24 Stunden, 24 Unternehmen: Bayerisches Rotes Kreuz

Schnelle Hilfe rund um die Uhr

Notfallsanitäter Maximilian Wutz betreut eine Patientin im Rettungswagen. | Foto: Stefanie Camin2019/10/Quer-oben_ihn-unbedingt-schaerfer-machen.jpg

In dieser Serie stellen wir 24 regionale Betriebe aus unterschiedlichen Branchen vor. Jedes Unternehmen bekommt dabei eine Stunde, und das acht Wochen lang; jede Woche drei Firmen. Die Stunde zwischen 23 und 24 Uhr gehört heute dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK), Kreisverband Nürnberger Land in Lauf. Während andere schlafen, sind die Rettungssanitäter, Rettungsassistenten und Notfallsanitäter für Menschen in Not da. Heute ist eine Diabetikerin ohnmächtig geworden, ihr Bekannter hat sofort Hilfe gerufen – die schnell da war. Nachdem der Notarzt die Dame versorgt hat, bringen die BRK-Mitarbeiter sie ins Krankenhaus.

23 Uhr, Anfang November. Es ist stockdunkel und kalt. Davon bekommen Andreas Schuhmann, Rettungs-assistent beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) Kreisverband Nürnberger Land, sein Kollege und der Notarzt nichts mit – im Gegenteil, ihnen ist warm. Weil ein Aufzug fehlt, laufen sie eilig über das Treppenhaus in den vierten Stock eines Mehrfamilienhauses: Eine Diabetikerin ist bewusstlos geworden. Ihr Bekannter, der gerade zu Besuch ist, hatte die 112 gewählt. Der Notarzt übernimmt die medizinische Versorgung, stellt im Rahmen der Untersuchung eine Unterzuckerung fest und spritzt Glucose. Andreas Schuhmann assistiert bei der Versorgung; schon bald kommt die Patientin wieder zu sich. Sie ist ansprechbar, aber ihr Blutzuckerspiegel ist noch unter dem Normalwert; daher bringen An-
dreas Schuhmann und sein BRK-Kollege die Dame ins Laufer Krankenhaus, wo sie über Nacht beobachtet wird. Die beiden Sanitäter fahren wieder zur Rettungswache; ihre Zwölf-Stunden-Schicht ist erst um 6 Uhr mor-
gens vorbei.

Rettungsassistent Andreas Schuhmann bereitet eine Infusion vor. | Foto: Stefanie Camin2019/10/Quer-unten-2.jpg


Ausbildungssystem
Rund um die Uhr muss das BRK geschulte Mitarbeiter sowie entsprechende Fahrzeuge stellen, um einen 24-Stunden-Rettungsdienst gewährleisten zu können. Die Mitarbeiter sind Rettungssanitäter mit einer sechsmonatigen Qualifikation oder Rettungsassistenten mit einer zweijährigen Berufsausbildung. Letztere wurde abgelöst durch das neue Berufsbild des Notfallsanitäters mit einer dreijährigen Ausbildung. Sie stellt die höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst dar. Die meisten der Rettungsassistenten beim BRK im Nürnberger Land haben sich bereits zum Notfallsanitäter weiterqualifiziert. Die Fahrzeuge sind unterteilt in Rettungswagen (im Fachjargon „RTW“ abgekürzt), Krankentransportwagen („KTW“) und Notarzteinsatzfahrzeuge („NEF“). Mindestens zwei BRK-Mitarbeiter zählen dabei zur Besatzung des RTWs, während im NEF der Notarzt und der Rettungssanitäter sitzen. Der RTW fährt von der Rettungswache los – in Lauf liegt diese in der Henry-Dunant-Straße als Seitenstraße der Hersbrucker Straße. Das NEF hingegen hat gerade einen Einsatz abgeschlossen und startet vom Krankenhaus. Weil sich RTW und NEF am Einsatzort treffen, spricht man vom „Rendezvous“-System. Alle BRK-Fahrzeuge sind mit GPS ausgestattet, sodass im Einsatzfall immer klar ist, wo sich das nächste freie Fahrzeug befindet. Was gerade in nächtlichen Stunden viele Bürger stört, ist eine rechtliche Vorgabe: Sobald die Einsatzfahrzeuge des Roten Kreuzes zu einem Notfall alarmiert werden, müssen Folgetonhorn – umgangssprachlich Martinshorn genannt – und Blaulicht eingeschaltet sein.

Andreas Schuhmann, 28, Rettungsassistent: „2009 habe ich ehrenamtlich beim BRK angefangen, seit 2017 bin ich hauptamtlicher Rettungs-assistent. Wir erleben hier alles. Schlimm war für mich eine erfolglose Kinder-Reanimation, das beschäftigt einen schon länger. Vor einem Jahr konnten wir dafür einen Mann am Heiligen Abend reanimieren, das vergisst man andersherum auch nicht.“ | Foto: Stefanie Camin2019/10/Andreas-Schuhmann.jpg
Uwe Winkler, 57, stellvertretender Leiter Rettungsdienst: „Seit 40 Jahren bin ich dem BRK treu. Ich trage meinen Teil dazu bei, dieses komplexe Hilfe-leistungssystem am Laufen zu halten. Konkret heißt das, ich betreue knapp 100 Mitarbeiter und 19 Rettungsdienstfahrzeuge. Meine Aufgaben sind sehr vielseitig: von der Personalplanung über das Fuhrpark-Management oder den Einkauf.“ | Foto: Stefanie Camin2019/10/Uwe-Winkler_schaerfer.jpg


Fünf ehrenamtliche Gemeinschaften
Die ehrenamtliche Arbeit im BRK Kreisverband Nürnberger Land teilt sich in fünf Gemeinschaften auf. Die Mitglieder der Wasserwacht retten nicht nur Leben in Schwimmbädern, an Flüssen oder Seen, sie bringen Kindern und Erwachsenen auch das Schwimmen bei. Im Rahmen von Vermisstensuchen rund um Gewässer kommt die Wasserwacht ebenso zum Einsatz. Oftmals in die Höhe geht es für die Ehrenamtlichen der Bergwacht. Sie retten Menschen in unwegsamem Gelände – ob verunglückte Wanderer auf dem Glatzenstein oder gestürzte Mountainbike-Fahrer im Bikepark in Osternohe: Die Bergwacht kommt im ganzen Landkreis zum Einsatz. Die Ehrenamtlichen der Bereitschaften unterstützen in vielen Einsatzbereichen. Zur Bereitschaft gehören auch Fachdienste und Untergruppen wie z.B. Rettungshunde oder Psycho-soziale Notfallversorgung (PSNV). Die PSNV ist eine Art psychologische Erste Hilfe für Angehörige, beispielsweise Hinterbliebene nach einem Suizid, und auch für Einsatzkräfte. Bekannt sind die Bereitschaften auch von Großveranstaltungen wie Kirchweihen oder Konzerten, bei denen sie den Sanitätsdienst stellen. Bei Bombenentschärfungen unterstützen sie Evakuierungsmaßnahmen und sorgen für die medizinische Absicherung der Einsatzkräfte. Mitglieder der Wohlfahrts- und Sozialarbeit (WuS) unterstützen beispielsweise die beiden Rotkreuzläden in Lauf und Hersbruck oder BRK-Kindertagesstätten im Landkreis. Sie organisieren Seniorenveranstaltungen, unterstützen bei Seniorengymnastik und betreuten Reisen. Das Jugendrotkreuz (JRK) als fünfte Gemeinschaft, vermittelt Kindern und Jugendlichen die Werte des Roten Kreuzes – und führen junge Menschen spielerisch an das „gemeinsame Helfen“ heran. Basteln, Erste Hilfe, Besuch bei der Feuerwehr oder auf einer Rettungswache stellen nur einen kleinen Teil des großen JRK-Angebotes dar. Die ehrenamtliche und soziale Arbeit des Roten Kreuzes im Nürnberger Land wird maßgeblich durch Fördermitgliedsbeiträge ermöglicht. Um professionelle ehrenamtliche Arbeit leisten zu können, entstehen neben der geopferten Freizeit nämlich auch erhebliche Kosten für Ausbildung, Fahrzeuge, Gerätschaften, Einsatzkleidung und vieles mehr. Während Andreas Schuhmann und sein Kollege am nächsten Morgen nach der anstrengenden Nachtschicht zu Hause schlafen, bringt die Diabetespatientin vom Vorabend ein kleines Dankeschön in Form von Pralinen in die Rettungswache.

FAKTEN BRK Kreisverband Nürnberger Land:
Bereiche: Wasserwacht, Bergwacht, Bereitschaften, Wohlfahrts- und Sozialarbeit (WuS), Jugendrotkreuz (JRK)
Mitarbeiter: 185 hauptberufliche, 1500 ehrenamtliche Mitarbeiter
Weitere Angebote: Ambulante Pflege, Hausnotruf, Menüservice,
Erste-Hilfe-Kurse

KONTAKT Bayerisches Rotes Kreuz:
Kreisverband Nürnberger Land
Henry-Dunant-Straße 1
91207 Lauf
Telefon: (09123) 9403-0
www.kvnl.brk.de

N-Land Stefanie Camin
Stefanie Camin