Schnellstes Paketzentrum steht in Feucht

Hier geht die Post ab

Durch die Modernisierung hat die Halle ein neues Eigenleben erhalten: Längere Förderbänder durch mehr Kurven, mehr Technik. Die Sortierleistung konnte dadurch verbessert werden. Bislang schöpft die DHL jedoch noch nicht die gesamte Kapazität aus. Foto: Kappes2015/09/feuchtpaketzentrumhalle2_New_1443185101.jpg

FEUCHT – Bis zu 40.000 Pakete in der Stunde können hier sortiert werden: In Feucht steht nach dem Umbau das leistungsstärkste Paketzentrum im gesamten Bundesgebiet. Ein Blick hinter die Kulissen.

Es rattert, es brummt, es piepst. Die Halle der DHL im Gewerbepark Nürnberg-Feucht scheint endlos. Die Sicht zum Horizont versperren jedoch kilometerlange Förderbänder, mintgrüne Rutschen und Container voller Pakete und Päckchen. Die Fracht wird kreuz und quer auf Bändern im künstlichen Licht der Leuchtröhren durch die Halle transportiert. Hier läuft fast alles automatisch, und das alles nach einem ausgeklügelten System. Logistik von Feinstem.

Einweihung vor 20 Jahren

1995 war das Paketzentrum in Feucht eingeweiht worden. Von April 2012 bis Februar 2013 hatte es innerhalb von zehn Monaten eine Generalüberholung erhalten. Während die Hallengröße gleichgeblieben ist, konnte die Sortierleistung verdoppelt werden: Statt bislang 20.000 Pakete pro Stunde zu verarbeiten, sind nun bis zu 40.000 möglich.

Bislang werden 44 Prozent dieser neuen Kapazitäten ausgenutzt, erläutert Emil Ebert, Leiter des Paketzentrums. Es ist also noch Luft nach oben. Das ist gewollt. Die Verantwortlichen der DHL gehen davon aus, dass immer mehr Menschen im Internet einkaufen und sich die Mengen deutlich erhöhen.

Bislang wurde die Belegschaft um 20 Prozent aufgestockt. 480 Mitarbeiter sind in Feucht eingestellt. Kaum zu sehen sind sie in der großen Halle, lediglich beim Ent- und Einladen der Ware werden sie sichtbar. Mehr als doppelt so viele Techniker wie vor der Umstellung arbeiten im Zentrum, warten die Geräte und halten sie instand. Weitere Mechatroniker und Hofrangierer werden händeringend gesucht. Der Fachkräftemangel ist auch hier spürbar.

Die gelben Anhänger mit dem roten Schriftzug stehen außen vor der Halle, direkt an den Ladeluken. Aus ihren weit geöffneten Mäulern quellen weiße Boxen hervor, die Mitarbeiter in der Halle auf Förderbänder 
legen.

Gerade ist ein Container mit Lebkuchen eingetroffen. Zwischen 200 Meter bis 1,5 Kilometer – je nach Bestimmungsort – werden die glasierten Süßigkeiten zurücklegen bis sie das Paketzentrum wieder verlassen. Feucht ist Dreh- und Angelpunkt für eine Fläche, die von Ingolstadt bis Bayreuth und von Feuchtwangen bis Amberg reicht: 9600 Quadratkilometer, 3,1 Millionen Menschen.

Gleiche Hülle, neues Innenleben, so lautet das Rezept für mehr Effizienz bei der DHL. In die Halle wurde wesentlich mehr Innenleben und neueste Technik gepackt. Allein der Umbau war eine logistische Meisterleistung: Die Förderbänder wurden am einen Ende durch die neue Anlage ersetzt, dann kam die andere Seite dran.

Innovationen in Franken

Einige Innovationen setzt das Unternehmen erstmals in Feucht ein, wie Kameras. Nachdem die Pakete vom Anhänger auf die Förderbänder gelangt sind, fahren sie einige Kurven und werden voneinander getrennt, damit keine Boxen aufeinanderliegen. Das ist wichtig für den nächsten Schritt: Nacheinander geht es durch die Fotokabine. Von allen sechs Seiten des Kartons wird ein Foto erstellt – eine deutschlandweite Neuheit der DHL. Beim alten System mussten Mitarbeiter die Boxen mit der Anschrift nach oben aufs Band legen. Dieser Arbeitsschritt fällt weg.

Egal wo der Aufkleber angebracht ist, das neue System speichert ihn ab. Sollte es doch mal hapern, gibt es drei Mitarbeiter, die sich die Fotoaufnahmen noch einmal genau ansehen, um etwa unleserliche Schrift zu entziffern.

Gescannt wird nicht nur die Anschrift, sondern auch ein Barcode, der sich auf jeder Sendung befindet. Dieser ist quasi die elektronische DNA. Auf seinem Weg zum Kunden wird das Paket an verschiedenen Stationen mit neuen Informationen belegt und zwar über den Barcode. Der Kunde kann so im Internet verfolgen, wo sich seine Zustellung befindet. Auch das Paketzentrum nutzt den Code: Der Code speichert ebenfalls die Anschrift, damit diese nicht jedes Mal neu ausgelesen werden muss.

Nach der Fotobox ist klar, welches Ziel der Karton hat und es geht in einer langgestreckten Kurve ein Stockwerk weiter nach oben. Bis zum Hallenende zieht sich dort das schwarze Förderband wie ein Laufsteg. Rutschen führen an den Rändern wieder nach unten.

In diese wird das Paket lautlos befördert, sobald es an der richtigen Rampe angelangt ist. Rasend schnell geht das, die Sendungen fahren mit einer Geschwindigkeit von zwei Sekunden pro Meter.

Nach der Rutschfahrt wird das Paket von einem Mitarbeiter in Empfang genommen und in einen Anhänger gestapelt.

Von Feucht aus geht es weiter in andere Paketzentren zur Feinsortierung. Das Paket ist eins von 526.000 möglichen Paketen, die in Feucht täglich sortiert werden können.

Bis zu acht Millionen Pakete täglich werden bundesweit in der Weihnachtszeit von der DHL sortiert und ausgeliefert.

Einen zweistelligen Millionenbetrag hat die Modernisierung gekostet, mehr will Andreas Marsch, Geschäftsbereichleiter Paketproduktion, nicht verraten auf dem Rundgang, dem sich auch Landtagsabgeordneter Herrmann Imhof und Feuchts Bürgermeister Konrad Rupprecht angeschlossen haben.

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