Schwieriges Werben um neue Unternehmen

Blühende Landschaften im Gewerbegebiet Mühllach – aber nicht gerade das, was man sich im Rathaus der Stadt Röthenbach für die Fläche vorstellt. Über drei Hektar stehen noch zum Verkauf. Foto: Sichelstiel2012/05/43181_gewerbemuehllachleerhydrant_New_1337155264.jpg

RÖTHENBACH — Über acht Hektar freie Gewerbeflächen hat Röthenbach in der Mühllach und an der Fischbachstraße – aber neue Firmen sind dort in den vergangenen Jahren nicht hingezogen. Woran hakt es?

Der Blick nach Lauf muss die Röthenbacher schmerzen. Nach drei Jahren gibt es dort im 13 Hektar großen Gewerbegebiet an der Autobahnausfahrt Lauf-Süd kaum noch freie Flächen. Und in Röthenbach? Blüht der Löwenzahn und steht das Gras in der Mühllach kniehoch.

Auf drei Hektar könnten sich am Ortsausgang in Richtung Renzenhof neue Gewerbesteuerzahler ansiedeln, an der Fischbachstraße gibt es über fünf Hektar Platz. Dieses Areal liegt zwischen derS-Bahn und dem Diehl-Werk, es eignet sich angesichts seiner Ausmaße für große Bauvorhaben, während die Mühllach ideal für Handwerker ist.

„Es gibt Interessenten“, sagt Bastian Streitberger, der Wirtschaftsförderer der Kommune. Und: „Im Prinzip passt alles.“ Aber eben nur im Prinzip. Beide Gewerbegebiete haben ein Manko, und das ist der Boden, auf dem sie liegen.

Bauschutt im Boden

Die Mühllach, die dem Freistaat gehört, war früher eine Sandgrube, wurde danach mit Bauschutt aufgefüllt. Zwar ist laut Josef Hailand, dem Leiter des Röthenbacher Bauamts, „keine Kontamination“ vorhanden, aber der Schutt ist nicht besonders tragfähig. Heißt: Wer bauen möchte, muss Pfähle ins Erdreich rammen oder tief graben. „Ein gewisser Nachteil im Vergleich mit anderen Gewerbegebieten“, heißt es aus dem Rathaus.

Diesen „gewissen Nachtteil“ hat auch das zweite Gebiet. An der Fischbachstraße steckt auf rund 1,8 Hektar Ofenschlacke im Boden, vor Jahrzehnten dort mit Genehmigung des Landratsamts vergraben. Investoren müssten diese – je nach Art der Bebauung – erst entsorgen. Nicht gerade ein Standortvorteil.

Preise zwischen 60 und 65 Euro

Kann Röthenbach wenigstens mit günstigen Preisen punkten? Jein. Immobilien Freistaat Bayern, die Gesellschaft, die staatliche Grundstücke vermarktet, möchte laut eines Exposés zwischen 60 und 65 Euro pro Quadratmeter. Hinzu kommt eine Abschlagszahlung von über 13 Euro für die Erschließung. Weitere Kosten fallen an, wenn die Stadt die Straße durch die Mühllach, die bisher nur teilweise fertig ist, ausbaut.

Dass die Endsumme nicht feststeht, ist ein Problem für Interessenten. Ansonsten bewegt sich die Stadt im gehobenen Mittelfeld. Die Wirtschaftsförderung des Landkreises weiß, dass die Preise für Gewerbeflächen im Nürnberger Land zwischen 40 und 130 Euro pro Quadratmeter liegen, inklusive Erschließung. Letzteres bezahlt man etwa für ein Grundstück im Gewerbepark Feucht-Wendelstein.

„Der Freistaat kann nicht zu Dumpingpreisen verkaufen“, sagt Streitberger. Also muss Röthenbach mit seinen Standortfaktoren werben. Man liege verkehrsgünstig, so der Wirtschaftsförderer. Aber verkehrsgünstig liegen Lauf und Schwaig auch. Sie haben direkten Autobahnanschluss.

Wohl deshalb hatten die Freien Wähler während der Haushaltsberatungen vor zwei Jahren erneut den Vorschlag eingebracht, die Stadt möge sich für eine eigene Ausfahrt an der A 9 stark machen. Ein Projekt, das schon lange diskutiert wird, aber immer verworfen wurde. Günther Steinbauer, der Bürgermeister, mahnt: Eine solche Ausfahrt könnte den Schwerlastverkehr nach Röthenbach bringen, Lastwagenfahrer würden hier bei Stau von der A 9 auf die A 3 wechseln.

Diehl hat noch Flächen

In puncto Gewerbeflächen sei die Stadt „wenig verhandlungsfähig“, meint der Bürgermeister, weil sie keine eigenen Flächen habe. Steinbauer spielt auf ein weiteres Gebiet an, das gut zu vermarkten wäre: Der Diehl-Konzern besitzt Dutzende Hektar entlang der S-Bahn-Linie nach Nürnberg. Bisher ist das Unternehmen aber nicht zum Verkauf bereit, wohl weil es sich eine Erweiterung seines Werks zumindest vorbehalten möchte. Weitere Gewerbegebiete kann die Stadt nur dann ausweisen, wenn sie in den Bannwald eingreift. „Das gibt einen Aufschrei“, sagt Steinbauer.

Also doch wieder Mühllach und Fischbachstraße: Auf Antrag der Grünen wird sich der Stadtrat demnächst mit der Frage befassen, wie die Gewerbegebiete an den Mann gebracht werden können. Immerhin, gibt Steinbauer zu bedenken, gehöre Röthenbach nicht zu den finanziell schwachen Kommunen im Landkreis. „Wir leben ordentlich wenn nicht sehr gut von den Steuereinnahmen“, sagt er.

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