„Wirtschaft trifft Politik“

IHK Hersbruck tauscht sich mit Kommunalpolitik aus

Diskutierten gemeinsam über Wirtschaft und Politik: Das IHK-Gremium Hersbruck und Robert Ilg. | Foto: A. Pitsch2020/02/IMG-7521.jpg

HERSBRUCK – „Die soft facts werden immer wichtiger“, betonte Peter Gross. Fachkräfte kämen nur nach Hersbruck, wenn es hier Wohnungen, Häuser und Kinderbetreuung gebe. Und diese Dinge müsse eine Kommune bereitstellen. Daher war es für die heimischen Unternehmer wichtig, sich vor den Wahlen mit der Politik auszutauschen – wenn auch anders, als gedacht.

Ursprünglich hatte Hersbrucks IHK-Vorsitzender Swen Heckel zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion einladen wollen, wie er einleitend erklärte. „Es war uns ein Anliegen, die wirtschaftlichen Themen auf breiter Basis vorzustellen.“ Da sich das neue örtliche IHK-Gremium erst Ende Januar konstituiert hatte, sei es nicht möglich gewesen, Termin und Veranstaltungsart früher anzukündigen.

Es hagelte Absagen der drei Bürgermeisterkandidaten von SPD, Grünen und HBG „primär wegen des vollen Terminkalenders“, so Heckel. Auch seien dem ein oder anderen Bewerber der Ort – Raiffeisenbank Hersbruck – sowie die Tatsache, dass nur die Wirtschaft – ein Aspekt von vielen in der Kommunalpolitik – im Vordergrund stehe, laut Heckel sauer aufgestoßen.

In der Balance

Ein „schade“ ging durch die Runde aus Mitgliedern des IHK-Gremiums und Gästen – und auch Robert Ilg, der als Einziger die Einladung angenommen hatte, hätte sich über ein direktes Aufeinandertreffen mit den Mitbewerbern gefreut. Er pflichtete Heckel bei, dass es wichtig sei, „die Dinge für eine gelungene Wirtschaftspolitik in Hersbruck und im Umland ins Gleichgewicht zu bringen“.

Denn: „Wir profitieren davon, dass es bei den Unternehmen läuft“, gab Ilg ohne Umschweife zu. So generierten 20 Firmen 2018 7,8 Millionen an Gewerbesteuer – laut Ilg ein neuer Rekord. Wichtig für diese stabile Einnahme sei ein Branchenmix: „Wenn es in einem Bereich mal einen Einbruch gibt, kompensieren das die anderen.“

Eine Einnahmequelle, die die Stadt selbst steuern könne, sei der Hebesatz. Diesen habe der Stadtrat – ebenso wie andere Steuerarten – aufgrund der Haushaltslage in den vergangenen Jahren anheben müssen – von 300 Prozent (2009) auf 380 Prozent. „Eine Reduzierung wird hier in den nächsten Jahren nicht möglich sein.“

Langsame Leitung

Hier hakte Peter Gross vom gleichnamigen Anzughersteller ein, man könne nicht immer alles auf die Unternehmen umlegen. Wenn eine Firma Schulden habe, müsse sie sparen, ergänzte er. Gross forderte zudem, dass die Stadt Druck mache, um den Mobilfunkausbau voranzubringen, und die Weichen für die Digitalisierung stelle: „Wir mussten uns eine Privatleitung anschaffen.“

Bei Letzterem bestätigte Ilg, dass hier „eine große Hausaufgabe“ warte. Jedoch habe die Stadt einen Förderantrag gestellt, um einen Masterplan für den Ausbau der digitalen Infrastruktur anfertigen zu können. Beim Mobilfunk sei die Lage schwieriger: „Die Anbieter gehen nur da hin, wo es für sie lukrativ ist.“

Ähnliches gelte für Fachkräfte, warf Gross ein: „Wir können Mitarbeiter von weiter weg nur gewinnen, wenn sie hier entsprechende Wohnungen und Bauland vorfinden.“ Dem stimmte Thomas Sperber von der Firma Fackelmann zu und fand, dass das alte Landwirtschaftsamt ideal für Wohnbebauung sei, aber nichts passiere. „Das Haus ist mittlerweile ein Einzeldenkmal und der Streit über die Rückkauf-Option des Kreises liegt derzeit vor Gericht“, informierte Ilg. Er sähe dort ebenfalls gerne Wohnungen.

Auch ihm sei klar, dass der Mensch mittlerweile ein äußerst wichtiger Standortfaktor für die Unternehmen sei. Für Infrastruktur, Wohnen für verschiedene Lohngruppen und Kinderbetreuung könne die Kommune etwas tun und somit zur Standortsicherung und -attraktivität der heimischen Firmen beitragen. Daher setze sich der Stadtrat für „moderate Neuausweisung von Bauland sowie Nachverdichtung“ ein und habe über die Jahre in den Nachwuchs investiert.

Kinder am Gelände?

Das rief erneut Sperber auf den Plan. Wie es denn mit Gast-Kindern aus dem Umland in den örtlichen Kindergärten aussehe? Wenn sich hier die Nachfrage seitens der Unternehmen verstärke, könne man das diskutieren: „Eine Betriebskindergartengruppe mit Beteiligung der Stadt ist durchaus vorstellbar“, meinte Ilg.

Eine Gefahr für Schulkinder sieht Gross-Geschäftsführer Ralph Boehm in den Lastern, die von der Eichelgasse aus in Richtung Gewerbegebiet Krötensee unterwegs seien. Was denn mit der Anbindung an die B 14 sei? Laut Ilg laufen Gespräche; nur eine Ausfahrt sei vorerst denkbar, was das Bauamt aber prüfen müsse.

Boehm fragte auch nach, ob es eine Broschüre gebe, die alle Vorzüge der Stadt auf einen Blick enthalte. „Die könnte man den Bewerbern mitgeben.“ Nachdem das Stadtmarketing aufgrund des aktuell laufenden Markenbildungsprozesses ausgesetzt sei, gebe es so etwas nicht. Ilg nahm die Anregung aber als „schöne Idee“ auf.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch