24 Stunden, 24 Unternehmen: „bei St. Otto“

Mmmmm, schmeckt das gut!

Geschäftsführerin Kristine Lütke mit Einrichtungsleiterin Christina Zeitlhack Fotos: Stefanie Camin2020/08/24h-20-otto-01.jpg

Von wegen, nur New York ist die Stadt, die niemals schläft. Auch hier in dieser Serie stellen wir 24 regionale Betriebe aus unterschiedlichen Branchen vor. Jedes Unternehmen bekommt dabei eine Stunde, und das acht Wochen lang; jede Woche drei Firmen. Die Stunde zwischen 8 und 9 Uhr gehört heute der Seniorenbetreuung und -pflege „bei St. Otto“.

Lauf. 8 Uhr morgens. Anneliese P. blinzelt langsam aus dem rechten Auge. Während sie allmählich vom Schlaf ins Wachsein übertritt, strömt ihr schon der Duft von frischen Brötchen in die Nase. Allmählich öffnet sie beide Augen … und sieht das Tablett mit dem Frühstück auf ihrem Tisch im Zimmer. So fängt der Tag gut an! Sie schlupft in den Morgenmantel, und nachdem sie sich im Bad frisch gemacht hat, genießt sie Kaffee, Brötchen mit Marmelade und einiges mehr – ganz gemütlich nur wenige Meter von ihrem Bett entfernt.

In der Seniorenbetreuung und -pflege „bei St. Otto“ in Lauf frühstücken die Senioren für gewöhnlich gemeinsam im Speisesaal des jeweiligen Stockwerks; doch während Corona gibt es eben den „Extra-Zimmerservice“, bei dem die Mitarbeiter das Essen in jedes Zimmer bringen. Wo auch immer es kredenzt wird: Damit das Essen lecker schmeckt und die Wäsche sauber ist, gibt es die DSE (Dienstleistungszentrum für soziale Einrichtungen GmbH): Fünf Mitarbeiter bereiten in zwei Schichten ab 7 Uhr das Frühstück vor, waschen, schälen, schneiden und braten Gemüse und Co. fürs Mittagsessen, stellen um 15 Uhr Kaffee und Kuchen beziehungsweise Gebäck bereit, sorgen für ein mundendes Abendessen und, für die Nachtschwärmer unter den Bewohnern, für eine Spätmahlzeit ab 22 Uhr. Kurzum: Die Beschäftigten in der Küche sind ausschließlich dafür da, dass es den Senioren kulinarisch rundum gut geht. Weitere vier Angestellte kümmern sich um die Zimmerreinigung und um sämtliche Wäsche im gesamten Haus. Hinzu kommt der Hausmeister, der Glühbirnen auswechselt, Wecker repariert und das Haus in Schuss hält. Unverzichtbar sind auch die Damen in der Verwaltung, die alles Vertragliche rund um den Heimaufenthalt erledigen.

Alles unter einem Dach
Geschäftsführerin der DSE, ebenso wie der Seniorenbetreuung und -pflege „bei St. Otto“ im selben Haus, ist Kristine Lütke. Sie hat die beiden Firmen von ihren Eltern übernommen; und sie legt Wert darauf, keinen externen Dienstleister zu beauftragen, sondern eigene Mitarbeiter zu beschäftigen, die ihrer Arbeit mit Freude und Professionalität nachgehen.
Kurze Kommunikationswege und Entscheidungsfreiheit sind weitere Pro-Argumente für
diese Entscheidung – die schon Kristine Lütkes Eltern im Jahr 1996 getroffen haben. Die studierte Gerontologin gibt ein einfaches Beispiel: Laut Pflegesatzvereinbarung (die Vereinbarung über die Pflegesätze, den Preis, eines zugelassenen Pflegeheimes zwischen dem Träger des Heimes, den Pflegekassen und den Sozialhilfeträgern) stünde der Einrichtung „bei St. Otto“ erst ab 80 Bewohnern ein Vollzeit-Hausmeister zu. „Wir sind durch die DSE nicht an den Personalschlüssel gebunden“, erklärt die Chefin, „und leisten uns auch mit 69 Plätzen einen Hausmeister in Vollzeit.“

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„Pflege geht durch den Magen“
So verschieden die Menschen sind, so unterschiedlich fallen ihre Geschmacksrichtungen aus: Der eine würde sich am liebsten nur von Kuchen ernähren, der andere nur vom Schäufele. Süß, salzig, sauer, bitter oder umami (würzig-intensiv, fleischig): Wie machen Kristine Lütke und ihr Team das Essen den Bewohnern also schmackhaft? Auch hier zahlt sich die Nähe der DSE zur Einrichtung aus: „Wir versuchen, uns am Geschmack der Bewohner zu orientieren. Vegetarisch kommt gut an, und dann gibt es natürlich andere, die die ländliche Küche gewohnt sind und es deftiger mögen.“
Mindestens zwei Gerichte stehen jeden Mittag zur Auswahl; und auf eines ist Kristine Lütke dabei besonders stolz: „Innerhalb von sechs Wochen wiederholt sich kein Mittagessen bei uns!“ Saisonal variiert das Essen in diesem Senioren
heim natürlich: ob Spargel im späten Frühling, Zwiebelkuchen zum Weinfest im Herbst oder die Martinsgans am 11. November.
Eine weitere Sicherheit bietet den Bewohnern die Zertifizierung nach HACCP (Hazard Analysis and Critical Control), einem Qualitätswerkzeug, das die Produktion von und den Umgang mit Lebensmitteln reglementiert; beispielsweise muss Fleisch entsprechend durchgebraten sein, um mögliche Keime abzutöten. Was in „bei St. Otto“ mindestens genauso zählt wie die Einhaltung offizieller Vorgaben, ist, dass es den Menschen schmeckt und es ihnen gut geht. Eine Bewohnerin war erst in einem Pflegeheim in ihrem Heimatort untergebracht. So schön es war, in der vertrauten Gegend zu bleiben: Das Essen schmeckte ihr einfach nicht. Erst in „bei St. Otto“ blühte die Seniorin so richtig auf und genoss die leckeren Mahlzeiten. Kein Wunder, dass bereits Kristine Lütkes Vater die Devise hatte: „Pflege geht durch den Magen!“
Studien belegen, dass bei Demenzkranken die Geschmacksnerven für Süßes am längsten erhalten bleiben, weiß Kristine Lütke. „Wir wollen einfach ihre Lebensqualität hochhalten“, erklärt sie, warum es nachmittags Kuchen oder Gebäck gibt. Angehörige einer übergewichtigen dementen Naschkatze drückten es einst so aus: „Lasst die 85-Jährige doch einfach naschen und ihren Spaß haben!“

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Hygienisch sauber
Um rund 700 Kilogramm Wäsche kümmert sich die Wäscherei. Wöchentlich. Dabei gilt es, die Wäsche hygienisch rein zu bekommen und gleichzeitig die Qualität zu erhalten; schließlich wollen die Bewohner ihre Lieblingsteile möglichst lange tragen. Und bei so manchem Pflegebedürftigen ist der Bedarf, die Kleidung zu wechseln, recht hoch … Kleidung, Bettwäsche und Handtücher der Bewohner und auch die Berufskleidung des Personals: In dieser Abteilung geht es immer rund, und das nicht nur in der riesigen Industrie-Waschmaschine.
Eine Mannschaft von drei Mitarbeitern ist für die sauberen Räume zuständig: Mit Staubwedel, Putzlappen und Wischern rücken diese Mitarbeiter täglich dem Staub auf die Pelle.
Bei all den Bestrebungen, den Menschen in der Seniorenbetreuung und -pflege ein schönes Leben zu ermöglichen, muss Kristine Lütke natürlich auch die wirtschaftlichen Aspekte berücksichtigen. Pro Bewohner erhält dieses Haus nach der Pflegesatzvereinbarung 12,27 Euro in der Kurzzeitpflege respektive 10,89 Euro in der Langzeitpflege pro Tag und Bewohner für die Verpflegung – und es stellt eine echte Herausforderung dar, damit auszukommen. Und dennoch meistern die Chefin und ihr Team diesen Spagat immer wieder aufs Neue. Hier wird schließlich das Motto gelebt: Pflege und Betreuung mit Herz und Qualität.

FAKTEN & KONTAKT:
Bananenverbrauch pro Woche: 11 kg
Kaffeeverbrauch pro Woche: 4,5 Kilo
Wäsche pro Woche: 700 kg
Mittagessen pro Woche: 450
(23 400 Mittagessen im Jahr)

Seniorenbetreuung und -pflege
„bei St. Otto“ GmbH

Julienstraße 6, 91207 Lauf
(0 912 3) 9 90 35 – 0
www.pflege-st-otto.de

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