Moderne Klärtechnik hilft beim Geldsparen

Sonnenenergie verwandelt den in der Röthenbacher Kläranlage anfallenden Schlamm in ein Granulat, das einen Brennwert wie Braunkohle hat. Das Ganze findet in großen Glashäusern statt (siehe Bild). Foto: Kohl2011/09/30113_klaerschlammtrockungroethenbach_New_1317218463.jpg

RÖTHENBACH/RÜCKERSDORF — „Was sind denn das für Gewächshäuser in der Kläranlage? Werden hier Tomaten angebaut? Die haben bestimmt einen deftigen Geschmack!“ Die beiden langgestreckten Glashäuser, die seit über einem Jahr im Röthenbacher Klärwerk stehen, haben bei Spaziergängern schon allerlei Kommentare ausgelöst. Dabei sollen sie nur eines: Geld für die Klärschlamm-Entsorgung sparen – mit Hilfe der Sonne.

Klärschlamm ist ein heikles Gut. Es fällt in jedem Ort an, ist mehr oder weniger mit Schadstoffen belastet und teuer zu beseitigen. Vor allem wenn er nass ist. Denn die Entsorger rechnen nach Gewicht ab, und Wasser wiegt bekanntlich viel.

Früher wurde Klärschlamm weggefahren, der zu drei Vierteln aus Wasser bestand. In den letzten Jahren wurde er dann mit einer mobilen Trocknungsanlage behandelt – die Maschine musste etwa alle fünf Wochen anrücken. Das war teuer, aber immer noch wirtschaftlicher, als nassen Schlamm zu entsorgen. Schließlich beschlossen die Röthenbacher Stadt- und die Rückersdorfer Gemeinderäte, in dem gemeinsam genutzten Klärwerk eine Trocknungsanlage zu bauen, die fast ausschließlich mit Sonnenenergie läuft.

Zwei imposante Glashäuser wurden errichtet, jedes 60 Meter lang und knapp zwölf Meter breit. Der im Faulturm gereifte Klärschlamm, der trotz Vorentwässerung noch zu drei Vierteln aus Wasser besteht, wird vollautomatisch in den großen Hallen ausgebreitet. Ausgetüftelte Technik durchpflügt und wendet ihn so, dass er am Ende weniger als 25 Prozent Wasser hat. Für die Verdunstung sorgt allein die Sonne. „Strom brauchen wir nur für die Technik“, sagt Michael Lechner von der Röthenbacher Stadtverwaltung.

Aus dem Schlamm wird ein fast geruchloses Granulat, das einen guten Brennwert hat – ähnlich wie Braunkohle. Es wird in Containern gesammelt, von einer Entsorgungsfirma nach Burglengenfeld gefahren und dort bei der Zementproduktion verwendet. Geld kriegt die Stadt dafür nicht, im Gegenteil: „Wir müssen dafür zahlen, dass wir einen Brennstoff liefern“, meint Lechner. Das sind netto rund 66 Euro pro Tonne.

Auf der Suche nach einem ökonomisch und ökologisch sinnvollen Weg zur Schlammtrocknung entschied sich Röthenbach für einen Anbieter, der vollautomatische Anlagen produziert und als „Gehäuse“ herkömmliche Gewächshäuser verwendet. Die Anlage läuft jetzt seit rund 15 Monaten, anfängliche Kinderkrankheiten sind fast schon vergessen.

„Bei den derzeitigen Energiepreisen haben sich die Ausgaben nach zehn bis zwölf Jahren gelohnt“, meint Lechner. Auch wenn die Anlage teurer wurde, als ursprünglich gedacht. 1,377 Millionen Euro hieß es zuerst, dann standen aber 1,686 Millionen auf der Rechnung. Baukostensteigerungen, nicht zuletzt wegen der erhöhten Nachfrage durch das Konjunkturpaket II, und strengere behördliche Auflagen gelten als Ursache.

Der Rückersdorfer Gemeinderat war nicht gerade begeistert, als er kürzlich hörte, dass sich der knapp 30-prozentige Kostenanteil der Gemeinde auf rund 503 000 Euro erhöht. Die Steigerung wird aus Haushaltsmitteln bestritten die für den noch nicht realisierten Kanalbau im Bereich Weinberg-/ Schmalzbergstraße eingeplant waren.

Übrigens: Der Spaziergänger, der von „Tomaten in der Kläranlage“ sprach, hatte nicht ganz Unrecht. Am Rand der großen Trocknungsflächen ragen tatsächlich ein paar zarte Tomatenpflänzchen aus dem graubraunen Granulat. Lechner: „Tomatensamen sind außerordentlich robust. Der Prozess in der Kläranlage kann ihnen nichts anhaben. Bei nächstbester Gelegenheit gehen sie auf.“

N-Land Pegnitz-Zeitung
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