Hotel bleibt bestehen

Laufer „Post“ künftig ohne Gasthof

Hotel und Gasthof zur Post sind eine Institution. Als Folge der Coronakrise wird das beliebte Restaurant nicht mehr öffnen. | Foto: Fischer2021/05/hotel-gasthof-zur-post-Lauf-fi-scaled.jpg

Lauf – Das Hotel und der Gasthof zur Post („beim Lehner“) sind in Lauf eine Institution. Jetzt schließt die alteingesessene Wirtsfamilie coronabedingt das angesehene Restaurant auf Dauer. Der Hotelbetrieb allerdings wird weitergehen.


Schlaflose Nächte liegen hinter Hans Lehner und seiner Frau Ulrike sowie der Familie seiner Tochter Steffi und Michi Meier: „Das war eine extrem schwere Entscheidung, man kann das vermutlich nicht erklären, uns blutet das Herz“, sagt ein sichtlich mitgenommener Hans Lehner. Ganz schlimm war es, seiner Küchen- und Servicemannschaft, mit Mitarbeitern, die seit 10 bis 20 Jahren im Betrieb sind, die Nachricht zu übermitteln. Leid tut es der Wirtsfamilie auch um die vielen treuen Stammgäste. Am Ende aber sei es eine Entscheidung für die Zukunft des Betriebs gewesen. Zu groß seien die Unsicherheiten, wie es mit oder nach der Pandemie weitergeht, zu schwer einzuschätzen im Augenblick die mittelfristigen Perspektiven für die gesamte Gastronomiebranche.


Seit über 40 Jahren führen Hans und Ulrike Lehner den vom Vater übernommenen Betrieb. Vor 27 Jahren errichteten sie das moderne Hotel und erweiterten den Gasthof in seiner heutigen Form. Das Haus war nicht nur bei Laufern gefragt und geschätzt für seine Küche, das Hotel war immer gut gebucht, vor allem mit Messegästen. Zwei Säulen trugen so das Unternehmen.


10 000 Stornierungen


Beide, der Beherbergungsbetrieb noch mehr als das Restaurant, sind mit der Corona-Pandemie weggebrochen. 10 000 Stornierungen gab es im vergangenen Jahr bis heute und keine Messegäste wird es bis Ende 2021 geben. Vor allem durch die sicheren Einkünfte aus der Hotellerie sei es bisher möglich gewesen, den wesentlich unstetigeren Restaurantbetrieb mit großer Küchenmannschaft von zehn Festangestellten plus Bedienungen zu stemmen.


Die Coronahilfen des Staates sicherten bisher nur das nackte Überleben, so Hans Lehner, eine Zukunftsplanung sei so aber bei der Struktur seines Hauses nicht möglich. Sieben Monate Zwangsschließung waren einfach zu viel. „Deshalb mussten wir jetzt im Rat der zwei Familien einen Weg in die Zukunft finden. Und hoffen jetzt einfach, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Das „To Go“-Angebot am Sonntag gibt es weiter


Immerhin, ein kleiner Trost für Stammgäste bleibt noch: Das Essen „to go“, das der Gasthof zur Post jeden Sonntagmittag anbietet und „von unseren Gästen sehr, sehr gut angenommen“ wird, wird es auch weiterhin noch geben. Wie lange noch, kann Hans Lehner nicht sagen.


Zwischen tiefer Betroffenheit und Verständnis schwankten gestern in Lauf die ersten Reaktionen nach der Schließungsankündigung. Eine dieser Stimmen kommt von Wirtskollege Hans Fensel aus Oedenberg, der stellvertretender Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes im Nürnberger Land ist. „Die Gastronomie in der Stadt ist definitiv um einiges ärmer, wenn es den Lehner nicht mehr gibt“, sagt Fensel. „Die Post war ein Super-Restaurant und Hans Lehner ist ein Wirt mit Leib und Seele, der seinen Beruf mit Herzblut ausübt.“ Auch für den Tourismus in Lauf war die Post als sehr gutes Restaurant wichtig.


Fensel beklagt ebenfalls die lange Zwangsschließung der Gastronomie durch die Politik und sieht hier ein Messen mit zweierlei Maß. Warum kann in einem Biergarten nicht gelten, was im Bus oder im Supermarkt offensichtlich kein Problem ist, fragt er sich. Doch sieht er Corona, mit dem Abwandern auch viel qualifizierten Personals, nicht als alleinige Ursache für das Wirtshausterben, sondern oft nur als weiteren Sargnagel. So lasse beispielsweise die extrem starre Arbeitszeitregelung vernünftige Betriebsabläufe einfach nicht mehr zu. Und wenn dann zu viel zusammenkommt, hören Wirte eben auf.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren