Interview mit dem neuen Ratsvorsitzenden der EMN

Landrat Kroder an der Spitze der Metropolregion

Die Karte der Europäischen Metropolregion Nürnberg hängt schon lange in Armin Kroders Büro. Seit einer Woche ist er deren Ratsvorsitzender. Foto: Chemnitz2014/08/kroder_ratsvorsitz_metropolregion_bu__ro1.jpg

NÜRNBERGER LAND — Seit rund einer Woche ist Landrat Armin Kroder der Ratsvorsitzende der Europäischen Metropolregion Nürnberg (EMN), die 23 Landkreise und elf Städte umfasst (siehe Info unten). In der spricht er über seine Ziele für die Metropolregion und wie sie zur familienfreundlichsten Region Deutschlands werden soll.

PZ: Nach Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly und Erlangens ehemaligem Bürgermeister Siegfried Balleis sind Sie der dritte Ratsvorsitzende der EMN. Warum Sie?
Kroder: Das hat sich so ergeben. Es war schon immer die Idee, dass auch die Landräte den Vorsitz übernehmen sollen und nicht nur die Bürgermeister der großen Städte. Schließlich stecken in dem Begriff Metropolregion die Worte Metropole und Region. Als Nürnberger Land haben wir den Vorteil, dass wir Nürnberg schon im Namen tragen, und so war die Entscheidung für mich schlüssig und wurde auch von allen einstimmig getragen.

PZ: Wie wichtig ist diese Einstimmigkeit?
Kroder: Sehr wichtig. Ein möglichst breiter Konsens ist ganz entscheidend. Schließlich ist die Beteiligung an der Metropolregion Nürnberg freiwillig. Jeder Kreistag oder Stadtrat entscheidet selbst, ob und wie er mitmachen möchte. Dabei ist es wichtig, dass weder parteipolitische noch regionale Aspekte im Vordergrund stehen. Wir sind ein Netz mit vielen starken Knoten, alle diskutieren auf Augenhöhe – da unterscheiden wir uns von anderen Metropolregionen. Der Bürgermeister der kleinsten Gemeinde hat die gleiche Stimme wie der Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg.

PZ: Was bedeutet Ihr Vorsitz für das Nürnberger Land?
Kroder: Ich glaube, dass unser Landkreis von der Strahlkraft der Marke EMN profitieren wird. Für eine Stadt oder einen Landkreis allein ist es schwierig, deutschlandweit oder gar international aufzuscheinen. Als große Gemeinschaft mit einer weltbekannten Stadt wie Nürnberg im Herzen sind unsere Wahrnehmbarkeit und auch unser Einfluss in Deutschland und Europa viel größer.

PZ: Was genau erhoffen Sie sich von dieser Wahrnehmbarkeit?
Kroder: Zum einen ganz konkrete Vorteile bei der Lobbyarbeit auf EU-Ebene, wenn es um Fördermittel oder den Bürokratieabbau geht. Vor allem aber, dass die Menschen, die hier leben, auch bleiben, und dass Menschen, die noch nicht hier wohnen, sich für die Metropolregion Nürnberg als Lebensmittelpunkt entscheiden. Wir wollen in der ersten Liga mitspielen, wenn es darum geht: Wohin gehe ich? Aktuell leben rund 3,5 Millionen Menschen im Gebiet der EMN. Durch die demografische Entwicklung wird sich das ohne Zuzug von außen nicht halten lassen.

PZ: Und was bedeutet der Ratsvorsitz für Armin Kroder persönlich?
Kroder: Ich bin ja seit jeher ein Fan der EMN. Da stört es mich auch nicht, dass jetzt noch ein paar Verpflichtungen mehr im Terminkalender stehen. Denn ich kann auf der anderen Seite Kontakte knüpfen, die sonst schwierig zu bekommen wären, und mein Netzwerk in meiner Funktion als Landrat erweitern. Zudem kann der Vorstand zumindest ein bisschen steuern, in welche Richtung es gehen soll.

PZ: Und die wäre?
Kroder: Wir wollen die familienfreundlichste Wirtschaftsregion Deutschlands werden. Familien und Firmen sollen sich bei uns gleichermaßen wohlfühlen, denn sie bedingen sich gegenseitig. Wir haben gut ausgebildete Arbeitnehmer und viele interessante Arbeitgeber. Wir sind attraktiv, weil wir die Vorzüge von Großstädten und gleichzeitig ländliche Strukturen vereinen und dabei ein großartiges Preis-Leistungs-Verhältnis, eine hervorragende Infrastruktur und eine perfekte Verkehrsanbindung mit Autobahnen, einem Hafen und einem Flughafen bieten. Wir wollen zeigen, dass die Region interessant und spannend ist, dass sie viele Chancen bietet und gleichzeitig bezahlbar ist. Da können wir noch selbstbewusster sein, ohne überheblich zu werden.

PZ: Ein flammendes Plädoyer für die Metropolregion. Bei den Bürgern ist die Begeisterung nicht ganz so groß.
Kroder: Es muss ja auch nicht sein, dass jeder sagt: ‚Ich bin ein stolzer Bürger der Europäischen Metropolregion Nürnberg.‘ Das funktioniert ja meist schon auf kommunaler Ebene nicht und das ist auch nicht schlimm. Ich würde mir wünschen, dass die Bürger beim Begriff EMN ein gutes Gefühl, eine positive und aufgeschlossene Grundhaltung haben und die Entscheider uns als interessante Region wahrnehmen.

PZ: Die Ausdehnung der EMN bis nach Thüringen wird zuweilen als willkürlich kritisiert.
Kroder: Generell gilt bei uns der Grundsatz der Freiwilligkeit und Offenheit: Jeder, der mitmachen möchte, ist herzlich willkommen. Wir verzichten auf aggressive Werbung. Es gibt eine Studie dazu, wie die Landkreise und Städte sozio-ökomomisch verflochten sind und die Metropolregion Nürnberg bildet das in etwa ab. Das jüngste Mitglied, der Landkreis Sonneberg aus Thüringen zum Beispiel, hat mehr Verbindungen zu Nürnberg als zur Landeshauptstadt Erfurt und ist uns auch geografisch näher. Schön wäre es, wenn wir Würzburg als Mitglied gewinnen könnten. Das wäre eine wichtige und gute Ergänzung.

PZ: Im kommenden Jahr feiert die EMN ihr zehnjähriges Bestehen. Sind Sie zufrieden mit dem Erreichten?
Kroder: Ja. Natürlich haben wir uns zunächst viel mit uns selbst beschäftigt, aber es dauert eben, bis alle Rahmenbedingungen festgezurrt sind. Unter Balleis gab es dann zwei wesentliche Entwicklungen: die recht zähe rechtliche Konsolidierung, die zur Vereinsgründung geführt hat, und die verstärkte Einbindung der Wirtschaft. Inzwischen beteiligen sich 123 Unternehmen und mehrere Industrie- und Handelskammern. Es wurden aber auch konkrete Projekte umgesetzt, wie zum Beispiel der Entdeckerpass, der Wissenschaftstag, die Allianz gegen Rechtsextremismus oder die Autobahnschilder, die sichtbar auf die Metropolregion hinweisen.

PZ: Und was kommt jetzt?
Kroder: Nachdem die Strukturen geschaffen sind, ist jetzt die Zeit, noch mehr Gas zu geben und eine Hochleistungsphase einzuläuten, in der wir Projekte und die Kampagnenarbeit voranbringen. Das Jubiläum 2015 ist eine Möglichkeit, nach außen noch sichtbarer zu werden. 2016 wollen wir anlässlich des 700. Geburtstags Kaiser Karls IV. die Landesausstellung Bayern-Böhmen in die Region holen. Weiter geblickt gibt es die Idee, uns 2024 als Europäische Kulturhauptstadt zu bewerben. Ein längerfristiges Thema ist auch die Ausdehnung des VGN (Verkehrsverbund Großraum Nürnberg) auf die ganze Metropolregion.

PZ: Sind Projekte speziell für das Nürnberger Land geplant?
Kroder: Das Laufer Wenzelschloss mit dem Wappensaal als Kulturgut von europäischem Rang soll eine tragende Rolle spielen. Auch unsere Burgen, Schlösser und Herrensitze können touristisch noch besser vermarktet werden. Ich sehe gerade bei der  Burg Hohenstein und der Veste Rothenberg riesige Potenziale. Das sind Schmuckstücke, die durch die Metropolregion noch mehr glänzen könnten.

INFO ZUM THEMA:

Die Europäische Metropolregion Nürnberg (EMN) wurde im April 2005 gegründet. Der Slogan lautet „Heimat für Kreative“.

Auf einer Fläche von 21 000 Quadratkilometern umfasst sie derzeit 23 Landkreise und elf kreisfreie Städte aus den Regierungsbezirken Mittel-, Ober- und Unterfranken sowie der Oberpfalz und Thüringen.
Kreisfreie Städte: Ansbach, Amberg, Bamberg, Bayreuth, Coburg, Erlangen, Fürth, Hof, Nürnberg, Schwabach und Weiden.
Landkreise: Amberg-Sulzbach, Ansbach, Bamberg, Bayreuth, Coburg, Erlangen-Höchstadt, Forchheim, Fürth, Haßberge, Hof, Kitzingen, Kronach, Kulmbach, Lichtenfels, Neumarkt in der Oberpfalz, Neustadt an der Aisch/Bad Windsheim, Neustadt an der Waldnaab, Nürnberger Land, Roth, Sonneberg, Tirschenreuth, Weißenburg-Gunzenhausen und Wunsiedel im Fichtelgebirge.
Der Stadtrat der Stadt Würzburg hat am 15. Juli 2010 den Austritt aus der EMN beschlossen.

Insgesamt leben rund 3,5 Millionen Menschen in der EMN (Stand: 2012), die derzeit jährlich rund 1,5 Millionen Euro umsetzt.

Organisiert ist sie als Verein EMN – Europäische Metropolregion Nürnberg e.V., dem ein Steuerungskreis vorsteht. Dieser setzt sich zusammen aus je drei Vertretern aus Politik und Wirtschaft.

Vorsitzender des Rats der Metropolregion Nürnberg für die kommenden drei Jahre ist seit 25. Juli 2014 der Landrat des Nürnberger Lands, Armin Kroder (Freie Wähler). Dessen Stellvertreter sind Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Franz Stahl (CSU), Bürgermeister aus Tirschenreuth. Dem Rat gehören die 57 Landräte und Bürgermeister der beteiligten Landkreise und Städte sowie die Bürgermeister der einwohnerstärksten Kommunen und Vertreter des Freistaats und der Regierung von Mittelfranken an.

Dem zweiten Arm, dem Verein Wirtschaft für die Europäische Metropolregion Nürnberg e.V., der 123 Unternehmen in der Region sowie mehrere Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern vertritt, steht Klaus Wübbenhorst vor. Dessen Stellvertreter sind Heribert Trunk und Heinz Brenner.

Projekte werden in sieben Foren behandelt (Wirtschaft und Infrastruktur, Wissenschaft, Verkehr und Planung, Kultur, Sport, Tourismus, Marketing) sowie im Lenkungskreis Klimaschutz und Nachhaltige Entwicklung. Dazu gehören: der Entdeckerpass, Imageanalysen, Marketingstrategien, der Wissenschaftstag oder Sportförderung.

Weitere Info unter www.metropolregionnuernberg.de.

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