Standortanalyse der IHK

Heimische Unternehmer fühlen sich wohl

Antonia Lehner von der IHK Nürnberg erläuterte, wo die heimischen Unternehmer Stärken und Schwächen der Hersbrucker Gegend sehen. | Foto: IHK2019/10/IHK.jpg

HERSBRUCK – „Wo Wirtschaft, Politik und Verwaltung zusammenspielen, da entstehen Ergebnisse“, sagte Hersbrucks IHK-Vorsitzender Swen Heckel – und das nicht ohne Grund: Die aktuelle Standortanalyse der Industrie- und Handelskammer für Hersbruck untermauerte diese Aussage.

Denn es fällt vor allem auf, dass die 76 befragten Firmen im Vergleich zur letzten Erhebung 2014 – insgesamt wurde die Analyse laut Referentin Antonia Lehner von der IHK zum dritten Mal durchgeführt – die Straßenverbindungen, die Verlässlichkeit bei Wirtschaftsfragen und das offene Ohr der Verwaltungen besser bewerten.

Daher nennen die Unternehmer unter anderem die Infrastruktur als eine der Stärken der Region. „Darüber müssen wir positiver sprechen“, befand Landrat Armin Kroder. Im Vergleich zu anderen bayerischen Regionen stehe man mit zwei Bahnlinien, Nähe zu den Autobahnen und dem ÖPNV gut da.

Doch wie Lehner vor Kroder und einigen Bürgermeistern deutlich machte, tragen besonders weiche Standortfaktoren dazu bei, dass neun von zehn Firmen ihren Standort hier weiterempfehlen würden. „Das liegt über dem mittelfränkischen Durchschnitt“, so Lehner. Besonders schätzen die Chefs und Mitarbeiter die Lebensqualität, die Nähe zu den Kunden sowie die Verfügbarkeit von ungelernten Arbeitskräften.

Spuren im Staub

Hier warf Udo Raab, Leiter Geschäftsbereich Standortpolitik und Unternehmensförderung bei der IHK, ein, dass „die Qualität der Bewerber bei den Azubis besser ist als in der Stadt“. Er findet, die Eltern sollten stolz sein, wenn ihre Kinder eine Lehre beginnen, das seien Zukunftsberufe. Offenhausens Bürgermeister Georg Rauh unterstrich das: „Da sieht man, was man gemacht hat, als Bürgermeister ziehe ich nur einen verstaubten Ordner rum.“

Weitaus mehr Schwierigkeiten haben die Dienstleister, Händler, Industriellen, Hoteliers und kleinere Familienbetriebe mit Bindung zur Region – wie aus Branchenverteilung und Mitarbeiterzahl der Umfrage-Teilnehmer ersichtlich ist –, Fachkräfte zu finden. Hier mahnte Lehner an, das Augenmerk auf die weichen Standortfaktoren zu legen wie Wohnen, Kinder- oder Seniorenbetreuung.

Letzteres sei das erste Mal abgefragt worden, ergänzte Raab: „Dieser Faktor sticht zwar noch nicht heraus, wird aber in der Zukunft an Bedeutung gewinnen.“ Nicht nur im Bereich der Pflege appellierte Kroder daher an mehr Wertschätzung und Vertrauen gegenüber den Angestellten: „Geld ist nicht immer die oberste Prämisse.“

Passender und bezahlbarer Wohnraum dagegen schon. Nicht nur Hersbrucks Bürgermeister Robert Ilg spüre in der täglichen Arbeit den Wohnungsdruck; auch Henfenfelds Bürgermeister Markus Gleißenberg berichtete, dass aufgrund der starken Nachfrage die Quadratmeterpreise im Dorf bei 200 bis 250 Euro liegen.

Beim Faktor Fachkräfte – einem der insgesamt 47 – klaffen laut Lehner Bedeutung und Zufriedenheit weit auseinander. Dieses Phänomen ist besonders bei den Themen zu beobachten, die die unternehmerische Entwicklung betreffen, darunter auch die Dauer von Genehmigungsverfahren.

„Nicht immer ist hierbei aber die Verwaltung schuld“, sagte Lehner, denn oftmals würden Anträge nicht komplett eingereicht werden. Hier müsse die IHK ihre Mitglieder besser an die Hand nehmen. Zumal, wie Kroder ausführte, sich die Unternehmen oft selbst um Gutachten kümmern müssten und die Büros ausgelastet seien.

Mix aus Behörden

Der Landrat gab aber zu, dass die Regularien in den vergangenen 20 Jahren zugenommen hätten. Die Forderung Rauhs, das Landratsamt solle binnen eines Monats Bescheid geben, wenn etwas fehle, hielt Kroder nicht für realisierbar: „Da hängen zu viele Sonderbehörden dran, die unterschiedlich rasch arbeiten.“

Als dringlichstes Problem sahen die Befragten aber Breitbandausbau und Mobilfunkempfang an. „Das ist wichtiger als die Infrastruktur“, machten Lehner und Raab klar. Diese Auffassung teilten unter anderem Rauh, Klaus Albrecht (Kirchensittenbach) und Bernd Bogner (Happurg). Die Förderprogramme würden Gewerbegebiete nicht berücksichtigen, die Verfahren dauerten zu lange, dabei seien die beiden Bereiche gerade wegen des vermehrten Home-Office „ein wahnsinniger Standortfaktor“, so Bogner. Wäre die Versorgung besser, wären viele Chefs vielleicht auch bereit, ihre Betriebe in Aicha oder Gotzenberg anzusiedeln: „Das würde die Ballungsräume entzerren.“

Ihren Standort verlagern wollen laut Lehners Zahlen rund 19 Prozent. Kroder erschien dies mit Blick auf eine Weiterempfehlung von 90,2 Prozent widersprüchlich. Aber: 28,8 Prozent der Firmen würden gerne erweitern, doch die Flächen fehlen, wie Ilg und Gleißenberg bestätigten.

Trotz allem sind 57,5 Prozent der heimischen Unternehmen mit ihrem Standort zufrieden. „Das könnten mehr sein“, meinte Raab. Er mutmaßte, dass viele sich aber vor einer Prognose in Sachen Betriebsentwicklung scheuten – zu unklar seien derzeit Themen wie Brexit oder internationaler Handel.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch