Laufer Firma ABL Sursum braucht mehr Platz

Mehr Arbeitsplätze, weniger Wald

Die rot markierte Waldfläche zwischen der A9 (links) und der Staatsstraße Richtung Letten soll überbaut werden. Nur ein kleiner Teil des Areals gehört der Stadt, der Rest soll eingemeindet werden. Im Süden bleibt etwas Wald stehen. | Foto: Foto: Geobasisdaten/Bayerische Vermessungsverwaltung2021/05/gewerbegebiet-abl-sursum-lauf-a9-grafik-sichelstiel.jpg

Lauf – Das Laufer Unternehmen ABL Sursum, das mit dem sogenannten „Schuko-Stecker“ groß geworden ist und heute mehr und mehr auf E-Mobilität setzt, möchte auf einem Waldstück zwischen der A9 und der Staatsstraße von Lauf nach Diepersdorf den neuen Firmensitz errichten. Das gab Geschäftsführer Stefan Schlutius gestern im Rahmen einer Pressekonferenz auf dem Firmengelände bekannt.


Die Pläne sind umstritten, weil dafür rund acht Hektar Bannwald größtenteils in bisher gemeindefreiem Gebiet fallen müssten. Der Laufer Stadtrat hat am Dienstagabend in einer nichtöffentlichen Sitzung nun die Stadtverwaltung beauftragt, die nächsten Schritte in die Wege zu leiten. 2022 sollen die Arbeiten beginnen. Vor der Stadtratssitzung hatten rund 50 Bürger gegen die Abholzung des Waldstücks demonstriert.


Großer Platzbedarf


Die Firma ABL hält sowohl die Expansion als auch den Standort für alternativlos, wie es Schlutius darstellte. „ABL steht vor einer entscheidenden Neuausrichtung“, der Bedarf an Ladepunkten für E-Autos und Hybride steige. Entsprechend brauche das Unternehmen, Marktführer in Skandinavien und einer der Branchenriesen in ganz Europa, viel mehr Mitarbeiter und „erheblich größere Kapazitäten“, so Schlutius.


Das etwa vier Hektar große Firmengelände an der Albert-Büttner-Straße – benannt nach dem Firmengründer – reiche bei weitem nicht aus, dort gebe es auch keine Möglichkeiten, zu wachsen. „Der Lieferverkehr ist gewaltig geworden“, fügte Geschäftsführerin Sabine Spiller-Schlutius hinzu.


Seit November vergangenen Jahres gibt es die Expansionspläne. Anfang des Jahres sei man zum Ergebnis gekommen, dass eine Umsetzung auf dem aktuellen Standort nicht möglich sei, so Manuel Loos, Bereichsleiter Produktion bei ABL. Baubeginn soll im kommenden Jahr sein, wie lange es bis zur Fertigstellung dauert, stehe noch nicht fest.


ABL steht für „Albert Büttner Lauf“, das 1923 gegründete Unternehmen möchte in der Kreisstadt seine „Erfolgsgeschichte fortsetzen“, wie es Stefan Schlutius ausdrückte. „Lauf ist unsere Stadt.“


Größenmäßig möchte sich die Firma verdoppeln, sie braucht also acht Hektar – eine derartige Fläche sei schwer zu finden, im Landkreis verfügbare Areale „reichen hinten und vorne nicht“, so der Geschäftsführer.


ABL sieht keine Alternative


Daher bleibe nur die Fläche im Bannwald als Option. Sollten sich die Pläne dennoch zerschlagen, müsse man über einen Umzug in einen anderen Landkreis nachdenken. Doch das wolle man schon aufgrund der vielen Fachkräfte nicht, die in der Umgebung wohnen, so Schlutius. „Es liegt nicht in meiner Natur, Drohungen auszustoßen.“


Insgesamt beschäftigt ABL rund 450 Mitarbeiter, künftig sollen es mindestens doppelt so viele sein. Der Geschäftsführer glaubt, dass der Markt für Ladesysteme von E-Autos nicht so schnell gesättigt sein wird. „Batterietechnik wird aus unserer Sicht das Thema der nächsten 50 Jahre sein.“


„Der Standort in Lauf ist gefährdet“, warnte Bürgermeister Thomas Lang (Freie Wähler) davor, dass die Firma aus Lauf wegziehen könnte. „Es kann nicht sein, dass wir uns mit dem Gedanken auseinandersetzen müssen, dass ABL seinen 100. Geburtstag nicht in der Stadt feiert“, so Lang. Die Firma beschäftige sich mit der „Zukunftstechnologie“ E-Mobilität, es gehe um viele Arbeitsplätze in der Stadt. Sollte ABL umziehen, würden der Stadt über Jahrzehnte auch hohe Gewerbesteuereinnahmen verloren gehen.

„Intensiv Flächen geprüft“


Lang betonte, die Stadt habe in den vergangenen Wochen „intensiv Flächen geprüft“, das Waldstück an der A 9 sei aber die einzige Möglichkeit, weil andere Areale dieser Größe in Privatbesitz sind. Schon unter Langs Vorgänger Benedikt Bisping war es als möglicher Gewerbestandort ins Blickfeld geraten, wie der Bürgermeister erinnerte. Dass dort ein weiteres Brachland entsteht, schloss der Bürgermeister aus. Im Vertrag mit der Stadt werde es eine Bebauungsverpflichtung geben – das war in der Vergangenheit in der Kreisstadt nicht immer der Fall, wenn Flächen an Unternehmen vergeben wurden.


Der Bürgermeister wehrte sich gegen Vorwürfe, dass die Stadt das Projekt „heimlich, still und leise“ vorantreibe. Allerdings waren noch am Freitag Nachfragen der Pegnitz-Zeitung über Planungen für ein mögliches Gewerbegebiet bei Stadtverwaltung und Unternehmen unbeantwortet geblieben. Laut Lang hat die Stadtratssitzung am Dienstagabend dem Zweck gedient, an die Öffentlichkeit gehen zu können.

Bürgermeister wünscht sich „faire Diskussion“


Er nehme die Position der Demonstranten ernst, so Lang. „Ich wünsche mir nichts anderes als eine faire Diskussion.“ Nicht er oder die Verwaltung, sondern eine Stadtratsmehrheit habe die Entscheidung für das Projekt getroffen.


„Ich verstehe die Menschen, die Bedenken haben. Wir müssen sie überzeugen“, so Stefan Schlutius. Das Projekt sei „eine wahnsinnige Chance“, man sichere „in Lauf für viele, viele Jahre viele Arbeitsplätze.“
Man wolle und werde nachhaltig bauen, ergänzte der Geschäftsführer. Es solle kein „Monster“ in die Landschaft gesetzt werden. Welche Dimensionen die Firmengebäude am neuen Standort haben werden, stehe aber noch nicht fest.


Waldstreifen im Süden bleibt stehen


Nicht das gesamte Waldstück zwischen A9 und Staatsstraße soll weichen, im Süden in Richtung Letten werde ein „vergleichsweise breiter“ Eichenbestand stehen bleiben, so Bürgermeister Lang.


Für das gerodete Gebiet müssten anderweitig Ausgleichsflächen geschaffen werden. Wo die Aufforstung passieren wird, sei aber noch nicht spruchreif. Auf dem bisherigen, rund vier Hektar großen Firmenareal soll nach dem Umzug von ABL möglicherweise bezahlbarer Wohlraum entstehen, kündigte der Bürgermeister an.


An der Pressekonferenz am Mittwochvormittag hatten neben Firmenvertretern auch die Sprecher der Laufer Stadtratsfraktionen teilgenommen.

Demonstration vor Stadtratssitzung


Am Vorabend hatte eine nichtöffentliche Sitzung des Stadtrats in der Turnhalle der Kunigundenschule stattgefunden. Im Vorfeld waren dort rund 50 Bürger zusammengekommen, um gegen die Pläne zu demonstrieren. Der Weigenhofener Landschaftsarchitekt Martin Völker hatte die Demo „sehr spontan und kurzfristig“ organisiert.

Rund 50 Laufer hatten am Dienstagabend vor der Bertleinschule, in der sich der Stadtrat traf, gegen die Rodung der Waldfläche demonstriert. Foto: Kirchmayer2021/05/Demo-gegen-Flachenfrass-Lauf-A9-Bertleinschule-kir-1-scaled.jpg


„Genug ist genug“, so Völker, der auf den Sandabbau in Altdorf und das geplante Gewerbegebiet bei Hormersdorf (Markt Schnaittach) verwies. Er verstehe nicht, wieso Bannwald gefällt werden muss, sagte der Organisator. Es handle sich um „unberührte Areale“, ein „wohltuender Freiraum“ für die Natur, der für ein Gewerbegebiet geopfert werde. Es müsse Schluss sein mit dem Abholzen von alten Waldflächen.


Gastronom ist schockiert


Auch Michael Wittmann, der Geschäftsführer des Waldgasthofs am Letten, demonstrierte mit. Er steht auch hinter einer Online-Petition, die am Dienstag gestartet wurde. Von den Plänen der Stadt hatte er am Samstag über die Pegnitz-Zeitung erfahren. „Da fällt einem erst einmal alles aus dem Gesicht“, so Wittmann. „Ich stehe jetzt noch unter Schock.“


Wittmann wohnt am Letten, sieht sich durch die Waldrodung aber auch wirtschaftlich betroffen: „Warum kommen die Leute zu uns? Die schauen lieber ins Grüne als auf Asphalt und Beton“, so der Gastronom. In dem Gebiet gebe es viele Tierarten, darunter Falken und Bussarde.


Andere Flächen liegen brach


Die Grünen-Kreisrätin Lydia Hufmann-Bisping kritisierte, dass anderweitig große Gewerbeflächen brach liegen oder liegen werden, etwa bei Tadano Faun. Ihr Mann, der frühere Bürgermeister Benedikt Bisping, hatte vor der Stadtratssitzung noch angekündigt, sich gegen die Gewerbepläne einzusetzen.


Wie genau die Abstimmung am Dienstagabend ausging, teilte die Stadt nicht mit. Das sei aufgrund der Nichtöffentlichkeit geheim, so Bürgermeister Thomas Lang. Aufgrund des Ergebnisses ist demnach nur klar, dass sich eine Mehrheit für das Projekt ausgesprochen hat. Bevor sich die Verwaltung näher mit den Planungen beschäftigen kann, muss die Regierung von Mittelfranken noch grünes Licht für die Eingemeindung geben.

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