Diskussionsabend im Sportpark

Viele Pro- und Contra-Argumente zum Outlet

CSU-Frakionschef Thomas Kramer (rechts) umriss noch einmal die bislang bekannten Details zu einem möglichen Neinver-Outlet in Altdorf. | Foto: Blinten2016/07/outlet-diskussion.jpg

ALTDORF – Nachdem das Thema Outlet in Altdorf seit Wochen im Internet leidenschaftlich diskutiert wird, fand jetzt erstmals eine Diskussion in der realen Welt statt. Initiator der Veranstaltung war die örtliche CSU, die für die kommende Stadtratssitzung einen Antrag zu einem Ratsbegehren stellt. Wird dieser angenommen, dann kann der Stadtrat die Entscheidung über ein Outlet für Altdorf in die Hände der Bürger legen, es kommt zum Bürgerentscheid. Die Debattenrunde im bis auf den letzten Platz besetzten Sportpark sahen die Initiatoren deshalb als Schritt zur Meinungsbildung.

Eine politische Veranstaltung der CSU, so betonte folglich der Ortsvorsitzende Michael Haubner, sollte der Abend nicht sein: „Für uns ist das ein Meinungsaustausch.“ Die Gelegenheit dazu nutzten die Teilnehmer dann auch ausführlich. Zahlreiche Pro- und Contra-Argumente wurden ausgetauscht, wobei es zunächst den Anschein hatte, als wären nur Outlet-Gegner im Saal. Erst als sich nach ungefähr einer Stunde Lisbeth Happ, die ehemalige Vorsitzende der Altdorfer Senioren-Union, zu Wort meldete und sich als erste für das Outlet-Projekt aussprach, wagten auch weitere Befürworter des Projekts, sich zu äußern. „Die Firma Neinver wird irgendwo anders bauen, wenn es hier nicht klappt“, so Happ an die Adresse der Kritiker. Und die Gegner sollten einfach mal mit jungen Leuten sprechen, die dem Ganzen aufgeschlossen gegenüberstehen würden.

Hohes Risiko?

Zuvor hatten Diskussionsteilnehmer auf eine ganze Reihe von Unwägbarkeiten hingewiesen, die eine Ansiedlung eines Outlets aus ihrer Sicht verbieten. So etwa die Altdorfer Unternehmerin Vicki Marx, Gründerin der Marke Mammalila. Es berge ein hohes Risiko, sich bei der Outlet-Ansiedlung auf einen Investor zu verlassen: „Was passiert, wenn das Ganze nicht mehr läuft?“ Da sei doch die bestehende Planung von Professor Kress besser, die sieben kleinere Gewerbegrundstücke auf dem Areal an der Nürnberger Straße vorsieht.

„Gebiet nicht blockieren“

Bürgermeister Erich Odörfer äußerte sich erneut ablehnend: Es sei einfach nicht in Ordnung jetzt für einen Zeitraum von möglicherweise zehn Jahren ein für Altdorf wichtiges Gebiet mit den Outlet-Plänen zu blockieren. Überdies sei die Realisierung schwierig: „Wir haben hier ein teilweise sehr steiles Gelände.“ Außerdem werde die Regierung von Mittelfranken das Neinver-Vorhaben nicht genehmigen, ist sich der Altdorfer Rathauschef sicher. Andererseits habe er ständig Nachfragen von Firmen, die nach Altdorf wollen und die Gewerbegrund suchen. Dabei geht es um umsichtige Gewerbepolitik. Genau die hat die Stadt in der Vergangenheit erfolgreich betrieben, so das Fazit von Günter Lang. Der Schulleiter im Ruhestand warnte eindringlich vor den Outlet-Plänen, die seien nicht gut für die Stadt. Genauso sieht das auch Diakon Mathias Kippenberg, bei den Rummelsberger Anstalten zuständig für Spendenprojekte: „Die Stadt würde sich massiv verändern.“ Altdorf brauche kein Outlet, sondern vielmehr Wohnraum. Alexander Hommel, Geschäftsmann aus Feucht und Inhaber einer Filiale in Altdorf, appellierte an die Stadträte, das Ratsbegehren abzulehnen und zu entscheiden, dass kein Outlet nach Altdorf kommt: „Ihr verunsichert alle Gewerbetreibenden.“ Ganz anders der Grünen-Stadtrat Horst Topp: Am kommenden Donnerstag zu entscheiden, wäre unfair, „die öffentliche Meinungsbildung soll ernst genommen werden.“  Diplom-Kaufmann Bernd Lochschmidt dagegen sprach sich dafür aus, das Thema in aller Ruhe anzugehen. Ganz wichtig sei jetzt unter anderem, Erfahrungen anderer Kommunen abzufragen, die Outlets angesiedelt haben.

Auf die Gefahr, dass Altdorf mit dem Bau eines Outlets möglicherweise Städtebauförderungsmittel zurückzahlen muss und künftig diese Mittel nicht mehr erhält, wies der SPD-Fraktionschef Martin Tabor hin, der das Projekt gleichwohl nicht ablehnt, sondern sich mehr Informationen wünscht und wie Lochschmidt den Entscheidungsprozess über einen längeren Zeitraum laufen lassen will.
Für viele überraschend war das Statement einer direkten Anwohnerin des Gebiets an der Nürnberger Straße: Ein Outlet sei doch allemal besser als ein konventionelles Gewerbegebiet.

Aus den Nachbargemeinden waren allein Winkelhaids Bürgermeister Michael Schmidt und der Winkelhaider CSU-Fraktionschef Andreas Gleich nach Altdorf gekommen, obwohl die Ansiedlung eines Outlets in Altdorf unmittelbare Auswirkungen auch für die Nachbarn hat. Derzeit, so Schmidt, steht das Neinver-Vorhaben in Winkelhaid noch nicht ganz oben auf der Themenliste. „Ich sehe aber, dass es nicht allein ein Altdorfer Problem ist.“ Ist ein Outlet in Altdorf überhaupt genehmigungsfähig oder nicht? Das sollte nach Auffassung von Dr. Ralf Schabik umgehend geklärt werden.

Für Zimmerei-Inhaber Wolfgang Leonhardt sind Outlet-Kunden, die den Altdorfer Markt besuchen, ein Gewinn für die Stadt. Lisbeth Happ war nach eigenen Angaben die älteste Diskutantin des Abends, Steven Stecher (19) war der jüngste. Wie Happ und Leonhardt sieht Stecher beim Outlet Projekt größere Chancen als Risiken für Altdorf.

Läden auf 13.000 Quadratmeter

Als Fraktionssprecher der Altdorfer CSU machte Thomas Kramer deutlich, dass man bei der Komplexität des Themas jetzt nichts übers Knie brechen sollte. Kramer umriss noch einmal das Neinver-Vorhaben: 13.000 Quadratmeter Verkaufsfläche will das Unternehmen in Altdorf erstellen, zwischen 500 und 1000 Arbeitsplätze könnten entstehen. Die Gewebesteuer, so Kramer, könnte sich auf rund 500.000 Euro belaufen. Aufträge aus dem Outlet würden an lokale Dienstleister und Handwerker gehen. Außerdem könnten mit der Realisierung des Neinver-Vorhabens eine Stadthalle und ein Hotel gebaut werden.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten