Raiba Oberferrieden-Burgthann

Umstrukturierung des Filialnetzes

Das Schild ist abmontiert, im Eingang stapelt sich Abbruchmaterial. Die ehemalige Geschäftsstelle der Raiffeisenbank in Unterferrieden ist ebenso verwaist wie die in Ezelsdorf und Mimberg. | Foto: Spandler2016/03/db-unterferriedenraib.jpg

OBERFERRIEDEN – Die Bankenlandschaft wandelt sich, verändertes Kundenverhalten und die Niedrigzinsphase stellen die Verantwortlichen vor neue Aufgaben, vor allem, wenn sie weiterhin bestrebt sind, den genossenschaftlichen Grundgedanken ernst zu nehmen, wie viele Raiffeisenbanken. Die Raiffeisenbank Oberferrieden-Burgthann hat die Herausforderung angenommen, den Strukturwandel in der Branche als Chance zu sehen, die Angebote zu bündeln und die Ausstattung auf den neuesten Stand zu bringen. Dies geht einher mit einem Umwandlungsprozess: Bereits im vergangenen Jahr wurden Filialen geschlossen, eine Geschäftsstelle zur SB-Station umgewandelt, leibhaftige Mitarbeiter gibt es nur noch an zwei Standorten.

Schon vor zwei Jahren begann man damit, die Standorte Burgthann und Oberferrieden in Kompetenzzentren umzubauen, wodurch die Weichen für die nächsten zehn Jahre gestellt werden sollen, erklärt Vorstandsvorsitzender Paul Hartl. Zunächst wurde modernisiert, in Burgthann entstanden neue Beratungsräume mit allen denkbaren technischen Facetten wie Großbildschirmen, die bestens angenommen würden. Alle Serviceleistungen und Produkte des Bankenspektrums werden in diesen beiden Häusern angeboten. Und die Vorteile der neuen technischen Aufrüstung überwiegen die Nachteile – die Schließung von drei der ursprünglich sieben Filialen –, so die Wahrnehmung des Vorstands, wenn er das Kunden-Feedback beurteilt.

Dennoch musste das Netz schrumpfen, weil die Auslastung schon lange nicht mehr wirtschaftlich war. So beschloss man im vergangenen Juni, den Standort Unterferrieden zu schließen, da dort auch nach einer Reduzierung der Öffnungszeiten kaum noch Publikumsverkehr stattfand. Auch die Geschäftsstellen in Ezelsdorf und Mimberg haben dichtgemacht, Ezelsdorf zum Beispiel war zuletzt noch eine unrentable Ein-Personen-Filiale. Auch in Pfeifferhütte gibt es keinen personenbesetzten Schalter mehr. Hier steht nun eine Selbstbedienungsfiliale, ebenso wie im Einkaufszentrum im Oberferriedener Espenpark, wo sich ursprünglich nur ein Auszahlungsautomat befand.

Generationenwechsel schaffen

Angesichts der „guten Akzeptanz“ in den beiden Kompetenz-Zentren und der Grundversorgung durch die SB-Filialen sehen Hartl und sein Stellvertreter Silvio Klein die Erhaltung der Präsenz im Geschäftsgebiet der Raiba Oberferrieden-Burgthann aktuell gut gewährleistet. „Wir müssen den Generationenwechsel schaffen“, sagt Paul Hartl und meint damit die Anpassung an den Kundenwunsch, immer mehr Finanzgeschäfte am heimischen PC oder dem Computer im Büro abzuwickeln. Dass im Gegenzug auch Kunden vor der geschlossenen Tür ihrer gewohnten Bank-Filiale stehen, weiß er natürlich auch. Doch der Anteil der Bevölkerung, der aus mangelnder Mobilität nicht zum nächsten Ortsteil gelangt, in dem das volle Dienstleistungsangebot vorgehalten wird, schrumpft. Schon jetzt sei der Übergang problemlos vonstatten gegangen, so die beiden Banker. Die Unterferrieder und Ezelsdorfer orientieren sich nach Oberferrieden, die Mimberger und Pfeifferhütter nach Burgthann.

Dass kaum Beschwerden eingingen, liegt nach Ansicht von Silvio Klein an der transparenten Informationspolitik des Geldinstituts seinen Kunden gegenüber. Man habe, lange bevor die Umstrukturierung vollzogen wurde, bereits die meisten Kunden in persönlichen Gesprächen informiert. Außerdem weist Hartl darauf hin, dass die Ausstattung durch Standorte in der Region immer noch die der Mitbewerber schlägt. „SB-Automaten sind an allen Knoten-Punkten erhalten“, lobt er die Grundversorgung durch Cash-Maschinen. In Ezelsdorf, Mimberg und Unterferrieden ist das allerdings nicht der Fall, die Instandhaltungskosten und die enorm teuren Sicherungsvorrichtungen summieren sich gewaltig. Wichtig ist dem Vorstand auch die Tatsache, dass der gesamte Mitarbeiterstamm der 34 Angestellten erhalten geblieben ist: „Die Neuausrichtung hat keinen einzigen Arbeitsplatz gekostet.“ Die Arbeit im Team in Oberferrieden und Burgthann hat für das Personal nicht nur einen positiven sozialen Effekt, auch sei der Sicherheitsaspekt gestärkt worden. Denn eine einzelne Person in einer Geschäftsstelle kann in kritischen Situationen schnell überfordert sein, da muss es nicht einmal um einen Überfall gehen.

Der komplette Umbau des mittelständischen Unternehmens Raiffeisenbank Oberferrieden- Burgthann wird erst in den nächsten Monaten abgeschlossen sein.

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