24 Stunden, 24 Unternehmen: Die Lebenshilfe im Nürnberer Land

Gemeinsam gegen den Schweinehund

Und eins und zwei und hepp … Die 61-jährige Helga Elterlein hält sich unter anderem mit Kniebeugen fit und trägt ihr tägliches Aktivprogramm richtig motiviert in ihre persönliche Aktivitätenliste ein. Fotos: Stefanie Camin, Lebenshilfe2020/10/24h-20-lebenshilfe-03-04.jpg

Von wegen, nur New York ist die Stadt, die niemals schläft. Auch hier in dieser Serie stellen wir 24 regionale Betriebe aus unterschiedlichen Branchen vor. Jedes Unternehmen bekommt dabei eine Stunde, und das acht Wochen lang; jede Woche drei Firmen. Die Stunde zwischen 15 und 16 Uhr gehört heute der Lebenshilfe.

Lauf/Hersbruck. Das Angebot der Lebenshilfe im Nürnberger Land e. V. ist vielfältiger, als viele wissen. Auf den Punkt gebracht, setzt sich dieser Verein dafür ein, ganz besondere Menschen im Rahmen ihrer individuellen Möglichkeiten zu unterstützen. Diese besonderen Menschen sind teilweise in ihrer Entwicklung verzögert, teilweise geistig behindert. Der Slogan „spürbar menschlich.“ ist keine Hülle, sondern wird hier auf allen Ebenen gelebt; und der hehre Ansatz ist es, durch die eigene Einstellung und das eigene Handeln auch geistige Barrieren von nichtbehinderten Menschen zu durchbrechen. Denn für die Lebenshilfe sind die Behinderten einfach nur wunderbare Menschen, die genau richtig sind, so wie sie sind; und die in manchen Bereichen einfach mehr Unterstützung benötigen als andere.

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„Ich mach mit!“
Eines der vielen Projekte der Lebenshilfe – gemeint ist in diesem Artikel immer die Lebenshilfe im Nürnberger Land – hat etwas mit dem Kampf gegen den inneren Schweinehund zu tun. Dieses stinkfaule Tier grunzt-bellt nämlich bei allen Menschen, mit und ohne Behinderung, mal leiser und mal lauter. Die GEWO Gesundheits-Challenge will mit dem Motto „Ich mach mit!“ helfen, den Schweinehund zu besiegen. GEWO steht dabei für Gesundheit und Wohlbefinden, konkret handelt es sich um ein sportliches Mitmach-Projekt für alle. Nur das Angebot würde allerdings nicht reichen, viele Menschen mit Handicap brauchen konkrete Unterstützung und Anleitung – und vielleicht auch manchmal den berühmten liebevollen verbalen Tritt in den Allerwertesten.

Anargiros Tsopouridis steckt viel Herzblut in diese GEWO-Challenge, er leitet die Wohngemeinschaft Außenwohngruppe Hersbruck: „Wir bieten ein ganzheitliches Konzept für Jedermann.“ Dabei ist ihm klar: „Die Bewegung, zu der wir einladen, stellt kein Heilmittel dar, sondern soll eine Ergänzung zum Alltag sein.“

Anargiros Tsopouridis von der Lebenshilfe zeigt, wie die Smovey-Ringe richtig angewendet werden.2020/10/24h-20-lebenshilfe-05.jpg

Fit nach Plan
Ein schönes Beispiel bietet Helga Elterlein: Die 61-Jährige wohnt in der Außenwohngruppe Hersbruck. In ihrer charmant-direkten Art erzählt sie von ihrem persönlichen Vorher-nachher-Erlebnis: „Ich habe nie Sport getrieben; und irgendwann war mir klar: So kann’s nicht weitergehen!“ Arthrose, Bluthochdruck, Nierensteine … körperlich derart angeschlagen konnte sie natürlich nicht in die Vollen gehen.

Gemeinsam mit Anargiros Tsopouridis hat sie einen Fitnessplan erstellt, der für sie machbar ist, und den sie auch richtig motiviert einhält. Mit strahlenden Augen zeigt sie ihre Liste, in der sie ihre GEWO-Aktivitäten akribisch einträgt: Kniebeugen, Treppen steigen, Smovey-Übungen (Schwungbewegungen mit Ringen) oder Spaziergänge. Ihr Resümee heute: „Ich fühle mich besser, beweglicher und bekomme mehr Luft, wenn ich regelmäßig etwas mache.“

„Ich fühle mich besser!“
Die ursprüngliche Idee, Bewegung ins Leben von Behinderten zu bringen, stammt von Dietmar Meinlschmidt, der heute die Wohnstätte am Bitterbach in Lauf leitet. Daraus hat sich inzwischen etwas richtig Großes entwickelt: Neben den individuellen Trainingseinheiten hat die Lebenshilfe bereits dreimal eine jeweils einmonatige „Ich mach mit!“-Aktion ins Leben gerufen. Menschen mit und ohne Behinderung sind miteinander gelaufen, Fahrrad gefahren oder haben sich sonst wie bewegt – ganz ohne Leistungsdruck und mit viel Freude.

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Flankiert wurde die GEWO-Challenge von eintägigen Veranstaltungen auf dem Laufer, Hersbrucker und Altdorfer Marktplatz, wo die Teilnehmer beispielsweise gemeinsam nebeneinander auf Fahrrad-Ergometern gestrampelt sind. Und am Ende haben sich die Sportler gebührend beim Abschlussfest gefeiert. Heuer ist die GEWO-Challenge sehr zum Leidwesen aller Beteiligten coronabedingt ausgefallen.

Und die GEWO-Challenge hat inzwischen Kreise gezogen: Die Lebenshilfe hat Kooperationen mit Sportvereinen wie den Basketball-Bärenbrüdern Heuchling (Lauf) oder dem Sportverein Hersbruck ins Leben gerufen.

Ein starkes Team: Bei dieser sportlichen Kooperation punkten der SV Altensittenbach, der SK Heuchling und die Lebenshilfe Nürnberger Land gemeinsam.2020/10/24h-20-lebenshilfe-02.jpg

Ausgezeichnet: Die Deutsche Heilpädagogische Gesellschaft (DHG) hat die GEWO Gesundheits-Challenge mit dem Sonderpreis für soziale Inklusion gewürdigt – einer der bundesweit höchsten Anerkennungen.

Für alle Lebensphasen
Ganze 24 Einrichtungen zählen zur Lebenshilfe im Nürnberger Land, die den besonderen Menschen in verschiedenen Lebensphasen zur Seite stehen. Ein Auszug: Die Jüngsten mit einer Entwicklungsverzögerung oder einer Behinderung werden liebevoll in der Frühförderung betreut. Weiter geht es mit den inklusiven Kindertagesstätten in Hersbruck, Röthenbach und Rollhofen. In der Vorschule (Schulvorbereitende Einrichtung) fördern die Mitarbeiter die geistige Entwicklung der Kleinen. Lehrkräfte der Dr. Bernhard Leniger Schule unterrichten und betreuen Kinder mit erhöhtem Förderbedarf. Die Heilpädagogische Tagesstätte ergänzt das Angebot der Schule und ermöglicht eine ganztägige Betreuung und Förderung der Kinder und Jugendlichen mit einer (drohenden) Behinderung. Die Förderstätten am Haberloh sind an die Bedürfnisse von schwerst- und mehrfachbehinderten Menschen angepasst, hier gibt es Bewegungstherapie und viele weitere Aktivitäten. Ein geschütztes Umfeld bieten die Moritzberg-Werkstätten: Hier finden Menschen mit Handicap eine Arbeit, die an ihre Fähigkeiten angepasst ist – und bekommen dafür Anerkennung sowie Gehalt.

FAKTEN & KONTAKT
GEWO: Gesundheit und Wohlbefinden, sportliches Mitmach-Projekt für außergewöhnliche Menschen.
Außerdem zählt die Lebenshilfe Nürnberger Land zu PUCKI’s Freunden, dem Maskottchen der Ice Tigers Nürnberg und der 1. FCN ist Inklusions-Kooperationspartner.
Bereiche: Familienentlastung und Inklusion, Frühförderung, Krippe/Kindertagesstätten, Heilpädagogische Tagesstätte, Schule und Qualifizierung, Werk- und Förderstätten, Therapeutisches Reiten sowie bedarfsgerechte Wohnmodelle und Betreuung von Senioren mit Handicap.
Wohnen: Wohnheim am Haberloh, Wohnstätte am Bitterbach (beide Lauf), inklusive Wohnwelt (Altdorf), Außenwohngruppen in Lauf und Hersbruck
Claim: Spürbar menschlich

Lebenshilfe im Nürnberger Land e. V.
Nessenmühlstraße 35
91207 Lauf-Schönberg
(0 91 23) 97 50-0
www.lebenshilfe-nbg-land.de

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