Der Handelsverband Bayern lehnt das Projekt ab

SPD mit unterschiedlichen Outlet-Positionen

Altdorfer SPD-Stadträte: Rudi Lodes (links), Michaela Tabor (Mitte) und Martin Tabor (rechts) stehen dem Outlet Projekt aufgeschlossen gegenüber, Michael Gleiß (2.v.l.) und Karin Völkl (2.v.r.) lehnen es entschieden ab. | Foto: privat2016/07/spd-outlet.jpg

ALTDORF – Wo steht eigentlich die Altdorfer SPD in Sachen Designer-Outlet-Center? Grüne und FW/UNA haben sich bereits positioniert und lehnen das Projekt ab, die CSU beantragt ein Ratsbegehren, an das sich ein Bürgerentscheid anschließen könnte. Und die SPD ist sich nun darin einig, dass der gesamte Prozess, der zu einer Entscheidung über das Projekt führt, so transparent wie möglich sein soll. Gegenwind gibt es für die Outlet-Pläne derweil vom Handelsverband Bayern, dessen Bezirksgeschäftsführer eindringlich vor der Ansiedlung des Neinver-Centers warnt.

Innerhalb der Altdorfer SPD wird genauso wie in der Bevölkerung kontrovers darüber diskutiert, welche Chancen und welche Risiken für die Stadt durch eine Outlet-Ansiedlung entstehen. Wie berichtet, will das spanische Immobilien-Unternehmen Neinver 13.000 Quadratmeter Verkaufsfläche an der Nürnberger Straße in Altdorf errichten, dazu Parkplätze für 1400 Fahrzeuge. Die Gegner führen ökologische Aspekte gegen die Pläne ins Feld und warnen vor einer Verödung der Altdorfer Innenstadt. Befürworter des Projekts verweisen auf mindestens 500 neue Arbeitsplätze und nicht unerhebliche Gewerbesteuern für die Stadt. In Zweibrücken zahlt Neinver für sein dortiges Marken-Outlet jährlich einen hohen sechsstelligen Betrag in die Stadtkasse.

„Entschleunigung“

Vor diesem Hintergrund spricht sich SPD-Fraktionschef Martin Tabor auch für eine „Entschleunigung“ aus. Für ihn ist das von der CSU-Fraktion beantragte Ratsbegehren zum Outlet durchaus eine Option, „auch wenn dies andere Fraktionsmitglieder kritisch sehen“, sagt Tabor. Für ihn kann sich das Ratsbegehren dabei nur auf die Frage beziehen, ob die Planung für das Outlet weitergeführt werden soll. Sollte es nämlich bei den vertraglichen Verhandlungen mit dem Investor zu Differenzen kommen, müsse der Stadtrat entscheidungsfähig bleiben, um das Projekt noch ablehnen zu können.

Stadträtin Karin Völkl, eine erklärte Gegnerin der Outlet-Pläne, verweist darauf, dass nach momentaner Beschlusslage die Pläne von Professor Kress für ein Gewerbegebiet mit Stadthalle und Hotel auf dem Tisch liegen. Auch Stadtrat Michael Gleich lehnt das Outlet kategorisch ab. Für ihn kommt deshalb ein Ratsbegehren nicht in Frage, weil er das Vorhaben schnell erledigt haben will. Seine Fraktionskollegin Michaela Tabor dagegen warnt vor überhasteten Beschlüssen. Gerade jüngere Wähler würden sich positiv zum Outlet äußern. Stadtrat Rudolf Lodes steht den Outlet-Plänen zwar aufgeschlossen gegenüber, sieht aber mögliche Probleme mit dem Verkehr.

Ladensterben am Markt?

Noch ganz andere Probleme sieht Uwe Werner, Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbands Bayern (HBE), auf Altdorf zukommen. Ladensterben in der Innenstadt, Leerstände und Verödung rings um den Markt – so sieht Altdorfs Zukunft aus Werners Perspektive aus, sollte das Outlet vor den Toren der Stadt entstehen. Jürgen Alber, Inhaber der Firma Rüger Leder und Betten am Oberen Markt, und örtlicher HBE-Vertreter, teilt Werners Befürchtung. Die Ausweisung großer Verkaufsflächen am Stadtdrand sei ein massiver Angriff auf die Innenstadt. Der Handelsverband beobachtet, laut Werner, an Outlet-Standorten erhebliche Umsatzverlagerungen zu Lasten der alteingesessenen Geschäftswelt. Beispiel Ingolstadt: „Die Innenstadt geht dort den Bach hinunter“, so der HBE-Bezirksgeschäftsführer mit Hinweis auf das Outlet Ingolstadt Village.

Jürgen Alber fällt auf, dass bei der Planung des Outlet-Standorts in Altdorf „offenbar einiges nicht beachtet wurde“. So hat die Autobahndirektion etwa beim Bau der Umgehungsstraße seinerzeit die Anbindung an die Autobahn über einen Kreisverkehr abgelehnt. Jetzt soll aber an derselben Stelle wieder ein Kreisverkehr kommen, über den dann die Verkehrsströme ins Neinver-Center geleitet werden. „Die Autobahndirektion kann dem nicht zustimmen, wenn sie dasselbe in der Vergangenheit abgelehnt hat“, so Alber, der auch auf Altdorfs neue Rolle als Fair-Trade-Stadt hinweist. Ein Outlet-Standort passe damit ja wohl überhaupt nicht zusammen.

Werner ist fest davon überzeugt, dass Nachbarkommunen klagen werden, wenn es in Altdorf grünes Licht für die Outlet Planung gibt. „Das Ganze hat ohnehin keine realistische Chance auf eine entsprechende Genehmigung“, ist er sich sicher.

Am heutigen Mittwoch findet im Sportpark eine von der Altdorfer CSU initiierte Diskussion zum Thema Outlet statt. Derweil läuft auf Facebook eine Online-Abstimmung in Sachen Bürgerentscheid zum Outlet. 386 Teilnehmer sind dafür, 38 sind dagegen, sie wollen eine Entscheidung durch den Stadtrat.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten