24 Stunden, 24 Unternehmen: Lebenshilfe Nürnberger Land e.V.

Einfach für den anderen da sein

Menschlich verbunden: Teamkoordinator Sascha Planer und Jakob Herdeis haben Spaß mit Seifenblasen. Fotos: Stefanie Camin2021/10/24h_lebenshilfe_02.jpg

Von wegen, nur New York ist die Stadt, die niemals schläft. Auch hier in dieser Serie stellen wir 24 regionale Betriebe aus unterschiedlichen Branchen vor. Jedes Unternehmen bekommt dabei eine Stunde, und das acht Wochen lang; jede Woche drei Firmen. Die Stunde zwischen 14 und 15 Uhr gehört heute der Lebenshilfe Nürnberger Land e.V.

Lauf. Kurz nach 14 Uhr kommen die ersten Bewohner mit Behinderung wieder nach Hause ins Wohnheim der Lebenshilfe in der Daschstraße in Lauf. Sie haben den Tag direkt nebenan in der Förderstätte verbracht, die ebenfalls zur Lebenshilfe gehört. Dort haben sie, individuell nach ihren jeweiligen Möglichkeiten, gepuzzelt, gemalt, gespielt, Kuchen gebacken, eingekauft. Einer der Menschen mit Behinderung arbeitet um diese Zeit noch in den Moritzberg-Werkstätten, einer weiteren Einrichtung der Lebenshilfe Nürn­berger Land – er wird etwas später zurückkommen.

Bis zum Abendessen in vier Stunden steht ihnen frei, was sie machen: In ihrem jeweiligen Zimmer bleiben, befreundete Bewohner im Haus besuchen, mit anderen im Gemeinschaftsraum reden, spielen, fernsehen oder in der Küche bei der Zubereitung des Abendbrots helfen. Gemeinsam mit den Betreuern werden sie dann zu Abend essen. Bei der ausgelassenen Stimmung wird es auch mal lauter, denn wie üblich unter Menschen wird geredet, über den Tag reflektiert, gelacht.

Julia Wiegärtner ist im zweiten Ausbildungsjahr zur Heilerziehungs­pflegerin; hier unterhält sie sich mit Günter Eichler.2021/10/24h_lebenshilfe_01.jpg

Wohngemeinschaft von Freunden
Wenn es darum geht, was am nächsten Tag ansteht, kommt fast immer dieselbe Frage von den Bewohnern: „Wer hat morgen Dienst?“ Denn auch wenn die Mitarbeiter hier angestellt sind und für ihre Arbeit bezahlt werden, ist das Zusammensein hier im Wohnheim (nicht: Pflegeheim) am Haberloh eher wie eine Wohngemeinschaft von Freunden. Nur eben, dass ein Teil der Freunde – 32 von ihnen – dauerhaft hier lebt und der andere Teil zur jeweiligen Schicht kommt, um nach der Arbeit wieder heimzugehen.

Die derzeitigen Bewohner sind zwischen Anfang 20 und Ende 60, männlich und weiblich und geistig sowie mehrfach behindert. Fast alle von ihnen brauchen Hilfe im Alltag, ob beim Waschen, Anziehen oder beim Essen. Einige können sich nicht verbal ausdrücken, hier „übersetzen“ Fachkräfte mithilfe der gestützten Kommunikation, zu der Bild- oder Buchstabentafeln gehören. Jeder Bewohner lebt in einem Einzelzimmer, das nach dem jeweiligen Geschmack eingerichtet ist – vom pinken Design bis zum Fußballzimmer ist hier alles vertreten.

Grillen, Poolpartys und Musik
Damit die Betreuer möglichst genau auf die Wünsche der Bewohner eingehen können, gibt es das sogenannte GEWO-Team, eine interne Abkürzung für GEsundheit und WOhlbefinden. Dieses fragt die Bewohner, was sie gerne machen würden, und versucht, die Wünsche dann umzusetzen. Im Sommer 2021 war dies meist recht leicht: Grillen stand fast immer ganz oben auf der Wunschliste. Unter anderem war auch ein Fahrradausflug geboten: Wer konnte, fuhr selbst; die anderen wurden mit speziellen Rädern von den Mitarbeitern kutschiert.

Foto: Sascha Planer2021/10/24h_lebenshilfe_03.jpg

Konzertbesuche von Helene Fischer wie noch vor Corona waren in den vergangenen Monaten natürlich nicht möglich. Und so kam die Musik eben ins Heim: Bei den „Terrassenkonzerten“ trat unter anderem ein Gospelchor auf und brachte die Bewohner zum Klatschen, Mitwippen oder Tanzen. Aufblasbare flache Pools boten eine Abkühlung für so manche erhitzen Füße.

Und sobald Konzert- oder Kinobesuche außer Haus wieder möglich sind, ist das Wohnheim bestens gerüstet: Neben den 45 angestellten Mitarbeitern engagieren sich 18 weitere ehrenamtliche Helfer und unterstützen bei derlei organisatorischen wie logistischen Meisterleistungen.

„Das ist ihr Zuhause.“

Sascha Planer

Hilfreich sind da auch die eigenen Fahrzeuge mit Hebebühnen, Rollstuhlrampen, Schwenkarmen und weiteren technischen Hilfsmitteln, um die Bewohner, von denen aktuell zwölf im Rollstuhl sitzen, möglichst komfortabel von A nach B zu bringen.


Bei den Grillpartys hatten die Bewohner samt den Betreuern richtig viel Freude. Foto: Lebenshilfe Nürnberger Land
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Ein lebenslanges Domizil
„Das ist ihr Zuhause“, bringt es Teamkoordinator Sascha Planer auf den Punkt. Und wie das eben so zu Hause ist, duzen sich alle. Und ja, manchmal ist es auch schwierig. Menschen mit Behinderung sind, genau wie Kinder, sehr ehrlich und direkt. Da hört der Betreuer schon mal ein in dem Moment ernst gemeintes „ich mag dich heute nicht!“ oder deutlichere Worte. Um damit bestmöglich umzugehen, erhalten die Mitarbeiter regelmäßige Schulungen in verschiedenen Bereichen vom Deeskalationstraining bis hin zur Medikation.

Denn die Bewohner sollen auch im Krankheitsfall möglichst lange daheimbleiben, gegebenenfalls auch mit Unterstützung von außen durch pflegerische Maßnahmen. Der 39-Jährige spricht seinen Kollegen aus der Seele: „Wir wollen auch gar nicht, dass jemand hier rausgeht.“

Das Wohnheim am Haberloh sucht neue Mitarbeiter und freut sich auf Bewerbungen von pädagogischen Fachkräften, ob Erzieher, Heilerziehungspfleger oder Kinderpfleger (jeweils m/w/d).

Während Jutta Sprenger in das Auffädeln von Perlen für ein neues Armband vertieft ist, umarmt Günther Lanz die Mitarbeiterin Susanne Ledermüller impulsiv (im Hintergrund).2021/10/24h_lebenshilfe_04.jpg

FAKTEN & KONTAKT
Gründung: Lebenshilfe Nürnberger Land 1969, Wohnheim am Haberloh 2003
Bewohner: 32, alle im Einzelzimmer
Waschladungen im Jahr: 4984 (Bewohner- und Hauswäsche)
Mitarbeiter: 45 angestellte und 18 ehrenamtliche Mitarbeiter

Lebenshilfe Nürnberger Land e.V.
Wohnheim am Haberloh
Daschstraße 10
91207 Lauf
Telefon: (09123) 9613-100
www.lebenshilfe-nbg-land.de

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