Saunieren wird wegen Mehrwertsteuer teurer

Nackten in die Tasche greifen

Das treibt Saunabesitzern den Schweiß auf die Stirn: Ab 2015 soll das Saunieren teurer werden, denn die Mehrwertsteuer wird erhöht. Foto: Spofi - Fotolia2014/10/5_2_1_2_20141017_SAUNA.jpg

HERSBRUCK – Seit 1968 schwitzen Saunabesucher zu vergünstigten Steuerkonditionen: Sieben Prozent wollte der Bund bislang von den Betreibern haben. Damit soll nun im kommenden Jahr Schluss sein: Sie müssen dann an das Finanzamt 19 Prozent Mehrwertsteuer aus dem Saunaeintritt abführen. „Und das werden leider auch unsere Sauna-Kunden zu spüren bekommen“, blickt Anja Kotter, Betriebsleiterin der Fackelmann-Therme, voraus.

Seit einigen Wochen kocht es in der Saunalandschaft Deutschlands. Badbetreiber und der Deutsche Sauna Bund laufen Sturm gegen das Vorhaben der Länderfinanzministerien, den Saunabesuch ab 2015 mit 19 statt mit bisher sieben Prozent Mehrwertsteuer zu belegen. Damit werden nur noch Maßnahmen als Heilbäder ermäßigt besteuert, die ärztlich verordnet werden können. Für rund 16,3 Millionen Besucher öffentlicher Saunabäder in Deutschland bedeutet das drastische Preiserhöhungen.

Auch in der Hersbrucker Fackelmann-Therme ist mit einer Verteuerung des Schwitzens zu rechnen. „Für uns bedeutet das eine zusätzliche Belastung“, erzählt Bürgermeister Robert Ilg. Rund 30.000 Euro würde die Steuererhöhung ausmachen, „das ist keine Erleichterung in der derzeitigen Lage der Therme“, gibt er offen zu. Ob die Mehrwertsteuererhöhung komplett oder nur zum Teil an die Hersbrucker Sauna-Gänger weitergegeben wird, das hat sich der Verwaltungsrat erst einmal offen gelassen.

Sicher ist aber, dass sich dann nicht mehr jeder und vor allem nicht so häufig einen Saunabesuch leisten wird können. Nach Berechnungen des Deutschen Sauna-Bundes wird es zu Einbrüchen von rund zehn Prozent kommen. Die gesundheitspolitischen Aspekte des Gesetzgebers würden nun konterkariert: Der Sauna-Bund hat nämlich ermittelt, dass 74,2 Prozent einer Erkältung durch Schwitzen vorbeugen wollen und 13,6 Prozent aufgrund der Wärme auf Schmerzlinderung hoffen. „Dies kann der Gesetzgeber nicht wollen, denn schließlich wurde die Umsatzsteuerermäßigung auf den Saunaeintritt aus gesundheitspolitischen Gründen eingeführt“, erläutert Rolf-Andreas Pieper, Geschäftsführer des Sauna-Bundes.

„Das ist momentan ein brisantes Thema“, erzählt Kotter. Das Problem wird weiter auf der Tagesordnung der Verwaltungsratssitzung der Therme Anfang kommenden Jahres bleiben. Denn dort findet nämlich der Kontakt mit der Politik statt. So hat Kotter bereits den Kontakt zur Bundestagsabgeordneten Marlene Mortler gesucht, die bestätigt hat, dass die Stellungnahmen der Branchenvertreter geprüft werden. Die Hoffnung: über die Kommunalpolitik bis in den Bund vordringen. Bislang hat das deutschlandweit ganz gut geklappt.

Aufgrund des öffentlichen Drucks sind die Länderfinanzministerien schon so weit zurückgerudert, dass der Termin zum 1.1.2015 vom Tisch ist. Wenn, dann kommt die kalte Steuerdusche erst ab 1. Juli nächsten Jahres.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch