Die Bürgerinitiative begrüßt die neue Entwicklung

Stromtrasse: Widerstand erzwingt Umplanung

Freut sich, dass endlich Bewegung in die Sache kommt: BI Sprecher Werner Merkel. Foto: Blinten2014/07/merkel_01.jpg

ALTDORF – Die Bürgerinitiative gegen die Gleichstromtrasse freut sich darüber, dass nun neu geplant werden soll. „Es ist positiv, dass jetzt endlich dort, wo tatsächlich Entscheidungen getroffen werden können, Bewegung in die Sache gekommen ist“, so BI-Sprecher Werner Merkel. Wie berichtet, haben sich die Koalitionsspitzen in Berlin am Freitag darauf geeinigt, den Trassenverlauf sowie Anfang und Endpunkt der Amprion-Trasse Süd-Ost zu ändern. Über die Details freilich ist noch nichts bekannt.

Für den Altdorfer Steuerberater steht fest, dass die neue Entwicklung nur wegen der massiven Proteste der Bürgerinitiativen zustande kam. Die BIs hatten dabei mit den Kommunen und Landkreisen und mit der Politik auf allen Ebenen zusammengearbeitet. „Man sieht, dass bürgerliches Engagement Wirkung zeigt“, freut sich Merkel. Allerdings sei die grundsätzliche Frage nach der Notwendigkeit der Leitung nach wie vor unbeantwortet.

„Stimmt offensichtlich nicht“

Die Leitung wurde bisher damit begründet, dass Windstrom aus dem Norden in den Süden transportiert werden muss, „was ja offensichtlich nicht stimmte, da die Leitung ihren Ausgangspunkt in einem Braunkohlerevier hatte“. Deshalb bleibt die hiesige BI misstrauisch: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“, sagt Merkel. „Die Menschen stehen deshalb dem Projekt grundsätzlich sehr kritisch gegenüber.“

Dass der Ausgangspunkt der Leitung nun an die Ostseeküste verlagert wurde, erscheint vielen als politisches Manöver, um dem Argument Braunkohlestrom beizukommen.

Fraglich sei dabei, ob diese Maßnahme auch dazu führt, dass die Pläne für die Verstromung von Braunkohle geändert werden, oder ob dieser Strom dann lediglich über andere Leitungen ins Netz kommt, bspw. über die Thüringer Strombrücke geleitet wird. Abgesehen davon könne die Leitung grundsätzlich aber nur mit dem Ausbau der Windenergie in der Ostsee gerechtfertigt werden. Somit sei der Bau der Leitung eng an die tatsächliche Realisierung der Offshore-Windanlagen gekoppelt, so Merkel weiter.

Die Leitung könne demnach erst zu dem Zeitpunkt in Angriff genommen werden, wenn die Ausbaustufen der Windkraft in der Ostsee definitiv und unwiderlegbar feststehen. Im Augenblick scheine es aber eher so zu sein, dass dieser Ausbau und Anschluss an das Festlandsnetz eher Probleme bereitet. Die Annahme, dass irgendwann in Zukunft Windparks in der Ostsee entstehen, reiche als Argument für den Bau der Leitung keinesfalls aus.

Das würde eher den Verdacht nähren, dass man sich mit der Leitung ganz andere Energiequellen erschließen will als die Windkraft, nämlich über eine Leitung durch die Ostsee an das russische Atomkraftwerk Baltinskaja in Kaliningrad anschließen zu wollen.

Die Möglichkeit der Erdverkabelung müsse einen völlig anderen Stellenwert bekommen. Die Ablehnung wurde bisher stets mit den deutlich höheren Kosten begründet. Laut einer Auskunft der Bundesnetzagentur beträgt der Mehrkostenfaktor aber gerade mal 2 bis 3. „Was von grundlegender Bedeutung ist, bisher aber nie genannt wurde, ist in diesem Zusammenhang aber doch, wie sich diese Mehrkosten auf den Preis je Kilowattstunde auswirken. Bei einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh betragen die Mehrkosten gerade mal 2,80 Euro pro Jahr“, rechnet Merkel vor. Dann läge die Leitung vollständig unter der Erde.

Sofern die Notwendigkeit der Leitung wegen des Transports von Windstrom nachgewiesen sei, gehöre sie vollständig unter der Erde verlegt, weil die Mehrkosten je Kilowattstunde in einem vernachlässigbaren Bereich lägen, so die BI. Auch der Eingriff in die Natur sei bei der Erdverkabelung keinesfalls so dramatisch, wie bisher dargestellt.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten