BBV-Kreisobmann Felßner beklagt in Kühnhofen Preisverfall

„Wir steuern in hochproblematische Phase“

BBV-Kreisobmann Günther Felßner beklagte bei der Tagung der Ortsobmänner in Kühnhofen den massiven Preisverfall landwirtschaftlicher Produkte. Foto: Märtl2014/11/bauern_felssner.jpg

NÜRNBERGER LAND – Wäre allein die Ernte 2014 der Gradmesser für die Zufriedenheit der Landwirte, dann müssten sie angesichts der Ergebnisse zufrieden sein. Aber angesichts des Preisverfalls bei den Produkten stehen die Zeichen auf Alarm. Dies betonte BBV-Kreisobmann Günther Felßner bei der Obmännertagung in Kühnhofen. „Wir steuern in eine hochproblematische Phase. Die deutschen Landwirte sehen die Zukunft so pessimistisch wie schon lange nicht mehr.“ Angesichts der unter Druck geratenen Preise bekräftigte der Präsident des Mittelfränkischen Bauernverbandes den Appell des Präsidiums des Deutschen Bauernverbandes, zusätzliche Anforderungen und Auflagen für die Landwirtschaft zuallererst an der Realität der Märkte zu orientieren.

Zahlreiche Faktoren, so Felßner, würden aktuell die Preise für Schlachtschweine und Ferkel, Getreide und Ölsaaten, Obst, Gemüse und Milch unter Druck setzen. Hierzu gehören „politische Entscheidungen zur Ukraine-Krise und ihre handelspolitischen Folgen, Unsicherheiten über die gesamtwirtschaftlichen Konjunkturaussichten, aber auch fehlende langfristige Ausrichtung der Bioenergie- und Klimapolitik sowie die Entwicklungen auf den Weltagrarmärkten.“

Preisaktionen des Lebensmittelhandels würden die „negative Preisspirale zusätzlich antreiben“. Schwer enttäuscht zeigte sich Felßner angesichts der Tatsache, dass vom Thema Nachhaltigkeit nicht mehr viel geblieben ist. „Der deutsche Lebensmittelhandel kann nicht nachhaltig“, brachte er es auf den Punkt. Allerdings lasse man sich seitens der Landwirtschaft nicht entmutigen und werde den Weg der Nachhaltigkeit weitergehen.

Felßner verwies darauf, dass die deutschen Landwirte zunehmend mit politischen Diskussionen konfrontiert werden, die zusätzlich kostentreibende Anforderungen, Standards und gesetzliche Auflagen zur Folge haben. Damit werde die Wettbewerbsposition geschwächt.

Positiv sei, dass Marktexperten davon ausgehen, dass die Markttrends für die Landwirtschaft weltweit grundsätzlich positiv sind. Die hohe Qualität und die Sicherheit deutscher Agrarprodukte, die wachsende Weltbevölkerung, veränderte Essgewohnheiten sowie die steigende Nachfrage nach Agrarrohstoffen für energetische und industrielle Zwecke wären Grundlagen dieser Prognose.

Felßner, der auch Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbandes ist, forderte angesichts der durch politische Entscheidungen entstandenen Marktkrisen eine stärkere politische Unterstützung zur Krisenbewältigung.

Im Hinblick auf den Lebensmittelhandel und dessen Konzentration, wie sie die jüngste Sektoruntersuchung des Bundeskartellamtes attestierte, fordere man seitens des Bauernverbandes für die Zukunft eine strengere Überwachung von Zusammenschlüssen der Unternehmen und von Dumpingpreisangeboten sowie des Verkaufs unter Einstandspreis. Notwendig sei eine weitere Sektoruntersuchung, um die missbräuchliche Ausnutzung der Einkaufsmacht zu unterbinden. Verbraucher und Lebensmittelhändler seien dem Grundsatz „Lebensmittel sind mehr wert“ verpflichtet.

Zum Them „KULAP“ und gemeinsame Agrarpolitik zeigte er sich zufrieden, dass der Bauernverband mit seinen Forderungen sehr erfolgreich war. Gerade im Hinblick auf die Klein- und Nebenerwerbsbetriebe sei ein deutliches Zeichen gesetzt worden.

„Bürokratischer Wahnsinn“

Als den „Rohrkrepierer an sich“ titulierte er die neue Arzneimittelverordnung und ihre Bedeutung für die Landwirtschaft. Die Frage nach Resistenzen dürfe man nicht allein auf die Landwirtschaft fokussieren. Für Felßner ist die Arzneimittelverordnung ein „bürokratischer Wahnsinn“ ohne Aussicht auf eine Lösung.

Unter den Gästen begrüßte Günther Felßner auch Ehrenkreisobmann Helmut Schmidt, Kreisbäuerin Betty Schmidt, Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf, seinen Stellvertreter Siegried Schmidt, die weiteren Vorstandsmitglieder und stellvertretende Landrätin Cornelia Trinkl, die in ihrem Grußwort die wertvolle Arbeit der Landwirte im Nürnberger Land für die Landschaftspflege und die Gesellschaft besonders würdigte. Der Landkreis bekenne sich zur Landwirtschaft und unterstreiche dies mit der in Bayern beispielhaften Förderung der Arbeit mit einem jährlichen Zuschuss von 40.000 Euro.

Schwerpunktthema des Abends war die EU-Wasserrichtlinie und deren Auswirkung auf die Landwirtschaft, worüber wir noch ausführlich berichten werden.

N-Land Lorenz Märtl
Lorenz Märtl