Frisörmeister Heinz Schweigert liebt seinen Beruf

Einer unter Wenigen

Frisörmeister Heinz Schweigert plaudert mit seinen männlichen Kunden gern über Autos oder Fußball. Foto: Degenhardt2014/02/frisoer_schweigert.jpg

FEUCHT — In unserer neuen Serie „Gegen den Strom“ stellen wir in losen Abständen Männer vor, die in traditionellen Frauenberufen arbeiten und umgekehrt. Den Anfang macht Heinz Schweigert, der seit 1956 als Frisör tätig ist.

Im Salon Haargenau geht es ganz schön haarig zu. Hier wird gewaschen, geschnitten, gestutzt, gesprüht, geföhnt und gekehrt. Warum Heinz Schweigert seine Arbeit so sehr liebt, dass er mit 72 immer noch sechs Tage pro Woche im Salon steht? „Man arbeitet nicht mit totem Material und kann kreativ sein. Jeder Schnitt und jeder Mensch ist anders, das finde ich hochinteressant“, sagt er. Solange es seine Gesundheit noch zulässt, will er weitermachen. 56 Jahre lang hat er keine Mittagspause eingelegt. Seit kurzem gönnt er sich aber eine.

Einen anderen Beruf zu ergreifen, kam für ihn nie infrage. Er arbeitet in dritter Generation als Barbier – einem traditionell männlich geprägten Beruf – sein Großvater hatte 1893 angefangen. Damals gehörten auch das Entfernen von Zähnen, Blutentnahmen, Einläufe, das Behandlen von Wunden sowie Knochenbrüchen und das Herstellen von Salben zum Berufsfeld.

Als Schweigert 1956 seine Lehre begonnen hat, waren er und ein anderer die einzigen Jungs in der Berufsschulklasse. Das ist auch heute noch so. „Wenn man in die Berufsschulen schaut, sitzen da 90 bis 95 Prozent Frauen“, sagt der Frisörmeister.

Auch in seinen beiden Filialen in Feucht ist die Geschlechterverteilung klar: Acht Frauen und zwei Männer arbeiten für ihn. Dass ein Großteil der Frisöre weiblich ist, dafür hat Schweigert auch eine Erklärung parat: „Die meisten Männer sind Grobmotoriker. Wenn einer so ein Holzfällertyp ist, kann man ihn nicht an die Haare lassen.“

Kurze Zeit später bricht er eine Lanze für sein Geschlecht: Zwar gebe es mehr Friseurinnen, die Meister seien aber meist männlich. „Das ist typisch Mannsbild. Frauen bleiben einfach bescheidener“, sagt Schweigert, der in Winkelhaid wohnt, und schmunzelt. Kunden, die ausdrücklich nach einem Mann oder einer Frau verlangen, gebe es schon. Nach Meinung seiner Kundinnen schneiden Männer die Haare besser. „Aber das ist wahrscheinlich nur Einbildung“, sagt er und lacht. Ob er nun die Haarpracht von Männern oder Frauen auf Vordermann bringt, das ist ihm egal.

Anders als erwartet, plaudern auch männliche Frisöre gerne mit ihrer Kundschaft. Der einzige Unterschied seien die Themen. Denn es geht eher um Fußball und Autos als um die beste Freundin oder Beziehungsprobleme.

Das Klischee, dass ein Großteil der Frisöre schwul ist, hält Schweigert für Unsinn. Doch auch er musste und muss sich ab und an blöde Sprüche anhören. Ein Bekannter hat Schweigert einmal erzählt, dass er auch Frisör werden wollte, sein Vater ihm das aber nicht erlaubt habe mit der Begründung, dass alle Männer in diesem Beruf schwul seien. „Ich habe nur gesagt: danke. Denn das ist eine Verallgemeinerung, die überhaupt nicht zutrifft.“

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