Prominenter Gast in Röthenbach

Ministerin Bär beim „Digital Talk“

Im Röthenbacher Restaurant „Neue Mitte“ sprachen (rechts im Hintergrund) die Europa-Kandidatin der CSU, Marlene Mortler, der Geschäftsführer der Psyma in Lauf, Frank Knapp, die Bundesministerin Dorothee Bär und die Stadt- und Kreisrätin Cornelia Trinkl über das Thema Digitalisierung in Deutschland. | Foto: Beck2019/05/Dorothee-Bar-in-der-Neuen-Mitte-Rothenbach-abe1.jpg

Röthenbach. „Digital Talk“ hieß die Veranstaltung der KPV und des CSU–Ortsverbands Röthenbach, bei der am Montagabend in Röthenbach die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, zu Gast war. Bär, die Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler und der Geschäftsführer des Laufer Marktforschungsunternehmens Psyma, Frank Knapp, beantworteten die Fragen der Stadt- und Kreisrätin Cornelia Trinkl zum Thema „Digitalisierung“.

Das Wort Digitalisierung feiert in Deutschland seit Jahren Hochkonjunktur. Unternehmen fordern mehr Digitalisierung, Politiker geloben gebetsmühlenartig Besserung und so manch ein Bürger weiß nicht einmal, was er sich unter dem Begriff vorstellen soll.
Mit dem „Digital Talk“ in Röthenbach sollte den Bürgern die Möglichkeit gegeben werden, sich über das Thema zu informieren. Die ursprüngliche Bedeutung von Digitalisierung – die Umwandlung analoger Daten, wie etwa Bücher, in digitale Daten, wie PDF–Dateien – hat mit der heutigen Verwendung allerdings nichts mehr zu tun.

Stattdessen benutzten Bär, Mortler und Knapp den Begriff im Sinne eines digitalen Wandels der Gesellschaft, hin zu mehr automatisch gesteuerten Abläufen. Alle drei Podiumsgäste bewerteten den digitalen Fortschritt in Deutschland als mangelhaft. Psyma–Chef Knapp hielt mit seiner Kritik nicht hinter dem Berg. Er betonte den deutlichen Rückstand Deutschlands gegenüber anderen führenden Wirtschaftsnationen und forderte die Politik auf, Geld in die Digitalisierung zu stecken, „statt sie in Sozialleistungen zu versenken“.

Mortler trat vor allem als Sprecherin der Landwirte auf. Die Digitalisierung der Landwirtschaft sei eine notwendige Entwicklung, die von der Politik gefördert werden müsse. Das weltweite Bevölkerungswachstum bedinge, dass in Zukunft immer mehr Menschen bei immer weniger Flächen versorgt werden müssen. Eine breite Digitalisierung werde helfen, dieses Problem zu stemmen und gleichzeitig die Umwelt zu schonen. „Durch die Digitalisierung der Abläufe können wir immer gezielter düngen und den Pflanzenschutz genau abstimmen“, so Mortler.

Staatsministerin Bär erzählte den Zuschauern zunächst von den positiven Entwicklungen im Bereich der deutschen Verwaltungen und von der steigenden politischen Aufmerksamkeit für das Thema Digitalisierung. Überaus begeistert wirkte sie dabei selbst nicht. Stattdessen nutzte sie das Thema „Digitalisierung des Bildungssystems“, um ihrem Ärger Luft zu machen.

Bär zog eine negative Bilanz für alle Bundesländer. „Der Föderalismus im Bildungssystem ist ein Totengräber“, sagte die Ministerin und kritisierte endlose Debatten der Länder um die Kosten, statt für die  „Zukunft der Kinder“ zu sorgen.

In England würden die Kinder bereits in der Grundschule lernen zu programmieren. „In Deutschland heißt es dann, ,Kinder müssen lesen und schreiben lernen‘, aber das widerspricht sich doch nicht. Wir müssen den Kindern ein Grundwissen vermitteln, damit sie nicht später von der Technik beherrscht werden. Auch meine Partei muss in diesem Thema nachgeben“, sagte Bär und erhielt dafür spontanen Applaus der rund 70 Gäste im Röthenbacher Restaurant „Neue Mitte“. Nach einer Stunde Frage und Antwort blieb noch kurz Zeit für ein paar Schnappschüsse mit der Ministerin. Dann verabschiedete sich Bär in Richtung Berlin.

N-Land Andrea Beck
Andrea Beck