Wald oder Gewerbe?

Das Luftbild zeigt das Alfelder Gewerbegebiet nördlich der Autobahn A6. Die zwei rot gestrichelten Waldflächen hätte die Gemeinde gern zusätzlich, um die Fläche besser zu arrondieren. Das grün gestrichelte Wiesengelände östlich davon, jetzt als Vorratsfläche für den Gewerbepark gesichert, würde sie dafür als Landschaftsschutzgebiet zurückgeben. Foto: Landratsamt2012/03/5_2_1_2_20120328_ALFELD.jpg

ALFELD (gz) – Wieder einmal hat die Gemeinde Alfeld versucht, im Kreistag eine Flächenänderung ihres Gewerbegebiets an der A6 zu erreichen. Wieder einmal ist der Kreistag den Bedenken der Unteren Naturschutzbehörde gefolgt und hat das abgelehnt. Aber Bürgermeister Karlheinz Niebler (CSU) will das nicht hinnehmen.

Das tief in die Talsenke eingezwängte Alfeld ist mit Gewerbeflächen nicht gesegnet. Deshalb war man in den 90ern stolz, kurz vor der Autobahn ein Gewerbegebiet von 15 Hektar ausweisen zu können, das heute zu gut zwei Dritteln belegt ist. Der Rasthof vorne an der Straße zur Autobahn war weniger erfolgreich. Seit entlang der A6 neue Rastanlagen entstanden, ist nur noch die Tankstelle in Betrieb. Auch eine große Photovoltaikanlage in einem Sondergebiet konnte sich nicht etablieren.

Mehrmals schon hat die Gemeinde Vorstöße unternommen, die Fläche des Gewerbegebiets anders zu schneidern. Weil aber das Gebiet an der Autobahn schon seit 1985 als Landschaftsschutzgebiet gilt, war die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt regelmäßig dagegen. Die Kreisräte entschieden trotzdem in drei Fällen für die Alfelder und nahmen 1992 vier Hektar, 1994 einen Hektar und 1999 sechs Hektar aus dem Schutzgebiet. Einig waren sich alle Parteien, dass der Waldstreifen vor der Autobahn erhalten bleiben sollte.

Dass die Alfelder nun Wald abholzen wollen, um das Gewerbegebiet besser einsehbar zu machen, registriert die Umweltbehörde mit Verwunderung. Die zuständige Abteilungssleiterin Manuela Eppe-Sturm: „In frei einsehbaren Gewerbeflächen wird (andernorts) mit viel Aufwand versucht, eine landschaftliche Einbindung zu erreichen, damit die negative Erscheinung von Gewerbebauten abgemildert wird. Im vorliegenden Fall würde man jedoch genau umgekehrt vorgehen.“ Sie lässt auch das Argument der Gemeinde nicht gelten, die schlechte Einsehbarkeit verhindern die Vermarktung der Restflächen. Das könne auch an der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung oder am Bevölkerungsrückgang liegen. Die fünf freien Hektar Alfelds machen nur ein Zwanzigstel der im Landkreis verfügbaren 100 Hektar nicht vermarkteter Gewerbeflächen aus. Da bestehe möglicherweise ein Überangebot.

Bürgermeister Karlheinz Niebler sieht das auf Nachfrage der HZ ganz anders. Seine Gemeinde ist gegenüber den sehr nahen Gewerbeflächen des Landkreises Neumarkt südlich der Autobahn einwandfrei im Nachteil. Die Oberpfälzer kassierten nämlich in der Vergangenheit bis zu 50 Prozent Förderung, entsprechend preiswerter konnten sie Flächen anbieten. Er habe derzeit mehrere Investoren an der Hand, die einsteigen würden, wenn das verfügbare Gebiet besser zugeschnitten wäre.

Schließlich spare die Gemeinde bei einem günstigeren Zuschnitt des Gewerbegebiets die Hälfte der noch nötigen Erschließungskosten. Die Belange des Naturschutzes sähe der Bürgermeister trotzdem gewährleistet. Denn die zum Austausch angebotene Freifläche die von der Fachbehörde bereits einmal als hochwertig analysiert worden — wegen der dort heimischen 18 Fledermausarten. Die Wiese wäre damit höherwertig als der dafür abzuholzende Wald.

Im Umweltausschuss des Kreistags, wo Niebler nicht vertreten ist, ging es lange zwischen den Grünen (die den Gemeinde-Antrag rundweg ablehnten) und der CSU (die Alfeld entgegen kommen wollte) hin und her. Schließlich setzte sich mehrheitlich der von Landrat Armin Kroder vorgeschlagene Kompromiss durch, den Antrag zwar im Moment abzulehnen, aber den Alfeldern Entgegenkommen zu signalisieren, wenn ein konkreter Investor für die gewünschten Flächen bereit stünde.

Aber diese Zukunftsoption reicht Niebler nicht. „Wir werden uns das nicht bieten lassen“, grollt er gegenüber der HZ und kündigt weitere Gespräche mit dem Landrat an. Auch die CSU-Fraktion hat beantragt, den Wünschen der Alfelder nachzukommen.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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