Thema in Hersbruck: Risiken bei Unternehmensnachfolge

IHK-Empfang: Firmenerbe ist mehr als nur Lebenswerk

Tauschten sich beim IHK-Empfang in Hersbruck rege aus: Armin Götz von IGE Erlebnisreisen, der geschäftsführer von Creation Gross Ralph Böhm, Erika Wirth, Leiterin der Agenut für Arbeit Lauf, und der Geschäftsführer des Jobcenter Nürnberger Land Alfred Hornung (von links). Foto: M. Scholz2016/04/7096773.jpg

HERSBRUCK – Beim Empfang der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Hersbruck treffen sich jedes Jahr die tragenden Säulen der heimischen Wirtschaft. Im Showroom von Création Gross stand diesmal ein Referat zum Thema „Die zehn Risiken der Unternehmensnachfolge“ im Mittelpunkt. Nicht minder bedeutend ist der gesellige Teil, den die etwa 80 Firmenvertreter wieder gerne zum Netzwerken und Austausch nutzten.

Die Unternehmensnachfolge bewegt nicht unbedingt den Normalbürger. Das gilt aber nur auf den ersten Blick. Denn wie der Steuerrechtler Christian Rödl in seinem Vortrag deutlich machte, hängt viel davon ab, ob ein Firmenchef über das Tagesgeschäft hinaus denkt. Denn fällt ein Boss oder Mehrheitseigner aus, überraschend oder absehbar, und ist nicht klar, wer dann übergangsweise oder fortan das Sagen hat, gerät ein bis dahin schnurrendes Gefährt schnell ins Stottern. Betroffen ist dann meist nicht nur die Unternehmerfamilie und Firmenspitze, sondern auch die Belegschaft. Eine Havarie schlägt durch bis zum normalen Beschäftigten.

Es geht also um Verantwortung in mehrerlei Hinsicht. Rödl sprach aus Sicht der Unternehmer. Etwa 80 folgten seinen Ausführungen aufmerksam im gläsernen Showroom von Création Gross. Wo Firmenchef Peter Gross in seiner Gastgeberrede zuvor angemerkt hatte, dass es sich auch für ihn und den Textilhersteller mit 200 Mitarbeitern in Hersbruck um ein „topaktuelles und sehr spannendes Thema“ handele. Mehr wollte er auch der HZ noch nicht verraten, aber „man befinde sich auf der Zielgeraden“. Nur so viel: „Wir sind dabei, das Ganze erfolgreich in die vierte Generation zu überführen.“ Aktuell gehört das Unternehmen ihm und seinem Cousin Wolfgang Gross je zur Hälfte.

Der Herr des Hauses wusste also gut, wovon Rödl sprach. Der geschäftsführende Partner der Unternehmens-, Steuer- und Rechtsberaterfirma „Rödl & Partner“ könnte nach eigenem Bekunden viele misslungene Unternehmensübergaben aufzählen. Das tat er natürlich nicht. Der Steuerrechtler packte die Erfahrungen in allgemein gehaltene anschauliche Negativbeispiele und führte damit zehn große Risiken vor Augen:

1. Der Unternehmer hält sich für unsterblich oder unersetzlich.
2. Kein Nachfolgekonzept.
3. Keine Vorsorgevollmacht, keine Handlungsfähigkeit in Unternehmen.
4. Alle Kinder werden gleich behandelt — Thema Gerechtigkeit.
5. Keine Kommunikation, Entscheidung im Alleingang.
6. Eine Fremdgeschäftsführung außerhalb der Familie ist tabu.
7. Der Verkauf des Unternehmens ist tabu.
8. Der Senior lässt nicht los, der Junior übernimmt nicht.
Steuerlich, speziell:
  9. Der Zugewinnausgleich oder Pflichtteilansprüche führen zu hohen Liquiditätsabflüssen und — Punkt 10 — weitere steuerliche Fallstricke.

Die ersten drei Punkte nannte Rödl die „Extremfälle“. Gegen sie helfe die Erkenntnis, dass „jeder Firmenbesitzer natürlich jederzeit ein Testament braucht“. Am besten sollte jeder benannte Nachfolger ab 18 Jahren fixieren, wie genau sein Erbe zu regeln ist. Dies auf die lange Bank zu schieben, bedeute, „Ihr Lebenswerk oder das Ihres Vorgängers aufs Spiel zu setzen“, warnte der ausgewiesene Experte auf diesem Gebiet.

Rundum vorsorgen

Doch damit ist eine Lücke noch offen: Denn was geschieht, wenn ein Unternehmer zwar seine Nachfolge bestimmt hat, aber nicht stirbt, sondern zum Beispiel als Pflegefall geschäftsunfähig wird? Wer führt die Firma, bis der Erbfall eintritt? Rödl empfahl dringend eine Vorsorgevollmacht für die Geschäftsanteile und außerdem für das Privatvermögen und persönliche Angelegenheiten.

Weiter warnte er vor einer 50:50-Konstellation, wenn die Firma je zur Hälfte an zwei Kinder geht. Eine Patt-Situation könne eine schädliche Lähmung herbeiführen. Es gebe Alternativen. Zum Beispiel könne eines der Geschwister immer in dieser Situation das Sagen haben, vertraglich fixiert. Rödl nannte etliche weitere Beispiele und Situationen.

Generell müsse gelten: Wenn es das Beste für alle Beteiligten wäre, das Familienunternehmen zu verkaufen, dann sollte vor dieser Option auch niemand zurückschrecken. Auch dürften „steuerliche Themen nicht die Richtschnur für die Nachfolgeentscheidung sein“. Der Unternehmer müsse für die bestmögliche Entscheidung frei bleiben.

Eingangs hatte Swen Heckel als Sprecher des IHK-Gremiums Hersbruck die Gäste begrüßt. Der mittelfränkische IHK-Präsident Dirk von Vopelius hatte auf vergebliche Versuche seiner Kammer verwiesen, auf Bundesebene eine Vermittlungsbörse für Unternehmen aufzubauen. Vielleicht gelinge das ja einmal regional, hofft er. Bürgermeister Robert Ilg betonte das Gewicht des IHK-Gremiums als gut funktionierende Interessengemeinschaft.

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