Hersbrucks Raiffeisen-Chef im Gespräch

Regionalbank im Umbau

Die regionale Identität der Raiffeisenbank Hersbruck soll erhalten bleiben, sagt Bankchef Swen Heckel. | Foto: Michael Scholz2017/06/SHeckel.jpg

HERSBRUCK – „Herausfordernd“ ‐ dieses Wort fällt öfter in diesem Gespräch. Direktor Swen Heckel antwortet damit auf Fragen der HZ nach der Situation und Zukunft der Hersbrucker Raiffeisenbank, die wie alle Kreditinstitute seit der Finanzkrise mit einigen Schwierigkeiten konfrontiert ist. Er hält den Spagat für möglich: sich mit moderneren Strukturen neu aufstellen, ohne dabei die regionale Identität aufzugeben.

Die Welt verändert sich seit einiger Zeit in umwälzender Weise. Wirtschaftsunternehmen, klein oder groß, und auch regionale Banken wie Sparkasse und Raiffeisenbank spüren das. Zusätzlich zu den Folgen der Banken- und Eurokrise. Swen Heckel, Vorsitzender des Vorstandes einer Genossenschaftsbank mit 127 Mitarbeitern, 11.000 Eigentümern, 15 Filialen und einem anvertrauten Kundenvolumen von einer Milliarde Euro, spricht zusammenfassend von „einer dynamischen Welt, die man sich so vor ein paar Jahren gar nicht vorstellen konnte“.

Nicht nur Bankkunden fragen sich, wo das hinführt. Drohen Filialschließungen, wie es die Sparkasse bisher in einzelnen Ortschaften im Nürnberger Land vorgemacht hat? Steht gar ein Rückzug vom Land bevor, zunächst in die Hauptstelle nach Hersbruck und später auch ein Personalabbau dort nach einer Fusion mit einer anderen Raiffeisenbank? Sollen Bankgeschäfte irgendwann nur noch per Computer oder App auf dem Smartphone erledigt werden?

Nein. Heckel widerspricht. Das sei so nicht geplant. Die Raiffeisenbank solle auf jeden Fall ihre regionale Identität behalten und dazu gehöre die Präsenz vor Ort. Kleine Filialen stünden zwar tatsächlich aktuell auf dem Prüfstand, aber weitgehend nur, was die Öffnungszeiten angeht. Die Frage laute: „Müssen wir wirklich Personal für einen ganzen Vormittag im Kundenservice beschäftigen, wenn nur zwei bis drei Kunden kommen?“

Er muss auch nicht auf eine Notlage reagieren. Ganz im Gegenteil vermittelt er den Eindruck, dass es gut läuft für die Hersbrucker Bank. Als Zahl nennt er das Geschäftsvolumen, das seit vier Jahren im Schnitt um sechs Prozent steigt. 2017 war ebenfalls ein sehr gutes Geschäftsjahr mit einem Jahresüberschuss von 1,8 Millionen Euro. Das sei wichtig, um wieder deutlich das Eigenkapital der Genossenschaft stärken zu können, sagt Heckel.

Dennoch stellt sich die Bank seit vier bis fünf Jahren neu auf. Das muss sie, wegen dreier „signifikanter Einflüsse“, wie Heckel sagt. Auch bis Hersbruck wirkt sich die globale Niedrigzinspolitik aus, die vor allem schwächere Staaten im Euro-Raum stützt, ebenso die sich immer mehr beschleunigende Digitalisierung der Wirtschaftswelt sowie die Bankenregulierung als Reaktion auf die Finanzkrise von 2007/08 und der daraus folgenden Bankenkrise.

Früher lebte eine Bank davon, für Darlehen mehr Zinsen zu verlangen, als sie für Spareinlagen auszahlt. Das funktioniert nicht mehr in dem Umfang, dass andere Dienstleistungen — etwa das Filialnetz oder Kontoführung und Zahlungsverkehr — davon quer subventioniert werden können. Daher habe die Raiffeisenbank 2016 die Kontomodelle verändert und die Preise erhöht.

Deponiert die Bank überschüssiges Geld, dann muss sie derzeit sogar 0,4 Prozent Strafzinsen dafür bezahlen. Diese Kosten will das Kreditinstitut nicht an Privatkunden weitergegeben. Das wäre kaum zu vermitteln. Aber „ mit Unternehmens- und Kommunalkunden werden wir in Einzelgespräche gehen und wir werden Kosten weitergeben“, kündigt Heckel an.

Einen gleichwertigen Ersatz für das klassische Modell gibt es nicht. Deshalb sagt Heckel: „Ein Geschäftsmix ist heute notwendig.“ Das Augenmerk gilt auch Dienstleistungen wie Immobilienhandel, Versicherungen und dem Wertpapiergeschäft. Hier ist eine gute, schnelle Beratung notwendig. Aber „wer heute noch alleine auf Sparzinsen setzt, ist hinterher ärmer als vorher“, lautet die Argumentation des Bankchefs. Die Inflation verzehrt mehr, als Sparzinsen bringen.

Die Hersbrucker Bank brauchte einen grundlegenden Umbau, der mit dem Generationenwechsel begann, also der Berufung Heckels und seines Vorstandskollegen Bernd Strauß zusätzlich in die Leitung der Bank. Das Credo heißt seitdem: sich auf das Wesentliche konzentrieren, ohne das Angebot zu verschlechtern. Entlassungen von Mitarbeitern habe es in dieser Zeit keine gegeben und das soll auch so bleiben, sagt Heckel klipp und klar. Alleine durch „natürliche Fluktuation“ sei der Personalstand seit 2012 aber schon um 15 Prozent geschrumpft.

Der zweite Hebel, um Kosten zu sparen, ist eine straffere interne Struktur und Arbeitsweise. Auch vorher habe jeder Mitarbeiter gewiss gut zu tun gehabt, sagt der Vorstandsvorsitzende. Aber nachdem die bankinternen Abläufe durchforstet waren, gehören bis dahin übliche „Doppelstrukturen“ der Vergangenheit an. Das sei erreicht worden durch Spezialisierungen Einzelner und durch ein neues System, wonach „Routinetätigkeiten“ standardisiert erledigt werden.

Die Raiffeisenbank wolle schneller und effizienter sein, habe aber nicht vor, sich irgendwo, auch nicht am Schalter, ganz zurückzuziehen. Online-Banking sei heute selbstverständlich, die Kundenbetreuer vor Ort in den Filialen aber ebenso. Sie sieht Heckel als das große Plus einer Regionalbank, die immer auch etwas zurückgeben wolle: nach Möglichkeit in Form von Aufträgen an heimische Dienstleister und jährlich 86 000 Euro für Spenden und Sponsoring in Hersbruck und Umgebung.

Der Wandel ist ein laufender Prozess: „Wir müssen in der Zukunft sehr spitz rechnen“, permanent verändern und einsparen, so Heckel. Das sei weiterhin eine Herausforderung. Kann das eine kleine Bank wie die Hersbrucker Raiffeisen auf Dauer alleine stemmen? Ist eine Fusion, wie die geplatzte zwischen Neumarkt und Nürnberg, da nicht zwangsläufig Thema? „In meiner Zeit gab es keine Fusionsgespräche“, antwortet Heckel, „auch nicht mit den Verantwortlichen der Altdorf-Feuchter Bank“. Er widerspricht damit anders lautenden Aussagen seiner dortigen Kollegen, die gerade einen Zusammenschluss mit Roth-Schwabach anstreben.

Er könne für die Zukunft nichts völlig ausschließen, aber im Moment gebe es „keine wirtschaftliche Notwendigkeit“ für derartige Gedankenspiele. Ihm sei es wichtig, „das zu bleiben, was wir sind.“ Was er sich allerdings vorstellen kann, ist eine sinnvolle Zusammenarbeit hinter den Kulissen, „wo es für den Kunden keine Rolle spielt.“ Aber langfristig gelte auch: Wenn alle um die Hersbrucker herum vergrößern sollten oder darüber verhandeln würden, sei es seine Aufgabe, aufmerksam zu beobachten und sich ebenfalls zu positionieren.

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