Bauernverband zur Situation im Landkreis

Landwirte erwarten durchschnittliche Ernte

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PÜSCHELDORF/OFFENHAUSEN – In einigen Gegenden in Deutschland hat die Getreideernte bereits begonnen, im Nürnberger Land warten die Landwirte noch ab. Traditionell hatte der Bauernverband zum Pressegespräch „Markt- und Erntesituation“ eingeladen, heuer auf den Betrieb der Familie Prögel in Püscheldorf, ein Musterbeispiel dafür, dass die Landwirtschaft einem beständigen Wandel unterliegt.

Der Familienbetrieb bewirtschaftet an den Standorten in Püscheldorf und in Thüringen insgesamt 400 Hektar. Schwerpunkte sind Ackerbau, Bullenmast und Energiewirtschaft. Die Biogasanlage in Püscheldorf speist zwischenzeitlich Strom bedarfsgerecht ein und versorgt fast alle Häuser am Ort mit Wärme.
 Wenig Regen und die Hitzewelle der letzten Tage werden sich auch im Nürnberger Land bei der Getreideernte bemerkbar machen. Mittelfrankens BBV-Präsident Günther Felßner, gleichzeitig Kreisobmann des BBV, rechnet heuer mit einer „durchschnittlichen Ernte“. Die aktuellen Ernteschätzungen aus den Landesbauernverbänden lassen für Deutschland eine Getreideernte von gut 47 Millionen Tonnen erwarten und damit würde die Getreideernte 2015 dem Mittelwert der Jahre 2009 bis 2014 in Höhe von 46,8 Millionen Tonnen entsprechen, das Vorjahresergebnis von 52 Millionen Tonnen jedoch um elf Prozent verfehlen.

Was die Preise anbelangt, richten sich diese nach den internationalen Märkten und sind abhängig von der globalen Versorgung. Günther Felßner sieht sie wegen der Rekordernte im letzten Jahr unter Druck, wobei allerdings die Auswirkungen der regional unterschiedlichen Witterung auf Ertrag und Qualität abzuwarten bleibt.

Vor Ort machte man Halt an einem Feldstück, auf dem Gerd Prögel Weizen der neuen Sorte „Spontan“ angebaut hat. Sie ist resistent gegen Fusarium und lässt eine gute Ernte erwarten.

Trend zur Regionalität

Auf eine Besonderheit im  Nürnberger Land ging Günther Felßner ausführlich ein: auf das sogenannte 10-km-Bier. Bereits vor drei Jahren haben sich einige Landwirte aus dem Nürnberger Land zusammengeschlossen, um den heimischen Braugerstenanbau wieder lohnender zu gestalten. Der Trend zu mehr Regionalität wurde aufgegriffen und so wird das Zehn-Kilometer-Bier nur aus Braugerste gebraut, die von Feldern im  Umkreis von rund zehn  Kilometern angebaut wird.

Mittlerweile sind rund zehn Landwirte, sechs Brauereien und eine Mälzerei beteiligt. Günther Felßner, dem Mitinitiator des Projekts, ist dabei wichtig, dass mit dem Zehn-Kilometer-Bier das Bewusstsein der Verbraucher geschärft wird, die Landwirte einen angemessenen Preis für die qualitativ hochwertige Braugerste erhalten und die Brauereien auf Erzeuger, die sie kennen, zurückgreifen können.

Beim Erntegespräch ging es auch um die Situation der Landwirtschaft allgemein. Im Nürnberger Land gibt es noch insgesamt 1003 landwirtschaftliche Betriebe, von denen 240 (24 Prozent) im Haupterwerb und 763 (76 Prozent) im Nebenerwerb betrieben werden. Von den insgesamt 63.417 Hektar genutzter Fläche entfallen 39.910 Hektar auf forstliche Nutzung, 10.098 Hektar Grünland und 13.409 Hektar auf Ackerland. Getreide wird auf 7268 Hektar angebaut, Mais auf 2166 Hektar und Raps auf 652 Hektar.

Aus dem Nürnberger Land kommt eine jährliche Milchmenge von 47 Millionen Kilogramm, die Zahl der Mastschweine beziffert sich auf 24.200 Tiere.

Keiner ist zufrieden

Zufrieden mit der derzeitigen Preissituation ist niemand. Das wurde aus den Äußerungen der anwesenden BBV-Kreisvorstandsmitglieder deutlich. Hermann Waiz aus Rasch schilderte die Situation der Milchbauern. Ein Grundpreis unter 30 Cent sei indiskutabel, bei dem Erlös könnme man so gut wie nichts investieren. „Was wir dringend brauchen sind Liquididätshilfen“, war seine unmißverständliche Forderung.

Mit seinem Betrieb ist er im Programm „Ein Stück Heimat“. Das bringe zwar zwei Cent mehr pro Liter Milch, aber wenn er dabeibleiben will, muss er Auflagen erfüllen, die allein für seinen Betrieb Investitionen von rund 100.000 Euro bedeuten.

Der stellvertretende Kreisobmann Siegfried Schmidt, ebenfalls Milchbauer, fügt an, dass im Nürnberger Land die wenigsten Betriebe die Struktur haben, diese Forderungen zu erfüllen. Skeptisch sieht Günther Felßner, der Milchpräsident des Bayerischen Bauernverbandes, die Bemühungen der Discounter, Nachhaltigkeit vorzutäuschen. Aldi nannte er wörtlich „Totengräber der Nachhaltigkeit“. „Für den Milchpreis kann man nicht nachhaltig produzieren“, war seine Aussage. Dahinter würden keine großen Mengen stehen. Solche Programme müssten ehrlich sein und nicht als Mäntelchen dienen.

Ehrlicher sieht er hingegen das Programm „Tierwohl“, bei dem alle in einen Topf einzahlen und sich die Bauern dann für entsprechende Unterstützung bewerben können. Allerdings sei die Nachfrage doppelt so groß und deswegen müsse man die Anstrengungen, hier noch mehr zu erreichen, forcieren.

„Schweinepreise kriminell“

Differenzierter sieht dies Karlheinz Gottschalk aus Unterrieden. Früher oder später werde jedes Programm zum Standard. „Kriminell“ ist der Ausdruck, den er für die derzeitigen Schweinepreise findet.

Unzufrieden ist auch Bullenmäster Heinz Lämmermann. Für ihn kommt zum Preis noch ein anderes Problem: die Wildschweinplage. Die Rotten wüten in den Maisfeldern. Lämmermann hat die Konsequenz gezogen, heuer den Maisanbau gänzlich eingestellt und auf andere Kulturen umgestellt.

N-Land Lorenz Märtl
Lorenz Märtl