Schnelle Hilfe für Verletzte und Kranke

Anästhesiologie-Oberarzt Franz Winner und Stationsleitung Christina Mayr versorgen eine Patientin im Schockraum. | Foto: Stefanie Camin2019/09/Oben-quer_aufhellen.jpg

In dieser Serie stellen wir 24 regionale Betriebe aus unterschiedlichen Branchen vor. Jedes Unternehmen bekommt dabei eine Stunde, und das acht Wochen lang; jede Woche drei Firmen. Zwischen 5 und 6 Uhr haben wir uns in der Notaufnahme des Krankenhauses Lauf umgesehen, in der um diese Zeit wahrlich keine Nachtruhe herrscht: Ein Patient mit Druck auf der Brust und Atemnot hat oberste Priorität – ab jetzt läuft die Maschinerie auf Hochtouren, damit der Patient optimal versorgt wird. Was sonst noch alles in der Notaufnahme passiert und wann welche Bereitschaftsdienste zur Verfügung stehen, lesen Sie hier.

Lauf.
Der Mann schlurft langsam am Arm seiner Frau auf den Empfangstresen zu. Kalter Schweiß steht ihm auf der Stirn, er ist aschfahl, seine Augen sind vor lauter Angst weit geöffnet. Seit Stunden leidet er unter Druck auf der Brust und Atemnot. Während sich andere um fünf Uhr morgens noch einmal im warmen Bett umdrehen, sind die Mitarbeiter der Notaufnahme des Laufer Krankenhauses hellwach und ganz für ihre Patienten da. Krankheiten haben schließlich keinen Feierabend und keine Nachtruhe, wie der Patient gerade schmerzvoll merkt.
Während seine Frau das Auto umparkt, um den Platz vor der Notaufnahme für Krankenwagen & Co freizuhalten, wendet der Empfangsmitarbeiter das Triage System nach dem Emergency Severity Index (ESI, übersetzt: Notfall-Härtegrad-Index) an. Dieser Index standardisiert die weitere Vorgehensweise in Notaufnahmen, indem es die Patienten nach ihren Symptomen und Beschwerden und dadurch nach der Dringlichkeit ihrer Behandlung in fünf Gruppen einteilt – und nicht nach der Reihenfolge der Anmeldung. Der neu Angekommene gehört zu dem Drittel der Patienten in der Notaufnahme, die umgehend behandelt werden müssen.
Sofort läuft der Prozess im Krankhaus auf Hochtouren: die Pflegekraft am Empfang ruft einen der beiden diensthabenden Ärzte. Die zuständige Krankenschwester, Stationsleitung Christina Mayr, nimmt auf Anordnung des Arztes Blut ab, informiert das Labor, dass bald eine dringende Blutprobe zur Untersuchung kommt, und führt ein EKG durch. Beide, Arzt und Krankenschwester, sprechen dabei beruhigend auf den Patienten ein, erklären, was sie tun und warum. Seine vorher vor Sorge schockgeweiteten Augen gehen auf ihre „normale“ Größe zurück; er spürt, dass er hier bestens versorgt wird.

Die stellvertretende Stationsleitung Monika Geist nimmt einer Patientin Blut ab. | Foto: Stefanie Camin2019/09/Unten-quer.jpg


Schockraum
Das EKG zeigt einen Infarkt, daher ist eine kontinuierliche EKG-Überwachung am Monitor notwendig, der Herzfrequenz, Blutdruck und Sauerstoffsättigung anzeigt. Der Aufnahmearzt ordnet eine Herzkatheter-Untersuchung an, bei der eine Verengung der Herzkranzgefäße behoben wird. Der Patient erhält entsprechende Medikamente und kommt von der Notaufnahme auf die Intensivstation, wo er weiterbetreut wird. Zeit zum Durchschnaufen gibt es weiterhin nicht in der Notaufnahme. Während zwei Patienten behandelt werden, wird eine junge Frau im Wartebereich ungeduldig: Sie möchte schnell drankommen, damit sie pünktlich in die Arbeit kommt – außerdem sei die Zecke auf ihrem Arm ja wohl schnell zu entfernen. Was sie nicht sieht: Hinter den Türen der Behandlungszimmer herrscht Hochbetrieb, ein Patient im Schockraum fordert die ganze Aufmerksamkeit des diensthabenden Arztes und zweier Krankenschwestern. Der Schockraum steht zu jeder Tages- und Nachtzeit für akute Erkrankungen sowie lebensbedrohliche Verletzungen zur Verfügung und ist mit modernsten Geräten für die Diagnostik und Patientenversorgung ausgestattet.
Die Krankenhäuser Lauf und Altdorf gehören seit 2006 als Krankenhäuser Nürnberger Land GmbH zum Klinikum Nürnberg. Im Jahr 2018 hat das Laufer Krankenhaus insgesamt 7600 Patienten stationär aufgenommen. Zwei Fachabteilungen gehören zur Notaufnahme in Lauf: Die Chirurgie sowie die Innere Medizin. Erstere behandelt im Durchschnitt 50 chirurgische, letztere um die 25 internistische Patienten-Notfälle. Pro Tag. „Wir haben oft sogenannte Motto-Tage“, plaudert die stellvertretende Stationsleitung Monika Geist. augenzwinkernd aus dem Nähkästchen: „Wenn ein Notfallpatient mit gereiztem Blinddarm zu uns kommt, haben wir oft zig weitere im Laufe der Schicht.“

Eva Dumhard, 22,Gesundheits- und Krankenpflegerin:
„Ich arbeite hier seit drei Jahren. Mir gefällt es, weil jeder Tag, jede Stunde anders ist: ständig passiert etwas; neue Patienten kommen mit ganz unterschiedlichen Krankheitsbildern. Vorhin haben wir eine Dame aufgenommen, der nach einem Kollaps schwindelig war. Wir haben als Erstes abgeklärt, was sie hat, und jetzt folgt gleich die Übergabe auf die internistische Station.“
| Foto: Stefanie Camin2019/09/Eva-Dumhard.jpg
Kathrin Kellner, 40, Krankenschwester: „Im Krankenhaus Lauf bin ich erst seit einigen Monaten, vorher war ich im Krankenhaus in Hersbruck, das ja geschlossen ist. Patienten aufnehmen, Ärzte informieren, notfallversorgen, Blut abnehmen, Ultraschall, Pflegeanamnese … Meine Arbeit ist extrem abwechslungsreich. In den Beruf bin ich quasi ‘reingewachsen: Meine Mutter war auch schon Krankenschwester.“ | Foto: Stefanie Camin2019/09/Kathrin-Kellner_rotes-Gesicht-optimieren.jpg


Bereitschaftsdienste
Neben der Notaufnahme des Krankenhauses Lauf bietet die Ärztliche Bereitschaftspraxis (KVB) auch außerhalb der klassischen Sprechzeiten Hilfe bei Erkrankungen an, wegen der ein Patient während der regulären Öffnungszeiten zum Hausarzt gehen würde: Montags, dienstags und donnerstags von 18 bis 21 Uhr, mittwochs und freitags von 16 bis 21 Uhr sowie an den Wochenenden von 9 bis 21 Uhr. Kostenlos und vorwahlfrei ist der KVB unter der Telefonnummer 116117 zu erreichen. Ein kinderärztlicher Bereitschaftsdienst komplettiert das Angebot an den Wochenenden: Am Samstag, Sonntag und an Feiertagen kümmern sich Chirurgen um Verletzungen. Bei „klassischen“ Kinderkrankheiten wie Ohrenschmerzen oder Durchfall sollten die Eltern ihre Kinder in die Cnopf’sche Kinderklinik oder in die Kinderklinik des Klinikums Nürnberg Standort Süd fahren, weil die Instrumente des „gewöhnlichen“ Bereitschaftsdienstes für Erwachsene und nicht für Kinder ausgelegt sind.
Notfallmedizinsymposium
Die Krankenhäuser Nürnberger Land GmbH lädt am 12. Oktober 2019 zum Notfallmedizinsymposium im Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr Lauf in der Pegnitzstraße 15 ein. Die Besucher erwarten zwischen 9 und 16.30 Uhr unter anderem Vorträge über präklinische Sauerstoffgabe, Schuss- und Explosionsverletzungen, Gemeindenotfallsanitäter sowie Kindernotfall. Workshops rund ums EKG, THL-Rettung aus dem Fahrzeug, Kommunikation in kritischen Situationen und nichtinvasive Beatmung (NIV) runden das Angebot ab. Weitere Infos und Anmeldung unter 09123 / 180-111 oder [email protected]

FAKTEN KRANKENHÄUSER NÜRNBERGER LAND
Gebaut: 1962 mit An-/Neubauten 1993, 1999, 2003, 2008 + 2017
Mitarbeiter: 700, davon 600 in Lauf
Stationen: 7 mit 188 Betten (in Lauf)
Motto: 24 Stunden für Sie da!

KONTAKT
Krankenhäuser
Nürnberger Land GmbH
Simonhofer Straße 55
91207 Lauf
Telefon: 09123 180-0
www.kh-nuernberger-land.de

N-Land Stefanie Camin
Stefanie Camin