Bauernmarkt Altdorf

Rote Karte für den Plastik-Wahn

Am Samstag soll eine Auflärungskampagne am Bauernmarkt stattfinden, damit Plastiktüten bald weitgehend der Vergangenheit angehören. „Mikroplastik spielt zunehmend auch in der Landwirtschaft eine Rolle“, sagt Wolfgang Müller und will die Verpackungsflut durch bewusstes Verwenden von umweltfreundlichen Materialien eindämmen. | Foto: privat2019/04/Altdorf-Bauernmarkt.jpg

ALTDORF. Bauernmarkt-Mitbegründer Wolfgang Müller und seine Mitstreiter plädieren für mehr Mehrweg.

„Unser Markt soll grüner werden“ – ob Wolfgang Müller, einer der Geburtshelfer des Altdorfer Bauernmarkts, diesen plakativen Satz so uneingeschränkt unterschreiben würde, sei dahingestellt. Was er aber ganz sicher unterstützt, ja initiiert hat, ist ein Vorhaben, mit Hilfe dessen der Einweg-Verpackungswahn weitestgehend eingedämmt werden soll. Zu diesem Zweck wird am kommenden Samstag auf dem Markt eine umfangreiche Info-Aktion gestartet.

Denn auch auf dem Bauernmarkt sind Plastiktüten beliebt, weil sie für saubere Einkaufstaschen sorgen, wenn feuchtes Gemüse mit heimischer Erde eingepackt werden muss. Also einfach eine saubere Sache? Alles andere als sauber, denkt man an den ökologischen Fußabdruck, den der Kunststoff hinterlässt.

Wenn am Samstag, 3. Mai, die Bestücker des Bauernmarkts und einige weitere Überzeugungstäter die Kunden über Alternativen zum ewigen Plastiksack aufklären, gibt es einen netten Nebeneffekt: Dann feiert der Markt auf den Tag seinen 28. Geburtstag, denn am 3. Mai 1991 wurde er aus der Taufe gehoben. Mit dabei: Rinderzüchter Wolfgang Müller aus Rasch, überall in der Umgebung unter seinem alten Hausnamen Vollerbauer bekannt.

„Erfolgsgeschichte“ Bauernmarkt

Bis vor kurzem war er der erste Vorsitzende des damals gegründeten Vereins, heuer hat er die Führung an Robert Bauer abgegeben und begnügt sich mit einem Stellvertreter-Posten.
Stolz nennt er die vom ehemaligen Altdorfer Bürgermeister Friedel Weißkopf angeregte Institution in der Stadtmitte eine „Erfolgsgeschichte“ und legt Wert darauf, dass das Sortiment in einer runden Palette von Gemüse über Wurst, Fleisch, Käse, Brot und Kuchen bis hin zu Säften und Obstbränden auf höchstem Qualitätsniveau besteht. Die beteiligten Landwirte verkaufen fast nur Lebensmittel, die sie in Eigenproduktion auf dem heimischen Hof erzeugen.

15 Betriebe bieten ihre regionalen Erzeugnisse an, und zwar nur aus eigener Herstellung und Vermarktung, was erklärt, dass es in Altdorf samstagmorgens keine Rundumauswahl von importierten Südfrüchten oder Fisch aus fernen Gewässern gibt. Nur zu einem geringen Teil dürfen sie Produkte von anderen ebenfalls regionalen Kollegen verkaufen, müssen diese aber als solche deklarieren.

Über Verpackungsmüll nachdenken

Diese Erfolgsstory will Müller nicht gefährden, sondern ausbauen, denn „es ist Zeit, über die Verpackungsflut nachzudenken“, findet er. Also hat man sich zusammengesetzt und das Thema durchaus kontrovers diskutiert. Schnell stellte sich heraus, dass komplett unverpackt oder absolut plastikfrei nicht geht. Kopfsalat kann man ohne Kunststoff verpacken, offenes Sauerkraut nur schlecht. „Verpackung bewusst“ soll deshalb die Maxime lauten, an der man sich orientieren soll, und zwar nicht nur als Verkäufer, sondern auch als Kunde.

Das ist dem 59-Jährigen und seinen Kollegen wichtig: Um hier eine Veränderung zu bewirken, müssen beide Seiten aktiv werden, also auch die Einkäufer, daher die Info-Kampagne am Samstag. Angedacht ist, kompostierbare Verpackungen einzuführen ebenso wie möglichst viele wiederverwendbare Materialien und andere Stoffe, die nicht in der Wiese oder im Acker landen. Genau das beobachtet Direktvermarkter Müller zunehmend, der zusammen mit seinem Sohn 60 Hektar Grund bewirtschaftet und derzeit 60 Rinder in seinem Betrieb hat.

Immer wieder müssen die Felder von Plastikbechern, Folien, Zigarettenschachteln und anderen Kunststoffen befreit werden, die nicht verrotten und – so ist der Vollerbauer überzeugt – langfristig auch in der Landwirtschaft zu problematischem Mikroplastik im Ackerböden und Grünland werden. „Heute weiß noch niemand, was das in unserer Nahrungskette bedeutet“, sorgt sich der Landwirt.

Komplett plastikfreies Leben

Deshalb will er mit seinem Bauernmarkt-Team an einem Stand am Eingang zum Schlossplatz aufklären und Alternativen zum Plastikbeutel aufzeigen: durch die Kundin, die aus alten Gardinen Einkaufsnetze näht, oder die andere, die es schafft, komplett plastikfrei zu leben. Auch eine Umweltpädagogin wird ihr Wissen weitergeben.

Das sollen Anregungen sein, darüber nachzudenken, wie jeder einzelne mehr Verantwortung für die Umwelt übernehmen kann. Zwar hat man sich bisher schon bemüht, wenig Plastik zu verwenden, aber da ist noch Luft nach oben, ist er überzeugt.

Auch später will man immer wieder die Kunden ansprechen und sie darauf hinweisen: „Ein Umdenken ist nötig, aber nur gemeinsam können wir was erreichen.“

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler