Verständnis der Zusammenhänge an, des kosmischen Ganzen. Statt abstrakt einzelne Fächer zu lernen, erhalten die Schüler im Monte-spezifischen Fach „Kosmische Erziehung“ Einblicke in die Zusammenhänge des Kosmos. Die Kinder setzen sich hier schon früh damit auseinander, welche Auswirkungen das Handeln der Menschen auf die Natur und damit auch auf die Menschheit hat. Mit Neugierde und Entdeckerlust bauen die Schüler so ganz nebenbei ein vernetztes Denken auf.

Vernetzt sind bei der Monte auch die Gruppen zusammengesetzt: Unter dem Begriff Jahrgangsmischung lernen die Kinder der ersten bis vierten Klasse mit- und voneinander. Viertklässler betreuen zudem die Erstklässler als Paten. So sehen die Kleineren, was die Größeren tun, erhalten direkt von ihnen entsprechende Erklärungen – und die Großen fühlen sich dabei so manches Mal als kleine Helden. Nicht als Heldentat, sondern als selbstverständlich wird es dagegen von den Monte-Schülern erachtet, andere zu unterstützen, zum Beispiel einem Mitschüler im Rollstuhl zu helfen. Auch die Eltern sind in vielerlei Hinsicht bei der Monte näher dran, und das nicht nur, weil sie pro Jahr 30 Arbeitsstunden leisten. So können sie im Unterricht hospitieren oder ihren eigenen Beruf vorstellen.

Bei der Monte dürfen die Schüler im Rahmen der Suchtprävention auch sogenannte Rauschbrillen testen. Damit erleben sie, wie stark Alkohol, Drogen oder Schläfrigkeit beeinträchtigen können. Foto: Marco Schrage2021/10/24h_monte_03.jpg

Zwei Jubiläen im Jahr 2021
Die Montessori-Vereinigung Nürnberger Land darf heuer gleich zwei Besonderheiten feiern: Der Trägerverein besteht seit 30 Jahren und am morgigen 2.10.2021 wird der FOS-Neubau eingeweiht. Auf der Monte-Fachoberschule können Schüler ihr Fachabitur erlangen und dabei aus vier Fachrichtungen wählen: Internationale Wirtschaft, Gesundheit, Sozialwesen und Gestaltung.

Gestartet ist die Monte-FOS in Lauf bereits 2008, im Jahr 2012 folgte der Umzug ins aktuelle Gebäude – inzwischen erweitert um den gerade fertiggestellten Neubau. Auf drei Stockwerken mit je 400 Quadratmetern haben die Schüler hier in acht Klassenzimmern und auf zahlreichen Freiarbeitsflächen viel (offenen) Raum. Geothermie sowie ökologisch verträgliche Baustoffe wie Kalksandstein oder Naturstein für die Bodenbeläge stellen dabei lediglich einen Auszug aus dem umweltfreundlichen Energiekonzept dar.

Inzwischen bereiten sich auf der Monte-FOS 121 Schüler auf das Fachabitur vor. Viele Schüler sind nach einem Wechsel auf die Monte erstaunt, dass Lernen Spaß machen kann. Einen großen Anteil am Aufblühen der Kinder hat der Umgangston in dieser besonderen Schule, auf der sie nicht auf ihre Leistung reduziert, sondern als Mensch respektiert werden. „Wir alle begegnen uns hier auf Augenhöhe. So können sich auch Schülerinnen und Schüler mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, Stärken und Schwächen individuell und bestmöglich entwickeln“, verdeutlicht die pädagogische Fachkraft Silvia Beer die Vorgehensweise.

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FAKTEN & KONTAKT
Gründung: 1991 Trägerverein, 1991/1992 Schule
Motto: Vom Kinderhaus bis zum Fachabitur
Schüler: 520, davon knapp 120 in der FOS
Abschlüsse: allesamt staatlich anerkannt

Montessori-Vereinigung Nürnberger Land e.V.
Daschstraße 16
91207 Lauf
Telefon: (09123) 18 349 0
www.montessori-lauf.de

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