Rückenschmerzen beeinträchtigen Alltag vieler Betroffener

Es gibt immer eine Alternative

Interdisziplinär vernetzt: Chefarzt Dr. Vieweg (3. v.l.) hat mit Chefarzt Prof. Strobl (3. v.r.) das gemeinsame Zentrum für Skoliose am Krankenhaus Rummelsberg initiiert. | Foto: Sprung2016/09/Dr.jpg

RUMMELSBERG – Chefarzt PD Dr. Uwe Vieweg informiert am Samstag, 3. September um 10 Uhr im Krankenhaus Rummelsberg über konservative und operative Lösungswege bei Rückenschmerzen. Fachleute, Interessierte sowie Betroffene sind herzlich eingeladen.

Rückenprobleme können jeden treffen. Laut dem aktuellen Krankenhausreport der Barmer Krankenkasse leiden 85 Prozent der deutschen Bevölkerung irgendwann einmal an Rückenschmerzen. Die Ursachen dafür können vielfältig und von Person zu Person unterschiedlich sein. Ebenso vielfältig sind die möglichen Behandlungsoptionen, die von Schmerzmitteln über manuelle Therapien bis zu minimalinvasiven Eingriffen reichen.

Wir sprachen mit PD Dr. Uwe Vieweg, Chefarzt der Klinik für chirurgische und konservative Wirbelsäulentherapie am Krankenhaus Rummelsberg, über konservative und operative Therapieformen bei Rückenschmerzen.

Herr Dr. Vieweg, ab wann sollten Betroffene mit Rückenbeschwerden zum Arzt?

Dr. Vieweg: Zunächst probieren es viele Patienten mit Schmerzmitteln, die dort wirken, wo der Schmerz entsteht und gleichzeitig entzündungshemmend wirken. Besteht der Schmerz nach vier Wochen weiterhin, sollten Alternativen in Betracht gezogen werden, da die Einnahme von Schmerzmitteln langfristig verschiedenen Organen schaden kann.

Welche Alternativen gibt es zu diesem Zeitpunkt?

Dr. Vieweg: Zunächst muss geklärt werden, ob die Schmerzen rein organische oder psychosomatische Ursachen haben. Dies stellt die Medizin vor große Herausforderungen, da nur rund ein Fünftel aller Rückenbeschwerden genau diagnostizierbar sind.

Die Erfahrung zeigt, dass es nicht den einen Standardfall gibt. Vielmehr hat jeder Patient seine individuelle Geschichte und sein ganz persönliches Beschwerdebild.

Beides wollen wir kennenlernen. Dafür werden Körperhaltung, Bewegungsabläufe, Gelenkfunktionen, Triggerpunkte und Muskelspannungen erfasst. Eine moderne apparative Diagnostik, eine ausführliche Schmerzdiagnostik und psychologische Verfahren ergänzen eine umfangreiche Befunderhebung.

Wie kann eine konservative Therapie konkret aussehen?

Dr. Vieweg: Die Ergebnisse aller Befunde sind Grundlage eines individuellen Behandlungskonzeptes im Krankenhaus Rummelsberg, das drei Tage eine Wirbelsäulenbasistherapie oder über zwei Wochen hinweg die umfangreiche Rummelsberger Wirbelsäulenintensivtherapie vorsieht. Über den Tag verteilen sich äußerst abwechslungsreiche Stationen: Fangotherapie, Infiltrationen, manuelle Physiotherapie, Ganganalysen, Gruppentherapien mit einem Psychologen, Ergotherapie am Kunstobjekt, Joga, Entspannungs- undAchtsamkeitsübungen und vieles mehr. Gezielt und computergestützt trainieren die Patienten auch die gesamte Rumpf- und Rückenmuskulatur in der„Rückenstraße“ der Klinik.

Das Behandlungskonzept leitet sich aus den Empfehlungen der ANOA (Arbeitsgemeinschaft nicht-operativer Akutkliniken) ab, die über Jahre hinweg einen Ansatz entwickelt hat, der sich klar von bisherigen operativen Ansätzen unterscheidet.

Inwiefern unterscheidet sich der Behandlungsansatz?

Dr. Vieweg: In einem frühen Stadium von Erkrankungen ist das Therapiekonzept auf die Behandlung akuter Schmerzen und Funktionsstörungen ausgerichtet, um weitergehende Beeinträchtigungen und Chronifizierungen zu vermeiden. Bei bereits länger andauernden Erkrankungen liegen die Schwerpunkte der Behandlung auch im Aufbau medizinischer, psychologischer und sozialer Hilfen zur Bewältigung der Erkrankung und zur Verbesserung der Lebensqualität.

Sind alle konservativen Optionen ausgeschöpft – was raten Sie Ihren Patienten?

Dr. Vieweg: Erst wenn die konservativen Behandlungsmethoden ausgeschöpft sind, raten wir – wenn möglich – zu einer minimalinvasiven Operation beim Wirbelsäulenspezialisten.

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