Gewerbeflächenkonzept für das Nürnberger Land

Wo ist noch Platz für Unternehmen?

Das Industriegebiet in Schnaittach-Hedersdorf ist seit 2016 voll. Um einen Überblick über bestehende und mögliche Gewerbegebiete im Nürnberger Land zu gewinnen, will der Landkreis eine Studie erstellen lassen. | Foto: Schuster/PZ-Archiv2017/02/Industriegebiet-Hedersdorf-Schnaitt-us-e1488286537477.jpg

NÜRNBERGER LAND — Wo gibt es im Nürnberger Land noch freie Industrie- und Gewerbeflächen und wo könnten neue Gebiete ausgewiesen werden? Das könnte bald schon eine vom Landkreis in Auftrag gegebene Studie zeigen. Neben einem Überblick über die Ist-Situation erhofft man sich Anregungen für Kooperationen zwischen den Kommunen.

Freie Gewerbeflächen im Landkreis sind knapp. Immer wieder müssen daher ortsansässige Unternehmen mit Erweiterungswunsch vertröstet oder neue Firmen abgewiesen werden. Das ist schlecht für den Wirtschaftsstandort und die Wettbewerbsfähigkeit des Nürnberger Lands, betont Wirtschaftsförderer Frank Richartz, der das Projekt im Kreis­entwicklungsausschuss vorstellte.

Die Situation ist dabei in den Kommunen recht unterschiedlich: Die einen haben viel Nachfrage, aber keine verfügbaren Flächen. Sie können sich entweder geografisch nicht weiter ausbreiten oder haben keinen Zugriff auf geeignete Flächen, weil diese von Privatbesitzern nicht oder zu utopischen Preisen angeboten werden. Andere sind wegen ihrer Lage uninteressant für Unternehmen, da diese die Nähe zu Nürnberg und eine gut ausgebaute Infrastruktur samt Autobahnanschluss bevorzugen.

Doch hier könnten Kooperationen weiterhelfen. So besteht die Möglichkeit, Gewerbegebiete über Gemeindegrenzen hinweg gemeinsam auszuweisen. Auch könnte sich eine Kommune finanziell an Kauf und Erschließung eines Grundstücks in einem anderen Ort beteiligen und dafür später mit von den Steuereinnahmen profitieren.

Schnaittachs Bürgermeister Frank Pitterlein brachte eine weitere Variante ins Spiel: So könnten strukturschwache Gemeinden mit besser gelegenen Kommunen zusammenarbeiten, indem sie sogenannte Ausgleichsflächen für andernorts ausgewiesene Gewerbegebiete schaffen. Denn wann immer eine Fläche für Gewerbe zur Verfügung gestellt wird, muss anderswo ein Areal beispielsweise zum Naturschutzgebiet werden. In Schnaittach, so Pitterlein, gäbe es etwa Möglichkeiten, Grundstücke für den Hochwasserschutz bereitzustellen.

Hersbrucks Bürgermeister Robert Ilg stimmte seinem CSU-Kollegen hier zu. Natürlich würde er Unternehmen am liebsten in seine Stadt locken („Hersbruck first“ witzelte Landrat Armin Kroder dazu), „aber wenn das nicht klappt, ist es mir immer noch lieber, die Firma siedelt sich in einer anderen Kommune im Nürnberger Land an als anderswo.“

Studie gegen Flächenfraß

Wenn es für alle Beteiligten einen Vorteil bringt, hält Kroder eine solche interkommunale Zusammenarbeit durchaus für sinnvoll. Auch wenn es sich um ein sehr anspruchsvolles Thema handle, das wohl nicht bei allen Rathauschefs auf Begeisterung stoßen werde. Doch am Ende liegt die alleinige Entscheidung über die Ausweisung solcher Gebiete bei den einzelnen Kommunen.

Neben CSU und Freien Wählern stimmten auch die Grünen der Erstellung der Studie zu. Zwar sei man als Grüne generell skeptisch, wenn es um neue Gewerbeflächen gehe, sagte Kreisrätin Christa Heckel, doch auch ihre Fraktion sehe durchaus Vorteile. Zumal Frank Richartz mehrfach betonte, dass der Naturschutz von Anfang an beteiligt werden soll und dass durch die Ergebnisse der Studie der Flächenfraß im Landkreis sogar eingedämmt werden könnte. „Dann wissen wir nämlich auch, wo die Ausweisung eines Gewerbegebiets überhaupt Sinn macht“, so Richartz.

Denn parallel zu der Studie sollen im Herbst ansässige und interessierte Unternehmen befragt werden. Im Rahmen dieser Erhebung sollen auch Fragen zum künftigen Flächenbedarf geklärt werden. So könnten Angebot und Nachfrage besser aufeinander abgestimmt werden.

Bernd Ernstberger, Bürgermeister von Schwarzenbruck, signalisierte das Einverständnis von Seiten der SPD. Ihn schreckten allerdings die Kosten von insgesamt 80 000 Euro ab. Dieser Betrag, antwortete Richartz, sei absichtlich am oberen Ende der Spanne angesetzt, da 50 Prozent der Gesamtkosten über Fördermittel aus dem Leader-Programm des Freistaats beantragt werden. Nur falls dieser sich finanziell beteiligt, werde die Verwaltung ein Planungsbüro suchen und beauftragen. Mit Ergebnissen der Studie sei dann vermutlich in einem Jahr zu rechnen.

Endlich Klarheit schaffen

Am Ende stimmten nicht nur der Kreisentwicklungsausschuss, sondern auch die im Anschluss tagende LAG Nürnberger Land dem Vorhaben einstimmig zu. Ein guter Anfang, findet Richartz: „Es wird Zeit, dass wir uns einen Überblick verschaffen. Dann wissen wir, wo wir stehen.“ Denn selbst wenn am Ende herauskäme, dass es keine geeigneten Flächen gibt, könne man den Fokus künftig entsprechend auf andere Bereiche legen und beispielsweise auf den Ausbau von Tourismus-, Freizeit- oder Gesundheitsangeboten im Landkreis setzen.

N-Land Tina Braun
Tina Braun