HandWERK

Taschen mit Geschichte

Stefan Mancini liebt es, mit Holz zu arbeiten. Fotos: Stefanie Camin2021/04/HW-21-Lebenshilfe-03.jpg

Was bei der Lebenshilfe aus ehemaligen Hüpfburgen entsteht

Rattattataa macht es leise, während Susanne Betzold ganz in ihre Arbeit vertieft ist und eine gelbe PVC-Plane vernäht. Sie ist eine jener betreuten Mitarbeiterinnen der Lebenshilfe Nürnberger Land, die in der Näherei aus alten Hüpfburgen oder Werbebannern Taschen fertigt. Upcycling nennt sich das Ganze, bei dem ausgediente Materialien nicht nur wiederverwendet, sondern aufgewertet werden. Jede Tasche hat dabei ihre eigene Geschichte und kann ganz schön was wegstecken: Worauf sich früher Kinder ausgetobt haben, bietet das neue Produkt heute Platz für Geldbeutel, Smartphone und vieles mehr.

Die Näherei ist eine Abteilung der Moritzberg-Werkstätten, die auf zwei Standorten in Lauf rund 350 Rehabilitationsplätze in verschiedenen Tätigkeitsfeldern anbieten. Zum Leistungsspektrum gehören Garten- und Landschaftsbau, Holz- und Metallverarbeitung sowie Industrie-, Verpackungs- und Elektromontage als auch der Bereich Hauswirtschaft. Seit 1985 können sich hier geistig behinderte Menschen – auf angepasstem Niveau – beruflich verwirklichen, die in der freien Wirtschaft oft schwer eine Chance bekommen. Hier erhalten sie neben einem Gehalt auch einen Rentenanspruch und können voller Stolz sagen: „Ich gehe in die Arbeit!“

Susanne Betzold, stets konzentriert, bei den anspruchsvollen Näharbeiten.2021/04/HW-21-Lebenshilfe-02.jpg

„Die Gruppenleiter brauchen manchmal Geduld“, weiß Jürgen Schmitt, der die Moritzberg-Werkstätten leitet. Beschäftigte mit Behinderung bekommen in den Werkstätten stets die Unterstützung und Förderung, die sie benötigen.

Berufsbildungsbereich
Um den Beschäftigten mit Unterstützungsbedarf den Einstieg ins Arbeitsleben zu erleichtern, schafft die Lebenshilfe Nürnberger Land mit dem sogenannten Berufsbildungsbereich die entsprechenden Voraussetzungen:

In etwas über zwei Jahren qualifizieren sich die Teilnehmer des Berufsbildungsbereichs in den von ihnen selbst gewählten Bereichen. Neben fachlicher Fertigkeiten erhalten sie hier Schulungen, etwa zu Themen wie Alltagskompetenzen, Kommunikation, Ordnung, digitales Arbeiten und praktische Fertigkeiten. Seit 2020 bietet der Neubau „Berufsbildungszentrum“ in Lauf-Schönberg auf 100 Quadratmetern modern ausgestattete Räume.

Yasmin Frauenknecht präsentiert zwei Taschen aus dem aktuellen Portfolio.2021/04/HW-21-Lebenshilfe-01.jpg

Die Tasche ist fertig
Inzwischen kommt Susanne Betzold ihrem Ziel langsam aber sicher „näh-er“: Nur noch wenige Stiche mit der Nähmaschine, und die nächste bunte Tasche ist fertig. Stolz zeigt sie ihr Ergebnis den Gruppenleiterinnen der Näherei, Karola Stiegler und Christina Brendel zur Endkontrolle. Die beiden Schneidermeisterinnen haben inzwischen etliche Schnittmuster für verschiedene Taschen- und Rucksack-Modelle entworfen. Die Aufgaben werden nach den persönlichen Stärken der Betreuten und deren Neigungen verteilt; quasi fördern und fordern, ohne zu überfordern.

Wer eines der robusten Unikate sein Eigen nennen oder verschenken möchte, wird im Lebenshilfe-Laden in Lauf-Schönberg oder unter www.shop-moritz.de fündig. Hier gibt es auch weitere praktische und pfiffige Textilien vom ersten Spucktuch fürs Neugeborene über eine Wickelauflage bis hin zum Rock für modebewusste Frauen.

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Schreinerei
Unter freundlich-fachlicher Anleitung zu den unterschiedlichen produktbezogenen Schwierigkeitsstufen, durch die Gruppenleiter Gerhard Pöltzl und Philip Engelmann, kreischen in der Schreinerei die Sägen, wenn zwölf Betreute Holz bearbeiten. Unter der Marke „moritz.home“ entstehen hier Wohnaccessoires, Brotzeitbretter, Tabletts oder der „Dauerbrenner“ Schemel, gefertigt aus hochwertigen heimischen Hölzern wie Buche, Eiche oder Nussbaum. Diese und viele weitere Produkte aus der eigenen Fertigung sind im Lebenshilfe-Laden erhältlich.

Anspruchsvoller geht es im industriellen Teil der Schreinerei zu: Ob Sprungkästen für den Schulsport oder Aufsteller für Tagesangebote vor Gaststätten, ob Sonderanfertigungen wie Paletten in speziellen Größen oder ein nach exakten Vorgaben ausgeführter Auftrag für den Parcours einer Hundetrainingsanlage.

Die betreuten Mitarbeiter arbeiten motiviert, mit viel Freude – brauchen manchmal aber etwas länger. Die Chance zur professionellen Teilhabe am Arbeitsleben bekommen Menschen mit Behinderung bei der Lebenshilfe Nürnberger Land.

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Unternehmensdaten:

Lebenshilfe im Nürnberger Land e. V.
Nessenmühlstraße 35
91207 Lauf/Schönberg
Tel. 0 91 23 / 97 50 0
Fax: 0 91 23 / 97 50 97
[email protected]
www.lebenshilfe-nbg-land.de
www.shop-moritz.de

Zahlen & Fakten:
→ Gründung: 1969
→ Gesamt-Beschäftigte: 931
→ 1. Vorsitzender: Gerhard John
→ Geschäftsführung: Dennis Kummarnitzky
→ Werkstattleitung: Jürgen Schmitt

Bereiche der Moritzberg-Werkstätten:
→ Montage
→ Garten- und Landschaftsbau
→ Hauswirtschaft
→ Holz
→ Textil
→ Metall

Die Lebenshilfe Nürnberger Land präsentiert sich auch in den sozialen Medien wie YouTube, Facebook, Instagram oder Twitter.

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