Juwelier Wilfart e. K.

Eine Krise und zwei Baustellen

Trotz der ganzen Steine, die Stephanie Bury in den Weg gelegt werden, ist der Chefin des Juwelier Wilfart e. K. das Lachen noch nicht vergangen. | Foto: A. Pitsch2020/04/IMG-7681.jpg

HERSBRUCK – Es ist eine „kleine Lebensaufgabe“, vor der Stephanie Bury gerade steht: der Umbau der Sparkasse zum Hotel, ein damit verbundener Umzug, kleinere Differenzen mit dem Vermieter und dazu noch die Corona-Krise.

Die Herausforderungen begannen für die Chefin des Juwelier Wilfart e. K. im vergangenen Herbst, als bekannt wurde, dass die Sparkasse zu einem Dormero-Hotel umgebaut werde. Keiner der Verantwortlichen habe damals bedacht, dass das Geschäft während der Dauer der Arbeiten in einen anderen Laden umziehen müsse, was aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen mit enormen Kosten verbunden sei, so Bury. Kosten, die sie selbst tragen müsse.

Mit Panzerglas

Das wollte die resolute Schmuck-Expertin nicht einfach so hinnehmen, zumal es auch noch keine endgültigen Pläne für ihre künftigen Räumlichkeiten am Eck des neuen Hotels gibt. In diesem wollte die Sparkasse den Juwelier, den Bury vor zwölf Jahren übernommen hatte, nämlich nach dem Umbau ab 2022 gerne weiterhin sehen. Die Bank sicherte ihr lediglich zu, dass das Geschäft mit den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen wie Panzerglas und Sicherheitstüren ausgestattet werde.

„Einen Mietvertrag unterschreibe ich in dieser Zeit sicher nicht.“ Zumal es aufgrund des bereits laufenden Abrisses noch andere Querelen wie plötzlich fehlendes Wasser und keine Heizung gab. Sie wolle erst die umgebauten Räume sehen und betreten. Denn wer weiß, was bis dahin aufgrund der Corona-Krise noch alles passiere: „Ich habe Angst vor einem wirtschaftlichen Kollaps in Deutschland.“

Immerhin hielten Bury auch während der Schließung einige Kunden die Stange. Reparaturen führte sie kontaktlos aus und eine Episode zaubert ihr ein Lachen ins Gesicht: „Mit einer Kundin habe ich am Schaufenster telefoniert und ein Geschenk ausgesucht.“ Trotzdem betont Bury: „Ich habe sechs Wochen keinen Umsatz gemacht.“ Dabei seien aber weiterhin Rechnungen zu bezahlen und laufende Kosten zu decken. Für ihre drei Mitarbeiterinnen („Die will ich unbedingt behalten, das liegt mir sehr am Herzen.“) hat sie Kurzarbeitergeld beantragen müssen und immerhin schon die Genehmigung bekommen. „Die Soforthilfe, die erst kürzlich eintraf, ist ein Tropfen auf dem heißen Stein.“

Krise frisst Puffer

„Bei der letzten großen Schmuckmesse vor Corona haben wir groß eingekauft, weil wir im April und Mai Räumungsverkauf machen wollten.“ Im Juni wollte sie dann für den Umzug zumachen, „aber das kann ich ja jetzt nicht schon wieder tun“. Also soll der Aktionsverkauf nun im Mai und Juni stattfinden und dazu der Umzug – auch wenn Bury eigentlich gar nicht weiß, wie sie das stemmen soll. „Der Puffer, den ich als kleines Unternehmen habe, der ist durch die Krise aufgebraucht.“

Immerhin hat Bury nach langem Suchen einen geeigneten 140 Quadratmeter großen Übergangsladen gefunden – in der Martin-Luther-Straße 31. „Da haben damals die Wilfarts mit ihrem Juweliergeschäft angefangen“, freut sie sich. Von den Sicherheitsvorkehrungen von früher ist nichts mehr vorhanden. „Ich muss Panzerglas, Sicherheitstür, Gitter, Jalousien, Alarmanlage selbst bezahlen für diese Zwischenmiete.“ Lediglich die Möbel könne sie mitnehmen.

Denn die braucht sie nun ab 27. April weiterhin im jetzigen Laden. Seine Größe komme ihr jetzt zu Gute. Bei ihr seien kaum mehr als drei Kunden im Laden. „Da habe ich keine Angst auf der Fläche.“ Sie sei jedenfalls gut vorbereitet mit Hinweisen auf Abstandhalten („Das machen die Menschen ja schon“), Masken und Einweghandschuhen für die Mitarbeiter, Desinfektionsmitteln und reinem Alkohol für das Desinfizieren des Schmucks nach der Anprobe. Sie denkt, dass man sich an dieses Bild gewöhnen werden müsse.

Trotzdem gehen Bury noch viele Fragen durch den Kopf: Wie werden sich die Kunden verhalten? Was passiert, wenn jemand aus ihrem Team erkrankt? Muss Bury dann schließen? Gibt es einen schnellen Test? „All das wird uns wohl noch so lange begleiten, bis es einen Impfstoff gibt.“

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N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch