Wirtschaft: Zentrum für Werkstoffanalytik

Oft kopiert, in Lauf entwickelt: ZWL hat Erfolgsprojekt „Wissenschaft macht Schule“ vor zehn Jahren initiiert

Die Projektbeteiligten bei einer Besprechung: Oberstudienrätin Karin Vogel (v. l. n. r.), Schulleiter Wolf Kraus, Mitglied der Schulleitung Heike Krames, Fachbereichsleiter Chemie Stefan Grabe, ehemaliger Schulleiter Thomas Freiman sowie die beiden ZWL-Geschäftsführer Dipl.-Min. Dr. Jürgen Göske und Dipl.-Ing. Werner Kachler. | Foto: Stefanie Camin2019/05/Gruppenbild.jpg

Bereits vor 15 Jahren suchte das Zentrum für Werkstoffanalytik Lauf (ZWL) den Kontakt zum benachbarten Christoph-Jacob-Treu-Gymnasium (CJT), um den Schülern wissenschaftliche Fächer wie Chemie näherzubringen. Inzwischen hat sich das Vorhaben „Wissenschaft macht Schule“ (WMS) zum erfolgreichen Projekt mit Vorträgen von bekannten Spezialisten aus der Region gemausert, das deutschlandweit in etlichen Städten imitiert worden ist. Der gute Ruf des Originals in Lauf hat sich indessen so herumgesprochen, dass sich viele Experten bereits als Redner bewerben.

Im Jahr 2000 gegründet, dreht sich beim ZWL alles um die Materialanalyse: Ob Unternehmen Produkte entwickeln oder vorhandene optimieren möchten, oder ob bei defekten Teilen die (Un-)Schuld zu klären ist: Mit drei Rasterelektronenmikroskopen mit bis zu 1.000.000-facher Vergrößerung, drei Härteprüfgeräten und einem Röntgendiffraktometer bleibt beim ZWL kein Material- oder Bedienerfehler verborgen. Kein Wunder, dass die beiden Geschäftsführer, Diplom-Ingenieur Werner Kachler und Diplom-Mineraloge Dr. Jürgen Göske, häufig im Gericht sind – als gefragte Gutachter, wenn es um die Beweisführung in Schadensfällen geht.

Mikrogefüge einer Niob-Aluminium Legierung, mit dem optische Gläser beschichtet werden. | Foto: ZWL2019/05/Niob-Aluminium-Legierung.jpg

Bereits vor vielen Jahren hörten die beiden Geschäftsführer vom Fachkräftemangel in umliegenden Firmen. „Da drüben sitzen sie!“, antwortete Göske schon damals und zeigte Richtung Gymnasium, erzählt er rückblickend. Denn beim ZWL wird die Förderung des Nachwuchses seit jeher großgeschrieben: Schüler, Studenten, Praktikanten und Doktoranden lernen hier Wissenschaft in ihrer Reinform kennen. So fragte das ZWL beim CJT nach, inwieweit Interesse an der Kooperation „Wissenschaft macht Schule“ bestehe, um Schüler an MINT-Fächer heranzuführen und sie dafür zu begeistern. Das Akronym MINT steht für Fächer der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Geplant war eine Vortragsreihe mit Experten, die ihr Wissen möglichst schülergerecht weitergeben.

Und die Chemie stimmte einfach: Wolf Kraus, seinerzeit Fachbetreuer Biologie und inzwischen Schulleiter am CJT, hat „sofort Feuer gefangen“, schwärmt er. Ob er sich Sorgen gemacht hat, dass genügend Schüler zu den Vorträgen kommen? „Das nicht; wir haben uns eher Gedanken gemacht, ob wir genügend Redner bekommen.“ Doch auch diese Gedanken haben sich längst in Wohlgefallen beziehungsweise in einer Warteliste aufgelöst: Wo die Veranstalter anfangs noch beispielsweise bei Professoren angefragt haben, bieten viele Experten inzwischen von sich aus an, eine Rede im Rahmen dieser Serie zu halten. Kostenlos; und das bei bekannten Koryphäen, die anderswo bis zu 15000 Euro pro Vortrag verlangen.

Den Anfang machte im Jahr 2009 der Anti-Doping-Experte Professor Fritz Sörgel, der Einblicke in seine Arbeit gewährte. „Der Erfolg beflügelte uns“, so Kachler. Seitdem gibt es durchschnittlich vier Vorträge pro Jahr, die für das Publikum weiterhin kostenlos sind. Dieses besteht überwiegend aus Schülern und ihren Eltern, wobei auch interessierte Bürger stets willkommen sind. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings doch an diesem erfolgreichen Projekt: „Wir haben uns den Namen ‚Wissenschaft macht Schule‘ nicht schützen lassen“, bedauert Göske heute. „Inzwischen gibt es in ganz Deutschland zahlreiche Nachahmer, die unseren Namen für ähnliche oder gleiche Projekte verwenden.“

Ende eines Stents, eines medizinischen Implantats, mit dem Venen oder Arterien offengehalten werden. Die runden gelben Inlays stellen Medikamentendepots dar. | Foto: ZWL2019/05/Stent.jpg

Für die Schüler jedenfalls lohnt es sich mehrfach, die Vorträge zu besuchen. Sie generieren Wissen, sie erhalten Einblicke, wie das Arbeitsleben nach der Schule aussehen kann, sie haben die Chance, wertvolle Kontakte zu Unternehmen zu knüpfen – schon oft haben sich aus Gesprächen nach den Vorträgen Praktikumsplätze & Co ergeben. Oder wie Kachler es auf den Punkt bringt: „Die Schüler können mit diesen Vorträgen ihren Ausbildungs-, Unterrichts- und Leidenschaftshorizont erweitern.“ Zusätzlich können die Schüler ihre Bewerbungsunterlagen mit einem Zertifikat aufwerten, das von ihrem Interesse jenseits des klassischen Schulwesens zeugt: Es bestätigt die Teilnahme an mindestens zwei Vorträgen sowie einer Betriebserkundung; einer vom CJT organisierten Werksführung durch heimische Betriebe.

Und es wird noch besser: Seit März 2019 haben CJT-Schüler freien Zugang zu einem der REM im extra dafür eingerichteten „ZWL-Klassenzimmer“. Dieses Gerät hat das ZWL der Schule als Dauerleihgabe überlassen und übernimmt weiterhin die hohen Kosten für Strom und Wartung. Während der Öffnungszeiten des ZWL können eingewiesene Schüler Proben unter dem Mikroskop untersuchen; die Ergebnisse werden virtuell übertragen, sodass die restlichen Klassenkameraden das Bild sofort auf der Leinwand im Schulzimmer sehen können.        

Zentrum für Werkstoffanalytik
Hardtstraße 39b
91207 Lauf
Telefon 09123/99800-0
E-Mail: [email protected]
Internet: www.werkstoffanalytik.de

N-Land Stefanie Camin
Stefanie Camin