Azubis in Corona-Zeiten

Kleine Lerngruppen statt Berufsschule

Gemeinsames Lernen oder Treffen, um gemeinsam Firmenprojekte auszuarbeiten, waren in der Corona-Zeit bei den Azubis nicht möglich. | Foto: ©Viacheslav Iakobchuk - stock.adobe.com2020/07/AdobeStock-115021664.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Teilweise Kurzarbeit, keine Berufsschule, keine Möglichkeit zum Lernen oder persönlichen Austausch untereinander – auch die Azubis traf die Corona-Krise.

„Man vermisst nach einer gewissen Zeit den gewohnten Alltag“, sagt Theresa Baum rückblickend. Die junge Frau absolviert ihre Ausbildung als Groß- und Außenhandelskauffrau bei der Kaldenbach GmbH in Hersbruck. Auch wenn sie sich eine Rückkehr zur Normalität wünscht, kann sie der Zeit auch Positives abgewinnen: „Ich habe durch Corona viel mehr Einblick in die Firma erhalten.“

Der Grund: Einige Mitarbeiter waren im Homeoffice oder in Kurzarbeit und Baum konnte dadurch Aufgaben in mehreren Bereichen genauer kennenlernen als sonst. Daher lautet ihr Fazit: „Es ist schön, dass man die Tätigkeiten von mehreren Bereichen übernehmen darf.“

Die Dauphin-Auszubildende im Einkauf, Lisa Dreyer, fand es schade, dass durch die Schutzmaßnahmen die Azubi-Runden und die Ausflüge ausgefallen sind: „Der gegenseitige Austausch untereinander war schon immer sehr interessant.“ Doch auch die Berufsschule fehlte ihr. „Zum Glück hatten wir bereits fast alle Schulaufgaben sowie Exen geschrieben. Unser Klassenleiter war sehr schnell darauf eingerichtet, dass wir online beschult werden.“

Bereits nach rund zwei Wochen sei der Unterricht über Teams gelaufen – zwar vorrangig nur in den prüfungsrelevanten Fächern, „aber die Menge an Schulstoff, die uns geschickt wurde, hat auch so gereicht“. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten seien die Lehrer nun sogar fit in Sachen Videokonferenzen und Online-Sprechstunden und böten Chat-Zeiten an, berichtet Dreyer.

Auch wenn die Anwesenheit in der Berufsschule weggefallen sei, nur Arbeit sei dennoch nicht angesagt gewesen: „Die Personalabteilung hat uns einen Homeoffice-Schultag genehmigt, so dass wir den Schulstoff besser und effektiver abarbeiten konnten.“ Zusätzlich hätten ihnen die Ausbilder während der Arbeit Zeit gegeben, die Hausaufgaben zu erledigen.

In kleinen Gruppen

Für die Azubi-Runden schafften sich die jungen Leute selbst Ersatz: „Anfangs haben wir uns in kleinen Lerngruppen von drei bis vier Personen in den großen Konferenzräumen getroffen, um gemeinsam zu lernen und uns über die Gesamtsituation auszutauschen.“

Corona habe aber nicht nur die schulische Ausbildung durcheinandergebracht, sondern auch die betriebliche, bringt es Dreyer auf den Punkt: „Durch die Kurzarbeit waren manche Abteilungen eher dünn besetzt, so dass der Azubi in eine andere Abteilung musste.“ Zudem seien die Ausbildungspläne komplett umgestellt worden, so dass einige Abteilungen früher als geplant drangekommen seien, erklärt Dreyer. Sie freut sich, wenn „Corona rum ist“ und sie wieder ganz normal in die Berufsschule gehen kann.

Jana Kürzdörfer, Auszubildende in der Materialdisposition bei Dauphin, empfindet die Zeit nach wie vor als ungewohnte und herausfordernde Situation. „Fragen wie ‚Wie lange haben wir keine Schule mehr?‘, ‚Wie läuft das mit dem Online-Unterricht ab?‘ und ‚Werden noch Leistungsnachweise geschrieben?‘ gingen uns durch den Kopf“, erzählt sie. Lange hätten auch die Lehrer keine konkreten Antworten darauf geben können. Sie wussten wohl selbst nicht, wie es weitergeht, denkt sie.

Flut an Stoff

„Wir wurden mit Lernmaterial überflutet, so dass wir überhaupt nicht wussten, wie wir den ganzen Schulstoff bewältigen sollten, da wir ja anfangs jeden Tag in der Arbeit waren“, blickt Kürzdörfer zurück. Gerade im Hinblick auf Zwischen- und Abschlussprüfungen sorgte das für Stress bei den jungen Menschen. Da habe der Lerntag dann schon sehr geholfen.

Kürzdörfers Klasse wurde mittlerweile in zwei Gruppen aufgeteilt. „Daher habe ich alle zwei Wochen Unterricht.“ Aber dadurch könnten nicht alle Fächer unterrichtet werden. Und sie erhält weiterhin Material über Microsoft Teams zur Selbsterarbeitung: „Das bleibt eine Herausforderung.“

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