Sinnstiftung inklusive

Zu den Angeboten der Förderstätte für Menschen mit Autismus gehört auch der Besuch eines Schwimmbades. | Foto: Paavo Blafield2019/04/Wirtschaftsbeilage_Nland_Foto_-Paavo_Blafield_Rummelsberger-Diakonie3.jpg

„Kennst du einen Menschen mit Autismus, kennst du einen Menschen mit Autismus“, Ralph Eichenseher, im Nürnberger Land und in Nürnberg Leiter des Fachbereichs Autis­mus der Rummelsberger Dienste für Men­schen mit Behinderung, wandelt den be­kannten Spruch, in dem von einem auf alle geschlossen werden kann ab.

Menschen mit Autismus, da ist jeder anders. Aufregend oder besonders reizvoll sind Menschen und Arbeit; Eichenseher findet beides gut. Jeder Mensch drücke sich anders aus als sein Ge­genüber. Auch Menschen, die miteinander sprechen, meinen nicht immer das Gleiche, wenn sie sich einig sind. Wenn Sprache und Kontaktaufnahme eingeschränkt sind, wird es manchmal schwieriger – oder interessan­ter.

Förderstätte als Einstieg in die berufliche Welt

Eine Förderstätte hat den Auftrag, Menschen so zu begleiten, dass sie möglichst einmal in einer Werkstatt für Menschen mit Behinde­rung oder gar auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen können. „Arbeit ge­hört zum Menschsein“, sagt Eichenseher. Er erklärt: „Wir leben nicht immer nur in unse­ren privaten Bezügen, sondern definieren uns eben auch über unser Arbeitsleben.“

In der Förderstätte heißt Arbeit auch, hauswirt­schaftliche Tätigkeiten zu üben. Von der Es­senszubereitung bis zur Reinigung der Kü­che, vom Saubermachen bis zum Waschen der Handtücher reichen die Tätigkeiten. Ein Werkraum für Holzarbeiten steht zur Verfü­gung. Daneben gibt es auch Aufträge aus der Wirtschaft, wie beispielsweise die allen Datenschutzauflagen entsprechende Akten­vernichtung. Gartenarbeit und Botengänge werden erledigt. Kooperationen mit Pflege­einrichtungen oder Tierheimen bereichern den Alltag.

Situationen auf die eigene Art und Weise lösen

Eichenseher erinnert sich an eine Situation, die ein Kollege erlebte: Einer der Teilnehmer nutzt zur Kommunikation Bildkarten. Diese zeigen auch anstehende Tätigkeiten. Bei­spielsweise „Wäsche falten“. An diesem Tag hatte der junge Mann große Lust auf einen Besuch im Schwimmbad und keine Lust auf Wäsche falten. Also tauschte er die Wäsche­karte gegen die Schwimmbadkarte aus.

Der Mitarbeiter brachte den Tagesplan wieder in Ordnung, denn es war gerade nicht möglich, sofort zum Baden zu fahren. Bestimmt fünf Mal wurden die Karten hin- und hergewech­selt. Schließlich verschwand der Teilnehmer in der Waschküche. Dort füllte er großen Ei­mer mit Wasser und tauchte mit dem Kopf hinein. Für ihn war das an diesem Tag seine Möglichkeit mit der Situation umzugehen und sie für sich zu lösen.

Genau dies zuzulassen, zu spüren, dass dies vielleicht nicht die beste, aber eben eine der möglichen Lösungen gewesen ist, erwartet Eichenseher von den Kolleginnen und Kolle­gen in der Förderstätte. „Wir leben gemein­sam in der gleichen Welt“, sagt er und fährt fort: „Aber jeder hat seinen ganz eigenen Zugang.“ Menschen mit Autismus sind in ih­rer Individualität ebenso liebenswert wie herausfordernd ist sich der Heilpädagoge si­cher.

Der B.A.-Heilpädagoge (FH) Ralph Eichenseher findet seine Arbeit herausfordernd und sinnstiftend. | Foto: Paavo Blafield2019/04/Wirtschaftsbeilage_Nland_Eichenseher_Foto_-Paavo_Blafield_Rummelsberger-Diakonie3.jpg

Arbeit macht natürlich am meisten Spaß, wenn wir in dem, was wir tun, einen Sinn se­hen. Am Haus Weiher in Hersbruck sollen neue Förderplätze eingerichtet werden. Es gibt dort zurzeit nicht bewirtschaftete Streuobstwiesen, die von der Förderstätte re­aktiviert werden sollen. „Stellen Sie sich vor“, schwärmt Eichenseher, „wir versorgen die Obstwiesen, ernten Äpfel, backen davon Ku­chen oder machen Obstsalate für die ganze Hausgemeinschaft.“ Dazu soll es noch einen Nutzgarten geben. Nachhaltigkeit wird da­mit ganz automatisch gepflegt.

Vielfältiges Angebot im Landkreis

Auch Ralph Eichenseher ist auf der Suche nach Fachkräften, die dabei helfen, die An­gebote für Menschen mit Autismus weiter zu entwickeln. „Das ist vielleicht das Schönste an meinem Beruf“, sagt er werbend, „kein Tag ist wie der andere und wir haben viele Möglichkeiten, unsere Aufgaben sinnvoll und kreativ zu gestalten.“  Weitere Informationen gibt es auf www.jobsplussinn.de.

Über die Behindertenhilfe hinaus ist die Rummelsberger Diakonie im Nürnberger Land in der ambulanten und stationären Altenhilfe, der Jugend-und Familienhilfe sowie als Träger von Ausbildungsstätten für soziale und diakonische Berufe tätig. Rund 12.000 Menschen nehmen täglich die Dienste der Rummelsberger Gruppe in Anspruch. Fast 6.000 Mitarbeitende erbringen die diakonisch-sozialen Dienstleistungen. Der Jahresumsatz 2017 lag bei knapp 310 Millionen Euro.

Rummelsberger Diakonie e.V.
Rummelsberg 2, 90592 Schwarzenbruck
Telefon 09128/502439
E-Mail: [email protected]
www.rummelsberger-diakonie.de

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