24 Stunden, 24 Unternehmen: Schmerzstation des Krankenhaus Altdorf

Mit dem Schmerz lebenswert leben

In der Mitte zu sehen Dr. med. Stefanie Kasper, rechts Dr. med. Nina Hurtienne und links Dr. med. Bernd Anselstetter. Foto: Rudi Ott2021/10/24h_kh-nuernberger-land_02.jpg

Von wegen, nur New York ist die Stadt, die niemals schläft. Auch hier in dieser Serie stellen wir 24 regionale Betriebe aus unterschiedlichen Branchen vor. Jedes Unternehmen bekommt dabei eine Stunde, und das acht Wochen lang; jede Woche drei Firmen. Die Stunde zwischen 15 und 16 Uhr gehört heute der Schmerzstation des Krankenhauses Altdorf.

Für Andrea W. ist es geradezu quälend, eine Kaffeetasse aus dem Regalfach über ihrem Kopf zu holen. Wenn sie jedoch ihren rechten Ellenbogen am Beckenkamm anlegt und den Arm dann eng am Kopf vorbei senkrecht nach oben schiebt, ist der chronische Bewegungsschmerz in der Schulter, der sie seit vielen Jahren plagt, nur noch wenig zu spüren. Erkannt und trainiert wird dieser für die Patientin weitgehend schmerzfreie Bewegungsablauf in der Stationären Schmerztherapie des Krankenhauses Altdorf. Bei Andrea steht das Bewegungstraining heute zwischen 15 und 16 Uhr an. Auch die fünf Frauen und zwei Männer, die zeitgleich mit der Mittfünfzigerin hier eingecheckt haben, haben dieselbe Leidensgeschichte: jahrelange chronische Schmerzen.

Unabhängig vom ursprünglichen Auslöser, etwa einem Unfall, einer Operation oder einem psychischen Trauma, besteht der Schmerz im Muskel- und Bewegungsapparat dauerhaft weiter. Die meisten Patienten leiden unter Kopf,- Nerven- und Rückenschmerzen und haben schon eine Odyssee hinter sich: von Klinik zu Klinik, von Arzt zu Arzt, von Therapeut zu Therapeut. Ohne nachhaltigen Erfolg. Der Schmerz nimmt immer mehr Raum ein, dominiert sämtliche Lebensbereiche.

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Therapien greifen ineinander
Die Stationäre Schmerztherapie des Schmerzzentrums Nürnberg am Krankenhaus Altdorf setzt hier an. Seit 2014 wird dort die „Multimodale Schmerztherapie“ praktiziert. Sie greift, wenn Schmerzen oder die Einnahme schmerzlindernder Medikamente zugenommen haben oder wenn besondere psychische und soziale Belastungen vorliegen. Unter der Leitung von Oberärztin Dr. med. Stefanie Kasper und Oberärztin Dr. med. Nina Hurtienne kümmert sich ein erfahrenes Team aus Ärzten und Therapeuten darum, dass alle Behandlungselemente während der zweieinhalbwöchigen Therapie zielführend miteinander kombiniert werden.

Neben der medizinischen Behandlung sind es psychologische Elemente, Ergo- und Physiotherapie, Achtsamkeitsübungen, Entspannungsverfahren und kreative Elemente, die dazu beitragen, dass die Patienten lernen, mit dem Schmerz besser umzugehen. Essenzieller Bestandteil der Behandlung ist die Psychoedukation: Die Information und Schulung der Betroffenen hinsichtlich der biologischen, psychologischen und sozialen Hintergründe des Schmerzes hilft ihnen, zu erkennen, dass nicht nur körperliche Faktoren, sondern auch psychische und soziale Aspekte die Schmerzsymptomatik beeinflussen – und dass solche Faktoren durch gezielte Veränderungen eigenständig beeinflussbar sind.

Individueller Behandlungsplan
Am Anfang der Behandlung am Altdorfer Krankenhaus steht ein umfassendes Screening aus körperlicher Untersuchung und ausführlicher Anamnese. „Wir fragen unter anderem ab, wie sich der Schmerz anfühlt, wie intensiv er wahrgenommen wird, wie die berufliche und private Situation aussieht“, erklärt Dr. med. Stefanie Kasper. „Das ist wichtig, denn auch Stress oder ein Trauma können zur Aufrechterhaltung von Schmerzen beitragen“, erklärt Dr. med. Nina Hurtienne.

Die Experten der Multimodalen Schmerztherapie: Die Ärzte und Therapeuten der Schmerzstation im KKH Altdorf. Fotos: us2021/10/24h_kh-nuernberger-land_03.jpg

Für jeden Patienten wird nach der Diagnose ein individueller Fahrplan für die Stationäre Schmerztherapie erarbeitet. Viele der Maßnahmen dienen dazu, die Selbstwirksamkeit der Patienten zu erhöhen: Sie sollen in der Lage sein, selbst auf die Schmerzen und ihr psychisches Befinden Einfluss zu nehmen und die Situation selbst in den Griff bekommen. „Mit unseren Therapieangeboten geben wir einen Werkzeugkoffer an die Hand, den die Patienten später auch zu Hause nutzen können und sollen“, sagen die beiden Oberärztinnen. „Sie sollen wieder zu aktiven Gestaltern ihres Alltags werden.“

Mitmachen ist wichtig
Hell und freundlich ist der Aufenthaltsraum der Schmerzstation, der Blick geht über die Dächer hinüber zum Hegnenberg im Altdorfer Oberland. Die Stimmung in der Gruppe beim Nachmittagskaffee ist gut. Seit dem Start der Schmerzstation 2014 hat man viel Erfahrung gesammelt und begrenzt die Gruppengröße für die zweieinhalbwöchige Therapie auf acht Personen.

„Auch der intensive Austausch der Patienten untereinander ist wichtig, um den chronischen Schmerz aus dem Lebensmittelpunkt zu rücken“, weiß Dr. med. Nina Hurtienne und ergänzt: „Da ist es hilfreich, wenn die Chemie in der Gruppe stimmt.“ Beim Check-in wurde Andrea W. gefragt, was denn ihre Motivation für die Therapie sei. „Ich will selbst daran mitarbeiten“, antwortete sie, „dass ich weniger Schmerz und mehr Leben habe.“

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FAKTEN & KONTAKT
Schmerzstation Krankenhaus Altdorf
Stationäre Multimodale Schmerztherapie
Intensives Programm nach den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen bei

  • starken chronischen Schmerzen und dadurch massiver Einschränkung im Alltag
  • ausbleibender Schmerzlinderung durch bisherige ambulante Maßnahmen
  • beeinträchtigter Lebensqualität

Voraussetzung:

  • Aktive Auseinandersetzung mit dem Schmerz
  • Offenheit für Veränderungen

Spezialisiertes Team aus Ärzten und Therapeuten, Gruppengröße: acht Patienten

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Krankenhaus Altdorf
Neumarkter Straße 6
90518 Altdorf
Tel: (09187) 800-362
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Schmerzzentrum Klinikum Nürnberg
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klinikum-nuernberg.de/schmerzzentrum

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