Ver.di-Bezirksseniorentag in Altdorf

Nur gute Löhne garantieren eine gute Rente

Aufmerksames Publikum im bis auf den letzten Platz besetzten Sportpark in Altdorf: Heidi Krimmer von Ver.di ging der Frage nach, ob die Rente noch zu retten ist. | Foto: Blinten2016/09/verdi.jpg

ALTDORF – Kann es sein, dass ein Arbeitnehmer nach 45 Arbeitsjahren in die Rente geht und dann nur wenig mehr Geld bekommt als jemand, der von der Grundsicherung lebt und möglicherweise gar nicht oder nur kurz gearbeitet hat? Das darf nicht sein, ist aber Realität in Deutschland. Die Rente: Bei den Gewerkschaften sieht man hier ein Mega-Thema. Ob sie noch zu retten ist? Der Frage ging Heidi Krimmer von Ver.di auf dem Bezirksseniorentag ihrer Gewerkschaft in Altdorf nach.

Klar ist sie zu retten – so Krimmers feste Überzeugung. Dazu müssen aber ein paar Voraussetzungen geschaffen werden, über die zunächst Einigkeit in der Gesellschaft hergestellt werden müsste: Den abhängig Beschäftigten muss es finanziell gut gehen – dann geht es auch den Rentnern gut. Dafür setzen sich Gewerkschaften ein, weshalb sie für Krimmer die entscheidende, die wichtigste Kraft für Senioren sind. Eine gute Rente braucht zuallerest gute Löhne. Sie braucht aber auch Absicherung bei Arbeitslosigkeit. Niemand sollte gezwungen werden, mit hohen Abschlägen in die Rente zu gehen.

„Weg damit“

Von der Riester Rente hält Krimmer gar nichts. Egal wieviel der Arbeitnehmer darin investiere – am Ende bleibe immer die Tatsache, dass die Renten gekürzt wurden. „Weg mit den ganzen Nachhaltigkeitsfaktoren“, fordert deshalb Ver.di. Krimmer bezeichnet sie als Kürzungsfaktoren und fordert eine Orientierung an der Lebensstandardrente.

Weg damit: Das fordert sie auch für die Rente mit  67. „Jeder und jede muss nach erreichten 45 Arbeitsjahren ohne Abschläge in die Rente gehen können.“ Für die Ver.di-Vertreterin muss es wieder eine Selbstverständlichkeit sein, dass ein Arbeitnehmer, der mit 15 Jahren ins Arbeitsleben einstieg, mit 60 Rente beziehen kann. Klar ist für Krimmer, dass jeder, der sein Leben lang gearbeitet hat, von einer Rente leben können muss – ohne Sozialhilfe und ohne auf Grundsicherungsniveau zu fallen.

Kampf um den Mindestlohn

Deshalb hat Ver.di auch für den Mindeslohn gekämpft und setzt sich jetzt für eine Erhöhung ein. Der muss nach Überzeugung der Gewerkschaft so hoch sein, dass daraus nach 45 Vollzeit-Erwerbsjahren eine Rente über der Grundsicherung steht. Deshalb die Ver.di Forderung: Anhebung des Mindeslohns auf 10 Euro.

Die diesjährige überdurchschnittliche Rentenerhöhung von 4,25 Prozent im Westen und 5,95 Prozent im Osten ist aus Sicht von Krimmer ein „Einmaleffekt“, der sich nicht wiederholen lasse.

Krimmer sprach im bis auf den letzten Platz besetzten Sportpark vor einem außerordentlich interessierten Publikum, das aus ganz Mittelfranken angereist war. Die Begrüßung übernahm der Bezirksausschussvorsitzende Winfried Barnickel, bevor 2. Bürgermeister Ernst Bergmann den Applaus auf seiner Seite hatte, weil er sich in seinem Grußwort outete: Seit 34 Jahren sei er Ver.di-Mitglied, verriet er den Kolleginnen und Kollegen, die sich freuten, dass also einer der ihren die Stadt Altdorf kurz vorstellte.

Weitere Grußworte sprachen Tanja Aumer vom Fachbereich Postdienste und Rita Wittmann als stellvertretende Geschäftsführerin im Ver.di-Bezirk Mittelfranken. Aumer sieht in der Altersarmut eine „tickende Zeitbombe“. Dem schloss sich Wittmann mit dem Hinweis an, dass Ver.di das Thema seit Jahren begleite.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten