US-Wahlen

Heimische Wirtschaft blickt nach Amerika

In der laufenden Auszählung liegt Biden knapp vor Trump. | Foto: chrisdorney/stock.adobe.com2020/11/AdobeStock-346301195-Editorial-Use-Only.jpeg

NÜRNBERGER LAND (ap/abe) – „Wer weiß, welche Winkelzüge Donald Trump anwendet“, denkt Alexander Fackelmann. Auch wenn Demokrat Joe Biden bei der Präsidenten-Wahl in den USA vorne liegt, ist sich der Hersbrucker Unternehmer nicht sicher, ob das auch den Sieg bedeutet.

Zumal Trump bereits am Mittwochmittag von Wahlbetrug sprach und davon, den Supreme Court, das höchste US-Gericht, einzuschalten. „Ja sicher gibt es die Gerichte“, sagt Fackelmann, „aber mein Vertrauen in diese wackelt“. Nicht nur bei ihm hat das Ansehen der Vereinigten Staaten aufgrund von Trumps Amtszeit gelitten.

Elefant im Porzellanladen

Gleiches empfindet auch Dawn Erhart, die vor über 30 Jahren aus Cleveland in Ohio nach Schnaittach gezogen ist. „Seine undiplomatische Ausdrucksweise und der teils respektlose Umgang mit anderen Staatsoberhäuptern haben mich schockiert.“ Sie hofft, dass Biden und damit die USA von den Amtskollegen wieder ernst genommen werden und sich in Sachen Bildung und Umweltschutz etwas tut.

Gabriele Pruitt aus Schnaittach, die in Nevada lebt, muss sich nach dem möglicherweise negativen Wahlausgang für „ihre“ Republikaner wohl von dem Bild der USA verabschieden, das sie so liebt: „Mit Trump als Präsident wären die Staaten so geblieben wie sie sind.“ Nämlich ein Land, in dem die Läden nicht wegen Corona geschlossen werden und Familien so ihrer Lebensgrundlage beraubt wurden, sondern finanzielle Unterstützung ausgezahlt werde. „Unter Trump ist die Wirtschaft gewachsen.“

Das ist für Fackelmann zu kurz gedacht: „Man darf die Wirtschaft nicht nur unter dem Aspekt des Steuersatzes betrachten.“ Zumal er nichts von steigendem Export unter Trump und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wisse. Auch habe er beim Amtsinhaber weder Verlässlichkeit noch klare Interessen erkennen können. Außer vielleicht eine Sache: Europa gezielt auseinanderzutreiben. „Alleine sind wir Schießbudenfiguren und das wollte Trump, doch wir müssen ein starkes Europa sein, als Gegenüber zu den USA und China.“

Werte im Fokus

Dieses Ansinnen werde Biden seiner Meinung nach nicht verfolgen: „Mit ihm werden wir Deutsche wieder als Partner wahrgenommen.“ Werte, die die Deutschen nach dem Krieg von den Amerikanern, „die uns hochgepäppelt haben“, vermittelt bekommen hätten, seien unter Trump verloren gegangen, bedauert Fackelmann.

Dennoch sei er als Unternehmer zuerst einmal Republikaner. Trotzdem hält er viel von Biden. Er habe als Vize seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt, er kenne und wisse alles: „Es lief gut unter ihm und wir haben uns als Deutsche gut gefühlt.“

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