Stadtrat bei Lindner Verpackungen

Einfach gewaltig

Peter Wattenbach (rechts) erklärt Robert Ilg und den Stadträten von Jürgen Amann (links) bis Volker Hegel (rechts) das A und O der Verpackungsfertigung. Foto: Ruppert2015/10/Lindner1.jpg

HERSBRUCK – Beim ersten Schritt in die Produktionsstätte bot sich Bürgermeister Robert Ilg, Stadtbaumeister Lothar Grimm und den Stadträten ein eindrucksvoller Anblick: eine riesige und hochmoderne Industriehalle, in der das Hersbrucker Unternehmen Paul Lindner Verpackungen herstellt. „Gewaltig, was Sie in den letzten Jahren geschaffen haben“, bescheinigte der Rathauschef der Inhaberfamilie Wattenbach.

Mit dem Besuch setzten die Mandatsträger die Reihe ihrer Firmenbesichtigungen in Hersbruck fort. Die Paul Lindner GmbH war deshalb besonders interessant, weil das Verpackungswerk von der Leutenbachstraße fast komplett in das Gewerbegebiet Krötensee umgezogen ist. Rein vom Platz her wäre es am alten Standort nicht mehr gegangen, erklärte Seniorchefin Ulrike Wattenbach. Sie führt das 1846 gegründete Unternehmen gemeinsam mit ihren Kindern Sandra und Peter Wattenbach.
Rund 80 Mitarbeiter stellen einfach ausgedrückt Verpackungsschutz her. Hauptgeschäft sind Pappboxen und Faltschachteln: von ganz klein bis zu 6,50 Metern Länge, nur aus Pappe oder dank aufgeklebter Noppenschäume gepolstert, mit „Einrichtungen“ wie Gefachen und vieles mehr. Stärken des Unternehmens sind Vielfalt bei den Boxgrößen und die variablen Stückzahlen.

Technischer Geschäftsführer Peter Wattenbach führte die Stadtratsmitglieder durch die 12 000 Quadratmeter großen Betriebshallen. „Als Produktionsmeister kommen Sie auf ihre Laufkilometer am Tag“, beschrieb er die Dimension anschaulich. Die Abläufe sind teils voll automatisiert. So muss ein Arbeiter im Lager einen Stapel Rohware nur adressieren, dann die Einstellungen an der Maschine eingeben und die Fertigungsprozesse laufen wie von Geisterhand ab.

Eine Besonderheit bei Paul Lindner sind Sondermodelle, egal ob für Cockpitbeleuchtungen eines Flugzeugherstellers oder für Motorhauben des Autobauers BMW. Eine hauseigene Entwicklungsabteilung berät die Kunden nach dem Motto „Alles Denkbare ist machbar“ und fertigt kostenlose Muster. Diese werden dann teils „händisch“ hergestellt, da es oftmals die entsprechenden Maschinen gar nicht gibt, sagte Peter Wattenbach.
Sein Unternehmen ist in der Lage, Aufträge schnell zu bearbeiten. „An Schachteln denken die Hersteller von neuen Produkten meist zuletzt“, so der technische Geschäftsführer. Paul Lindner bietet innerhalb von Tagen Lösungen an.

Die Architektur des neuen Betriebes ist exzellent auf die Arbeitsabläufe abgestimmt. Bis zu zwei Sattelschlepper gleichzeitig können in die „Seitenschiffe“ der Lagerhallen einfahren. Das Be- und Entladen geschieht dann geschützt vor Wind, Regen, Schnee, Kälte und Hitze.

Beim Schneiden und Stanzen von Pappe entsteht viel Staub. Andernorts wird fleißig gekehrt und die Atemluft ist eher ungesund. In den Lindner-Produktionsräumen sorgen statt dessen ein modernes Umluftsystem und Riesenfilter für Sauberkeit. Bürgermeister und Stadträte probierten vor Ort die Entsorgung der Pappereste aus. Die Schnipsel werden einfach über Schächte im Fußboden nach unten entsorgt. Ein 70 Meter langes Förderband transportiert die Abfälle hinaus in die Recyclingabteilung.

Hersbrucks zweiter Bürgermeister Peter Uschalt erkundigte sich nach den Arbeitszeiten und Schichtbetrieb, die Stadträte wollten mehr zu Preisen und Auftragsschwankungen im Jahresverlauf wissen. „Sie haben die Investition in den Neubau gewagt, das ist ein gutes Zeichen“, fasste Robert Ilg seine Eindrücke zusammen und wünschte Ulrike, Sandra und Peter Wattenbach weiterhin viel Erfolg. Der Umzug der Firma Paul Lindner in das Krötenseeareal hat übrigens noch eine ganz andere Auswirkung. Das alte Ziegelsteingebäude der Firma in der Ostbahnstraße wurde frei.

Die Familie Wattenbach zeigt bei der Nachnutzung ein Herz für die Kunst und der Hersbrucker Musik- und Theaterverein – kurz MTV – packte die Gelegenheit beim Schopf. So erklingen in dem markanten roten Bau neben dem Bahnhof links nun unter der Bezeichnung Musikfabrik melodische Töne anstatt Industrielärm.

N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert