Sternstraße: eines von fünf Holzbau-Pilotprojekten in Bayern

Ständig Nachwuchs

Bürgermeister Konrad Rupprecht, Bayerns Finanz- und Heimatminister Markus Söder und Bereichsleiter Immobilien der Bayerischen Staatsforsten Reinhard Strobl präsentierten das Projekt „Innovativer Holzbau“. | Foto: Hornung2017/08/Feucht-Pilot-Holz-Sternstrasse.jpg

FEUCHT – In der Sternstraße in Feucht entsteht was großes Neues: Der Markt Feucht baut hier eine Kindertagesstätte für 110 Kinder, die Bayerischen Staatsforsten mehrgeschossige Wohnhäuser für 120 Menschen – alles aus Holz. Damit ist die „Sternstraße“ eines von fünf bayerischen Pilotprojekten „Innovativer Holzbau“.

„Wir haben ständig Nachwuchs“, sagte Feuchts Bürgermeister Konrad Rupprecht während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bayerns Finanz- und Heimatminister Markus Söder und dem Bereichsleiter Immobilien der Bayerischen Staatsforsten Reinhard Strobl. Für die vielen Kinder der Kommune plant Feucht schon seit langem den Bau einer neuen Kita.

„Wir haben ständig Nachwuchs“, die Worte hätten genauso gut aus dem Mund von Reinhard Strobl stammen können, der den Anwesenden erklärte, dass während man hier sitze, draußen quasi schon das nächste Haus heranwachse. „40 Sekunden dauert es, bis in unserem Gebiet das Holz wieder nachgewachsen ist, das man für ein Einfamilienhaus braucht.“

Projekt mit Signalwirkung

Für den Bau von Einfamilienhäusern wird der Werkstoff Holz bereits häufig verwendet. 20 Prozent Marktanteil besitzen die Bayerischen Staatsforsten hier laut Strobl. Wenig verbreitet sei die Holzbauweise allerdings bei mehrgeschossigen Häusern. Das wollen die Staatsforsten ändern, mit Modellprojekten, von denen sie sich Nachahmer erhoffen und somit einen neuen Markt. „Der Rohstoff Holz ist nachhaltig und wird in Bayern produziert“, sagte Söder. Diese „sympathische Bauweise“ passe zu Feucht, das damit zum Modell für ganz Bayern werde.

Knapp über 8000 Quadratmeter umfasst das Gelände an der Feuchter Sternstraße. Auf 3220 Quadratmetern soll die neue Kindertagesstätte Lieblingsplatz entstehen, auf 4800 Quadratmetern mehrgeschossige Wohnhäuser mit 35 bis 40 Einheiten und bezahlbarem Wohnraum für bis zu 120 Personen – alles aus Holz.

Wer Bauherr für die mehrgeschossigen Wohngebäude wird, steht noch nicht ganz fest. Eventuell übernehmen die Bayerischen Staatsforsten, die Eigentümer des Grundstücks sind, diese Funktion selbst, teilte Rupprecht unserer Zeitung mit. „Das wäre ein Novum.“ Eventuell suchen die Forsten auch einen anderen Bauherren.

Bereits im Dezember letzten Jahres sei klar gewesen, dass die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Wohnungen denen für die Kindertageseinrichtung hinterherhinken, sagte Rupprecht. Deswegen habe man das Bauleitplanverfahren beider Projekte getrennt. Nachdem in der letzten Woche die Marktgemeinde und die Staatsforsten den Erbpachtvertrag unterschrieben, steht der neuen Kita nun nichts mehr im Weg. Der Baubeginn ist für Ende des Jahres vorgesehen. Was jetzt so einfach klinge, sei ein schwieriger Prozess mit vielen bürokratischen Hürden gewesen, sagte Söder.
Bauherr der neuen Kindertageseinrichtung wird der Markt Feucht sein. Die Trägerschaft übernimmt der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Derzeit ist das ASB-Kinderhaus Lieblingsplatz, das dorthin umziehen soll, noch in mobilen Raummodulen an der Schulstraße untergebracht. Der Einzug in die neue Einrichtung ist für 2018 geplant.

Das Modell der Kindertagesstätte in der Sternstraße.2017/08/Feucht-Sternstrasse-Modell.jpg

Dach scheint zu schweben

Der pädagogische Schwerpunkt des Kinderhauses liegt auf der individuellen Entwicklung des einzelnen Kindes im Kontext zu seiner Umgebung. Rupprecht erläuterte die Zusammenhänge zwischen pädagogischem und architektonischem Konzept. 110 Kinder sollen in Krippe, Kindergarten und Hort einen Platz finden. Untergebracht sind die Gruppen in einzelnen, eingeschossigen Häusern. Nur Hort und Verwaltung bekommen zwei Stockwerke. Alles wird barrierefrei. Das Ungewöhnliche: Alle Bereiche sind räumlich getrennt und nur über Wege im Freien verbunden. Diese Wege werden überspannt von einer Dachkonstruktion zwischen den Häusern, die wirkt als würde sie schweben. Eine Stadt für Kinder solle die neue Kita werden, die Häuser altersgerecht eingerichtet und in verschiedenen Farben. „Ich bin sicher, dass die neue Kindertageseinrichtung von den Nutzern so gut angenommen wird, dass sich der jahrelange Kampf am Ende mehr als gelohnt hat“, schloss Rupprecht.

3,3 Millionen wird der Kita-Neubau kosten, für den es Zuschüsse vom Land Bayern gibt, deren genaue Höhe zur Zeit jedoch noch nicht feststeht.

Die Frage des dritten Bürgermeisters Gerd Steuer nach einem Zeitplan für das Wohnbauprojekt beantwortete Strobl mit dem Hinweis, dass derzeit Gespräche mit dem Landratsamt laufen, man sich einen Gemeinderatsbeschluss zum Bebauungsplan für Frühjahr 2018 und den Baubeginn für Ende 2018/19 vorstelle.

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung