Corona-Vorgaben

Neuer Aufwand und Kosten für den Einzelhandel

Nur mit negativem Corona-Test und Termin darf hier geshoppt werden. Doch nicht alle Händler reizen aktuell die Möglichkeiten aus, sondern bleiben bei Click & Collect. | Foto: A. Pitsch2021/04/IMG-20210413-121715.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – „Da hat die Regierung wieder einfach was rausposaunt“, findet Uli Böhler. Die Chefin der „Galleria“ kann sich nicht vorstellen, dass das aktuelle Konzept mit Termin und Testen aufgeht. Und damit ist sie nicht allein.

Eine Kundin wollte bei Böhler gerne zum Shoppen kommen, doch sie bekam auf die Schnelle keinen Termin zum Testen beziehungsweise wusste gar nicht, wohin sie gehen darf und soll, erzählt Böhler. „Die Leute sind verunsichert und kennen sich nicht mehr aus.“

Sie habe nun selbst eine Liste mit Testmöglichkeiten erstellt, um ihren Kunden weiterhelfen zu können. Wobei sie im Modebereich noch nicht mit einem Ansturm auf die Läden rechnet. „Wir sind stark wetterabhängig.“

Fehlende Frequenz

Die Liste braucht sie auch, weil sie nicht vorhat, ihre Kundschaft selbst zu testen. „Wo sollen die denn vor dem Geschäft warten?“, fragt sie sich, „Die Lehrer fordern Schutzkleidung und wir sollen das einfach so machen“. Für eigene Teststrecken fehle in Hersbruck zudem die Frequenz. Vielleicht könnte man am Marktplatz in Kooperation aller Händler eine Testmöglichkeit installieren, überlegt sie.

Ansonsten sei so ein Vorgehen nur in Großstädten umsetzbar. „Die können ein Zelt vor dem Laden aufstellen und sich dann Personal mieten, wenn sich mehrere zusammentun.“

Eigene Lösungen finden

Ähnlich sieht das Stephanie Bury: „Große Möbelhäuser oder Firmen können sich das leisten.“ Doch im Endeffekt seien sie als Kleine es, die den Lockdown trügen. „Und jetzt sollen wir auch noch testen und die Tests bestenfalls noch selbst bezahlen“, echauffiert sich die Juwelierin. Weil sich zudem die Vorgaben fast wöchentlich ändern, hat sie beschlossen, ihren „eigenen Stiefel zu fahren“: „Die Frage ist, was der Bund nun beschließen wird und für wie lange das dann gilt.“

Daher bleibe sie aktuell beim Click & Collect. Bei schönem Wetter könne sie die Kunden draußen bedienen. Damit ist sie nicht allein: Auch die wieder geschlossene Buchhandlung Lösch bietet diese Woche nach eigener Aussage nur das Abholen an der Tür an. Ob sie das ändern werden, hänge mit weiteren Regierungsbeschlüssen und Inzidenz zusammen.

Bury sagt jedenfalls klar: „Ich bin keine Teststation.“ Und sie kann auch die Kunden verstehen, für die es einen riesigen Aufwand bedeuten würde, für ein kurzes Abgeben in ein Testzentrum zu gehen oder einen Termin zu vereinbaren.

Suche nach Unterschied

„Viele wissen auch gar nicht, dass sie einen Test brauchen.“ Bei ihr schon, beim Weinhändler oder dem Optiker aber nicht. „Die dürfen offen haben, ich nicht. Was ist da anders als bei mir?“ Das Gefühl der Ungerechtigkeit werde größer. Denn sie stecke seit viereinhalb Monaten in einem „harten Lockdown“, schmeißt den Schmuckladen allein, weil ihre Mitarbeiterinnen in Kurzarbeit sind. Dass sich das alles zeitnah ändert, dafür fehlt ihr derzeit die Hoffnung. „Das ist eine belastende Situation, durch die wir uns durchkämpfen müssen.“

So empfindet das auch Ilonka Meer von der gleichnamigen Reichenschwander Gärtnerei: „Wir sind gar nicht damit einverstanden, dass wir überraschend wieder schließen mussten und man in die Supermärkte einfach so rein darf und die Pflanzen verkaufen dürfen.“

Pflanze als Lebensmittel

Aber ändern könne man nichts daran. Sie erinnert daran, dass die Gärtnerei vor einem Jahr offen sein durfte, weil sie in Form von Gemüsepflanzen und Obstbäumen auch Lebensmittel anbieten.

Die können sich die Kunden aktuell per „Bestellen und Abholen“ besorgen. „Wer einen negativen Test hat, darf auch rein“, erklärt Meer. Aber Tests zur Verfügung stellen sie nicht. Etliche Kunden seien bereit für Tests, aber nicht alle, weiß sie. Ob es dann gerecht sei, dass die nicht bei Meers einkaufen dürfen? Gerechter wäre es auf alle Fälle, wenn die Supermärkte dann auch nur Lebensmittel im Regal hätten, findet sie.

Blühen statt verrotten

Gerade jetzt sei die Hauptzeit für Sommerblumen. „Wir haben die Gewächshäuser voll mit Pflanzen und wissen nicht, wie wir sie losbringen sollen.“ Denn die Leute wollen die Gewächse sehen, deren Farbe, Qualität und Wuchs. Meer hofft daher, bald wieder aufsperren zu dürfen. Dafür würde sie auch die Deko-Artikel aus den Verkaufsräumen verbannen. „Wir möchten einfach das, was wir selbst produziert haben verkaufen und nicht kompostieren müssen.“

Zum Thema

Der Lockdown in Bayern geht aktuell bis zum 9. Mai. Ab sofort gelten aber wieder schärfere Regeln im Handel: Nur noch Lebensmittelgeschäfte, Drogerien, Apotheken, Optiker und ähnliches dürfen immer öffnen, ohne Test-, aber mit Maskenpflicht. Ihre Arbeit ausüben dürfen Friseure und andere so genannte körpernahe Dienstleistungen wie Nagel- oder Fußpflege. Buch- und Blumenhändler, die Bau- und Gartenmärkte müssen wieder schließen und sich wie der Rest des Einzelhandels an diese vier Stufen halten: Bei einer Inzidenz unter 50 ist alles auf, die Kundenzahl ist beschränkt und es gilt Maskenpflicht. Liegen die Zahlen zwischen 50 und 100 ist Click and Meet, also einkaufen nur nach Anmeldung bei wenigen Kunden im Laden, erlaubt. Das geht auch bei einer Inzidenz von 100 bis 200, aber nur mit einem aktuellen negativen Coronatest. Das geht laut Gesundheits- und Wirtschaftsministerium entweder mit einem Nachweis über einen PCR- oder Schnelltest (nicht älter als 48 beziehungsweise 24 Stunden), per Schnelltest von geschultem Personal vorm Laden oder per Antigenschnelltest vor den Augen des Ladenbesitzers. Nur Waren abholen heißt es bei einem Wert über 200.

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