Präsentation einer Forschung

Hackschnitzel führen nicht zu Kahlschlägen

Professor Andreas Rothe sieht im intensiven Holzeinschlag durch die Forstbetriebsgemeinschaft, auch um die Hackschnitzel-Heizwerke zu füttern, keine Gefahr für die heimischen Wälder. Foto: J. Ruppert2015/03/5_2_1_2_20150309_HACK.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – „Verheizen wir unsere Wälder?“ Mit einer provokanten Frage veranschaulichte Professor Andreas Rothe den Sinn seiner Studie. Er hat untersucht, ob die vielen Hackschnitzel-Heizwerke im Nürnberger Land zu einer nachhaltigen Waldwirtschaft passen. „Trotz der hohen Nutzung der Privatwälder ist eine Steigerung noch möglich“, gab der Fachmann Entwarnung.

Andreas Rothe präsentierte die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit im Kleedorfer Hotel „Zum alten Schloß“ Vertretern der Holzwirtschaft, Förstern und Politikern wie Landrat Armin Kroder. Eingeladen hatte dazu die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Nürnberger Land. Der Tagungsort ist nicht ohne Grund gewählt worden, sagte FBG-Vorsitzender Richard Sperber. Denn der Gebäudekomplex „Altes Schloß“ wird schon seit den 1990er-Jahren mit Wärme aus Hackschnitzeln versorgt. Außerdem ist das Sittenbachtal waldreich und bekannt für eine reiche Holzernte.

Die FBG betreibt selbst zwei große Hackschnitzel-Heizwerke – eines in Hersbruck nahe der Therme – und beliefert an die 30 weitere Anlagen. Der Brennstoff ist klimaneutral, preisstabil und dank vieler Lieferanten sicher, erläuterte Richard Sperber.

Nun steht die Nutzung der Wälder im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Wer derzeit durch die Forste spaziert, sieht an vielen Stellen Berge von gefällten Bäumen. Deshalb wollte die FBG-Leitung wissen, ob in ihrem Gebiet das Einschlagslimit erreicht ist.

Professor Rothe von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf hat herausgefunden, dass 2011 bis 2013 die Holzgewinnung bei den FBG-Mitgliedern jährlich bei etwa 146.000 Festmeter lag. Der Experte hält eine Steigerung des Einschlags um 24.000 Festmeter pro Jahr für machbar, ohne dass dies den Bestand der Privatwälder angreift.

Auffallend hoch ist im Nürnberger Land der Anteil an Hackschnitzeln und Scheitholz. Er beträgt etwa 40 Prozent. Andreas Rothe würde es aus Gründen der Ressourcenschonung eine sogenannte Kaskadennutzung vorziehen. Das heißt, dass Holz zum Beispiel zuerst zu einem Stuhl verarbeitet wird und erst am Ende der Lebensdauer dieses Möbel stücks das Verbrennen folgt.

Reichenschwands Bürgermeister Bruno Schmidt fragte, wer das Nachpflanzen nach dem Fällen überwacht. FBG-Geschäftsführer Michael Müller setzt auf die Natur. Kahlhiebe gibt es bei uns eh nicht, ergänzte Günther Felßner vom Bauernverband. Das Forstamt bietet Information und Förderung, sagte Harald Gebhardt von der Hersbrucker Dienststelle.

„Dürfen die Waldbesitzer Äste liegen lassen?“ fragte Kirchensittenbachs Gemeindechef Klaus Albrecht. Andreas Rothe bejahte dies außer bei Borkenkäferbefall: „Ein aufgeräumter Wald ist nicht das Idealbild.“ Was muss denn an Restholz in den Forsten verbleiben?, hakte Kreisrätin Dr. Ulrike Eyrich nach. Etwa zehn Prozent, antwortete Andreas Rothe, während Harald Gebhardt standortgerechte Beratung anbot.

Auch wenn Andreas Rothe leise warnte, dass die Holzversorgung nicht „ins Unendliche“ geht, gab er doch Rathauschef Werner Wolter aus Hartenstein recht. Denn der hatte aus der Studie entnommen, dass weitere heimische Hackschnitzelanlagen gebaut werden können. Sein Henfenfelder Kollege Gerhard Kubek sprach die zerstörten Waldwege durch die schweren Fahrzeuge beim Holzernten an. Michael Müller bestätigte dies, nicht zuletzt wegen des fehlenden Bodenfrosts in diesem Winter. Wegen der längst abgeschlossenen Lieferverträge und Gefahr durch Schädlinge müssen die gefällten Bäume aber bald aus den Forsten geholt werden.

Aus den Staatswäldern sind getreu des Mottos „Schützen durch Nützen“ intensiver Bäume entnommen worden. Die Holzqualität ist dort besser als in den privaten Fors ten, auch wenn nahezu gleich viel zuwächst, sagte Michael Müller. Im Hinblick auf die von Professor Rothe befürwortete „Kaskadennutzung“ betrieb er vor allem in Richtung Armin Kroder etwas Eigenwerbung. Ein Holzgebäude sei ein CO2-Speicher und deswegen biete sich der Baustoff für die geplante Erweiterung des Landratsamtes an.

N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert