Öko-Siedlung im Mühlbachgrund

Keine Gnade mit dem Planer

Die geplante Ökosiedlung mit Blick nach Norden, wie sie im Gemeinderat vorgestellt wurde. Am hinteren Siedlungsrand die Reihenhäuser, die allerdings zwei Blöcke mit sechs, nicht fünf, Einheiten darstellen sollten, von denen nun die ganz linke um ein Stockwerk reduziert wird. Links die vier Doppelspänner, die ebenfalls alle um ein Stockwerk niedriger geplant werden. In der Mitte des Quartiers größere Gebäude für Eigentumswohnungen, ansonsten mehrheitlich Einfamilienhäuser. Die Wohnhäuser hinter der Baumzone stellen die Bestandsbebauung dar. | Foto: Hartmann Planwerk2019/03/Mimberg-Muehlbachgrund-Planungsbuero-Skizze.jpg

MIMBERG – Die Planung für die ökologische Siedlung im Mühlbachgrund geht in die nächste Runde. Auch mit der nun wiederholten Änderung durch das Planungsbüro Hartmann war eine Mehrheit der Gemeinderäte nicht zufrieden. Immerhin hat man aber die Planung beschlossen, vorausgesetzt der Fachmann arbeitet die gewünschten Änderungen noch ein.

Schon seit mehr als eineinhalb Jahren beschäftigt sich der Gemeinderat mit der Entwicklung des Bebauungsplans für das als nachhaltig geplante Wohngebiet auf dem Gelände der ehemaligen Fensterfabrik. Doch immer wieder kamen Fassungen auf den Tisch, die den Gemeinderat nicht vollends zufrieden stellten.

Verlust von zwei Wohneinheiten

Ursprünglich wurde eine Planung mit modellhaftem Charakter vorgestellt, die sich im Laufe der Monate jedoch stark veränderte. Auf Grund gestiegener Kosten durch eine weitere Straßenanbindung in schwierigem Gelände wurde die Bebauung zunächst von 22 auf 34 Wohneinheiten verdichtet, um den Wirtschaftlichkeitsfaktor für den Investor aufrechtzuerhalten. Dies passte dem Gremium nicht, zumal die engere Bebauung auf Kosten der Attraktivität ging. „Stärkere Auflockerung“ hieß zuletzt der Auftrag, dem der Planer nachkam, allerdings in immer noch zu geringem Maß, wie eine Mehrheit der Räte befand.

Bevor der neue Vorschlag vorgestellt wurde, machte Bürgermeister Heinz Meyer klar, dass heute bitte eine Planung beschlossen werden sollte, mit der man arbeiten könne. Hans Hartmann-Thoma zeigte anhand einer Visualisierung, wie das rechteckig angelegte Wohnareal nach der neuesten Umarbeitung aussehen und sich in die Umgebung einfügen würde.

Die wesentlichste Änderung, auf der man in der Sitzung vom Januar bestand, war die Unterbrechung einer monotonen Reihenhauszeile im Westen des Baugebiets. Hier schlug das Büro nun statt einer Reihenhausstange mit zehn Wohneinheiten vier Doppelhäuser vor, die auch noch um 90 Grad gedreht werden, damit ein offenerer Eindruck entsteht.

Dies bedeutet allerdings den Verlust von zwei Wohneinheiten, der aber dadurch ausgeglichen werden sollte, dass diese Doppelhäuser dreigeschossig und nicht wie die vorher geplanten Reihenhäuser zweigeschossig gebaut würden.

Zudem seien alle Reihenhäuser im Norden – zwei Sechsspänner – als dreigeschossige Gebäude vorgesehen, während die vorherige Planung von nur sechs dreigeschossigen Häusern in der Mitte und jeweils drei zweigeschossigen am Rand der Zeile ausgegangen war.

„Städtebaulich vorteilhaft“, urteilte Hans Thoma-Hartmann die neue Planung, die aufgrund der Beanstandungen der Gemeinderäte mit Ausnahme der Grünen und Dr. Eckhard Töperts (SPD) im Januar entstanden war.

„Richtige Straßenschluchten“

CSU-Fraktionssprecher Günther Nedvidek fand die Doppelhäuser wegen ihrer Dreigeschossigkeit immer noch zu klotzig. Dasselbe gelte auch für die nördlichen Gebäude: „Wenigstens die ersten Häuser links und rechts sollten nur zweigeschossig sein“, kritisierte er, und Wolfgang Lahm, Sprecher der SPD-Fraktion schloss sich ihm an: „Durch die Höhe entstehen richtige Straßenschluchten“, bemängelte er.

Bürgermeister Meyer, der darauf drängte, die Planung irgendwie zu akzeptieren, befand allerdings: „Das schaut aber immer noch toll aus.“ Über einen Fehler in der Visualisierung, die einen Drohnenflug über das Gelände imitiert, ärgerte sich Dr. Eckhard Töpert.

Im Norden seien nur zwei Mal fünf statt zwei Mal sechs Reihenhäuser zu sehen, wie sie doch der gültige Plan vorsieht. Dies musste Thoma-Hartmann einräumen, ein ärgerlicher Fehler, gestand er, ebenso die Tatsache, dass in der Präsentation die Reihenhäuser weiter weg von der Industriestraße stehen als das in der Umsetzung der Fall sein kann. Auch ein Carport ist eingezeichnet, so Töpert, für den in der tatsächlichen Planung gar kein Platz mehr vorhanden ist.

Mühlbachgrund : „Fährt auf eine Wand zu“

Über einen zu massiven Eindruck bei den gedrehten Doppelhäusern, klagte auch Wolfgang Seitz (Grüne), zumindest beim ersten Gebäude im Norden. „Da fährt man ja im Wohngebiet auf eine acht Meter hohe Wand zu“, stellte er fest und schloss in die Kritik ebenfalls den nördlichen Bereich ein. Dem schloss sich auch Klaus Wagner (FW) an.

Alexander Bock (CSU) resümierte, dass die Verdichtung de facto nie wirklich aufgelöst wurde. Architekt Reinhard Graf (CSU) wies darauf hin, dass man den Planern ja schon in vielen Punkten entgegen gekommen sei, zum Beispiel, was die durchgängige Dachbegrünung angeht, die nun nicht mehr im Entwurf vorhanden sei, oder auch bei der Nachverdichtung im Norden, „aber irgendwann muss Schluss sein“.

So sollte man unbedingt auf eine Abrundung der Häuserzeilen an den Stellen achten, wo die Mauern zu hoch erscheinen. „Man sollte den Charakter Mimbergs nicht zu stark verfälschen“, argumentierte er, den städtebaulichen Effekt im Blick. Außerdem dürfe man nicht alles dem wirtschaflichen Aspekt opfern, denn „jede Wohnung mehr belastet auch die Industriestraße stärker“.

Mühlbachgrund : Knappe Mehrheit

Am Ende standen zwei Entwürfe zur Abstimmung. Bürgermeister Meyer schlug vor, in der nördlichen Reihenhauszeile das rechte und linke Haus auf zwei Geschosse abzusenken und die beiden nördlichsten der Doppelhäuser im Westen ebenfalls um ein Stockwerk zu reduzieren. Dieser Vorschlag wurde gegen acht Stimmen abgelehnt.

Der zweite Kompromiss basierte auf den Änderungswünschen von Reinhard Graf. Demzufolge sollte nur das westlichste der Reihenhäuser im Norden um einen Stock abgespeckt, dafür aber alle Doppelhäuser auf der Westseite nur noch zweigeschossig gebaut werden, „analog zur Ostseite“. Diese Variante wurde mit einer knappen Mehrheit von 15 Befürwortern angenommen. Ein weiteres Mal wurde der Planer mit dem Auftrag, Korrekturen in den Plan einzuarbeiten, aus dem Gremium entlassen.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler