Selen der Firma RETORTE: Der spannende Grat zwischen essenziell und schädlich

Lebensnotwendig: Der Mensch braucht Selen – das gleichzeitig bei einer Überdosierung toxisch ist. Foto: RETORTE GmbH2021/06/WB-21-Retorte-03.jpg

Nein, die Firma RETORTE am östlichen Ortsausgang von Röthenbach hat weder etwas mit Torten noch mit Retortenbabys zu tun. Der Name „Retorte“ steht in der Chemie für ein Destilliergefäß aus Glas. Dieser Bezug ist kein Zufall, denn die 1948 gegründete RETORTE GmbH beschäftigt sich mit dem chemischen Element Selen. Den Namen hat dieses Chalkogen (Element der sechsten Hauptgruppe, ebenso wie Sauerstoff und Tellur) in Anlehnung an die griechische Mondgöttin Selene erhalten. Und letztendlich umgibt dieses Selen tatsächlich schon fast etwas Mystisches, ist es doch lebensnotwendig und toxisch zugleich.
Variantenreicher kann ein Produkt respektive dessen Verwendung kaum sein: Selen fällt bei der Kupfererzeugung beim Verhütten, einem metallurgischen Prozess, an. Die Hamburger Firma AURUBIS stellt seit 150 Jahren hochreines Kupfer aus Kupferkonzentrat her. Ein Nebenprodukt, das dabei entsteht, ist Selen. Und hier kommt deren Tochterfirma RETORTE im Nürnberger Land ins Spiel, die dieses Selen weiterverarbeitet und sich als weltweit führender Anbieter von selenbasierten Chemikalien etabliert hat.
Nachdem der menschliche Körper Selen nicht selbst herstellen kann, nimmt er es über die Nahrung, wie zum Beispiel Getreide, auf. Die niedrige Selenkonzentration in mitteleuropäischen Böden reicht dafür allerdings nicht aus, ergo muss der Bedarf anderweitig gedeckt werden. Zu den wichtigsten Selenlieferanten zählen tierische Lebensmittel; daher wird das Spurenelement ins Tierfutter gemischt.
Zu wenig Selen schadet – und zu viel auch. Daher wird im Durchschnitt gerade einmal ein halbes Gramm Selen (etwa zwei Sandkörner) in einer Tonne (Gewicht eines Bullen) Tierfutter verteilt.

Einsatz von Selen
Aber Selen wird auch in der Industrie angewendet: Eingebaut in Photovoltaikanlagen, wandelt die Solarzelle Sonnenlicht in elektrische Energie um. Für ihre Herstellung bedarf es unter anderem der (Halb-)Metalle Indium, Gallium, Tellur – und Selen. Auch im Glas, zum Beispiel getönt als Autodach oder ganz aktuell in den Glasampullen des COVID-19-Impfstoffs, in den Fotoplatten eines Mammografie-Gerätes oder sogar in so manchem Schuppenshampoo verbirgt sich Selen aus Röthenbach.

Weltweiter Vertrieb
Mit ihren 40 Mitarbeitern deckt die RETORTE in konstanter Qualität weltweit den Markt für Selenchemikalien ab. 90 Prozent seiner Produkte versendet das Unternehmen an über 500 Kunden aus rund 15 Branchen in mehr als 50 Ländern. Die Kunden wissen das Know-how der RETORTE zu schätzen; nicht nur fachlich, sondern auch im Handling. Schließlich sind Selen und Selenverbindungen giftig. Sicherheit wird daher bei der RETORTE großgeschrieben: vom Umgang mit Selen bis hin zum gesicherten Areal, das mit seinem Eisentor ein bisschen wie Fort Knox anmutet.

Menschlich: In den acht Jahren, in denen Christoph Imkamp als Geschäftsführer die Firma leitet, hat kein einziger Mitarbeiter gekündigt. Foto: Stefanie Camin2021/06/WB-21-Retorte-01.jpg

Langjährige Mitarbeiter
Gerade weil die Verarbeitung dieses chemischen Elements strengen Vorschriften unterliegt, sucht man hier vergeblich temporär eingesetzte Zeitarbeitnehmer. Die Mitarbeiter sind langjährige Experten im Umgang mit Selen. Ein extrem vielseitiger, oft international ausgerichteter Job, ein freundliches Betriebsklima und ein lukrativer Chemietarifvertrag tragen dazu bei, worauf Geschäftsführer Christoph Imkamp zu Recht stolz ist: „In den acht Jahren, in denen ich dabei bin, hat bei der RETORTE noch keiner gekündigt!“

Interessiert: Die 22-jährige Isabella Lange absolviert die Ausbildung zur Chemielaborantin: „Chemie war schon immer mein Ding.“ Foto: Stefanie Camin2021/06/WB-21-Retorte-02.jpg

Im Gegenteil: An Chemie interessierte Menschen wie die 22-jährige Auszubildende zur Chemielaborantin Isabella Lange finden hier spannende Herausforderungen mit langfristiger Perspektive. So auch Thomas Luber; ihm wurde die Arbeit bei der RETORTE quasi in die Wiege gelegt, nachdem seine beiden Eltern und sein Onkel hier bereits ihre Brötchen verdient haben. Entsprechend vertraut war ihm die Firma bereits im Vorfeld; da lag es nahe, dass der heute 47-Jährige ebenfalls hier anfing – und das inzwischen vor 21 Jahren: „Ich bin gerne hier und könnte mir nicht vorstellen, woanders zu arbeiten.“

Mehr: Im Frühling 2021 wird eine 700 Quadratmeter große Produktionshalle neben dem bestehenden Gebäude (Foto) entstehen. Foto: RETORTE GmbH2021/06/WB-21-Retorte-04.jpg

Neue Produktionshalle
Die Retorte jedenfalls hat noch viel vor: Erstens investiert das Unternehmen in ein neues, 700 Quadratmeter großes Produktionsgebäude (Baubeginn: geplant Frühling 2021). Außerdem will Christoph Imkamp zum 100-jährigen Jubiläum „zur Not mit dem Rollator kommen“. Mit einem gesunden Lebensstil und der richtigen Dosis Selen (Stärkung des Immunsystems, Schutz der Zellen vor oxidativem Stress) feilt er am besten schon mal an seiner Rede.

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RETORTE GmbH
Selenium Chemicals & Metals
Sulzbacher Straße 45
90552 Röthenbach
Tel. 0911 / 95 33 74-0
www.retorte.de

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