24 Stunden, 24 Unternehmen: bei St. Otto

Freude im Leben erhalten

In der Seniorenbetreuung und -pflege „bei St. Otto“ wird gerne und oft gefeiert. Das Bild zeigt Geschäftsführerin Kristine Lütke beim Schunkeln mit zwei Bewohnerinnen auf dem Sommerfest. | Foto: Stefanie Camin2019/10/Quer-oben_Weinfest.jpg

In dieser Serie stellen wir 24 regionale Betriebe aus unterschiedlichen Branchen vor. Jedes Unternehmen bekommt dabei eine Stunde, und das acht Wochen lang; jede Woche drei Firmen. Die Stunde zwischen 22 und 23 Uhr gehört heute der Seniorenbetreuung und -pflege „bei St. Otto“ in Lauf. Um diese Zeit werfen die beiden Mitarbeiterinnen der Nachtschicht vorsichtig einen Blick in die Zimmer der Bewohner. Geht es allen gut? Ist alles in Ordnung? Braucht ein Bewohner Hilfe beim Gang zur Toilette? Wer bekommt die Nachtmedizin? Was in diesem Haus sonst noch alles passiert, lesen Sie hier.

Während die meisten Bewohner der Seniorenbetreuung und -pflege „bei St. Otto“ um 22 Uhr bereits schlafen, hat die Nachtschicht alle Hände voll zu tun: Der nächste Rundgang steht an, bei dem die beiden eingeteilten Mitarbeiterinnen Christin Thiel und Jennifer Kohr im Rahmen einer sogenannten Sichtkontrolle möglichst leise in die Zimmer spitzen, um die Bewohner nicht zu wecken. Die Aufgaben sind dabei vielfältig: Der eine oder andere benötigt Hilfe beim Gang zur Toilette. Bettlägerige Menschen werden umgelagert, damit sie nicht wundliegen. Andere Bewohner erhalten ihre Nachtmedikation. Wer nachts nicht gestört werden möchte, kann dies per Unterschrift auf eigene Verantwortung festlegen.
Bestens versorgt
In jeder Nachtschicht der Seniorenbetreuung und -pflege „bei St. Otto“ arbeiten je eine Pflegefachkraft sowie ein Pflegehelfer. Als Pflegefachkraft bezeichnet man Mitarbeiter, die eine staatliche Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger oder zum Altenpfleger absolviert haben. Den Pflegehelfer hat entweder Fachpersonal eingearbeitet oder er hat eine einjährige Ausbildung in der Pflege durchlaufen. Die Bewohner sind also durch geschultes Personal rund um die Uhr in besten Händen; in der heutigen Nachtschicht sorgen Christin Thiel als examinierte Altenpflegerin und die Altenpflegeassistentin Jennifer Kohr, die seit September 2019 die Umschulung zur Altenpflegerin absolviert, für das Wohl der Bewohner. Insbesondere nachts ist diese Expertise wichtig, wenn der Mitarbeiter schnell und nur auf sich sowie einen Kollegen gestellt eine Situation einschätzen und entsprechend handeln muss, um den Bewohner optimal zu versorgen.

Hier schmeckt das Essen: Käthe Brigola genießt die leckeren Semmelknödel mit Pilzragout. | Foto: Stefanie Camin2019/10/Quer-unten-1.jpg


Etwas, das dem Besucher des 2002 eröffneten Hauses sofort ins Auge sticht, sind die hellen, freundlichen Bewohnerzimmer. 15 Einzel- und 27 Doppelzimmer mit großen Fenstern stehen „bei St. Otto“ zur Verfügung für Menschen mit dem Pflegegrad 1 (geringfügig beeinträchtigt) bis 5 (schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit). Neben der klassischen Pflege bietet die Seniorenbetreuung und -pflege „bei St. Otto“ auch die eingestreute Kurzzeitpflege an. Letztere entlastet pflegende Angehörige und ermöglicht einen achtwöchigen Tapetenwechsel für den Pflegebedürftigen – auch wenn keine Pflegestufte attestiert wurde. Einige Bewohner fühlen sich hier so wohl, dass sie die kompletten Kosten selbst übernehmen, weil bei ihnen keine Pflegestufe vorliegt.
Gemeinsame Zeit
Genau dieses Wohlfühlen, dieses Sich-wie-zu-Hause-Fühlen, liegt der Geschäftsführerin Kristine Lütke besonders am Herzen. Die Gerontologin ist seit 2007 im Betrieb, den ihre Eltern gegründet haben. „Altern heißt nicht Niedergang, sondern Allokation der Ressourcen“, erklärt sie die Einstellung des Hauses. „Der ältere Mensch hat jetzt Zeit für soziale Kontakte mit Angehörigen oder anderen Bewohnern, weil er zum Beispiel nicht mehr putzen muss. Mit unserem Aktivitäten-Programm versuchen wir zusätzlich, die Freude im Leben zu erhalten.“ Sieben feste Feiern wie Frühlings- oder Weihnachtsfeier sowie regelmäßige Treffen vom Gedächtnistraining über die Kochgruppe bis zum Bingo-Abend bieten viel Raum für eine schöne gemeinsame Zeit.
Ein weiterer Faktor für eine bessere Lebensqualität ist für Kristine Lütke gutes Essen. Neben haschierter oder Diätkost setzen die Mitarbeiter der hauseigenen Küche sonstige Wünsche der Bewohner gerne um. Interessenten für einen Pflegeplatz sowie Angehörige sind eingeladen, sich bei einem Probeessen von den leckeren Speisen zu überzeugen.

Christin Thiel, 32, examinierte Altenpflegerin: „Seit einem halben Jahr arbeite ich hier in der Dauernachtwache. Ich kümmere mich um die Patienten in der Grundpflege – Toilettengänge und Waschen – und in der Behandlungspflege, das heißt ich verabreiche ihnen Medikamente oder Spritzen. Weil ich sieben Nächte arbeite und sieben Tage freihabe, ist mein Jahr durchgetaktet und dadurch planbar; das kommt mir als Mutter von zwei Kindern sehr entgegen.“ | Foto: Stefanie Camin2019/10/Christin-Thiel_Schatten-Glanz-weg-rotes-Gesicht-verbessern-Pickel-weg-oder-weicher.jpg
Jennifer Kohr, 31, Auszubildende zur Fachkraft für Altenpflege: „In die Pflege bin ich hineingewachsen: Beide Eltern waren Altenpfleger, ich habe schon als Kind ‚Omas und Opas‘ gefüttert. Mir gefällt es, den älteren Menschen zu helfen, ihre Eigenständigkeit zu erhalten. Nach 15 Jahren als Helferin habe ich im September die Ausbildung angefangen. Viele Bewohner haben mir gesagt, dass sie sich wegen dieser Entscheidung für mich freuen; das ist ein schönes Gefühl.“ | Foto: Stefanie Camin2019/10/Jennifer-Kohr-Schatten-Glanz-weg.jpg


Optimal integriert
Von den 50 Mitarbeitern sind 40 in der Pflege beschäftigt. Und es könnten noch mehr sein, allerdings herrscht auch in der Altenpflege seit Langem Fachkraftmangel. Ehemalige Flüchtlinge gehören ebenso zum Team, die inzwischen dank der Ausbildung bestens integriert sind. Solomon Teklu Teffera beispielsweise kam 2005 aus Äthiopien als Flüchtling nach Deutschland. Nachdem er seine Ausbildung im Haus absolviert hat, ist er inzwischen stellvertretende leitende Pflegefachkraft. Weitere Ergotherapeuten und Betreuungskräfte ergänzen das Angebot, damit die Bewohner rundum optimal versorgt sind.
Wenn die Nachtschicht um 6 Uhr von der Frühschicht abgelöst wird, dauert es immer noch bis zum Feierabend: Jetzt steht der „Verwaltungskram“ mit ausgiebiger Dokumentation der vergangenen Nacht auf dem Programm. Abhaken der Leistungen in der Software, Pflegebericht schreiben. Und während die ersten Bewohner wach sind und sich aufs Frühstück freuen, fahren die Pflegefachkraft und die Auszubildende nach Hause, um zu schlafen.

FAKTEN Seniorenbetreuung und -pflege „bei St. Otto“:
Gründung: 2002
Pflegeplätze: 69, davon 15 Einzelzimmer + 27 Doppelzimmer
Mitarbeiter: 50
Das Besondere: helle Zimmer, köstliches Essen, viele Veranstaltungen

KONTAKT Seniorenbetreuung und -pflege „bei St. Otto“ GmbH:
Julienstraße 6
91207 Lauf a.d. Pegnitz
Telefon: (09123) 9 90 35 – 0
www.pflege-st-otto.de

N-Land Stefanie Camin
Stefanie Camin