Positives Feedback bei Bürgerversammlung

Eckenhaider wollen den Dorfladen

Unternehmensberater Wolfgang Gröll (links) erläutert in Eckenhaid die Eckpunkte eines Dorfladenkonzeptes und stellt sich den Fragen der Bürgern. Foto: Krieger2012/11/54616_buergerversammlungdorfladeneckenhaid-ik0003_New_1354179664.jpg

ECKENHAID — Aufbruchstimmung in Eckenhaid: Rund 130 Menschen haben in der voll besetzten Friedenskirche für die Idee eines Dorfladens im Ort applaudiert und damit den Weg für eine Bürgerbefragung in den kommenden Wochen bereitet.

Mit so einem Andrang hatten die Organisatoren nicht gerechnet. Kurz vor 19.30 Uhr reichte die Schlange vor der Kirche bis zur Straße. Toni Egloffstein vom SC Eckenhaid fasste kurz die Situation zusammen und überließ dann Unternehmensberater Wolfgang Gröll das Wort, der den Eckenhaidern in einer einstündigen Präsentation die Idee des Dorfladens vorstellte. „Dorfladen – Geht nicht, gibt’s nicht“, stand auf dem blaugelben Aufkleber seines Aktenkoffers und mit diesem Optimismus, aber auch viel Realismus schilderte Gröll, warum sich heutzutage Dorfläden trotz der Konkurrenz von Discountern und Supermärkten nicht nur behaupten können, sondern oft sogar sehr erfolgreich sind. Regionalität spiele die entscheidende Rolle. Es gelte, die Besonderheiten des Orts zu bedienen und einen Laden zu initiieren, der Identität stifte und auf die Bedürfnisse der Bürger eingehe.

Ein fertiges Konzept, wie das konkret in Eckenhaid aussehen könnte, habe er nicht, so Gröll: „Jeder Dorfladen ist anders.“ Dies müsse die Entwicklung der nächsten Wochen zeigen. Eines aber wurde deutlich: Auch Dorfläden können und müssen wirtschaftlich arbeiten. Allerdings ohne den gleichen Rentabilitätsdruck wie große Ketten, vor allem, wenn sie, wie in Eckenhaid angedacht, als genossenschaftliches Projekt auf die Beine gestellt werden – das Modell, bundesweit am erfolgreichsten laufe.

Bei einem Dorfladen sei bereits einkalkuliert, dass zwischen 85 und 90 Prozent der Einkäufe trotzdem auswärts getätigt werden, betonte er. Die Rentabilität mache sich an den verbliebenen zehn bis 15 Prozent fest. Die seien bei einer Einwohnerzahl von rund 3500 wie in Eckenhaid durchaus erreichbar – vorausgesetzt die Eckenhaider machen mit.

Es stimme nicht, dass Dorfläden automatisch teurer seien als ihre großen Konkurrenten, denn auch sie werden auch von den großen Einkaufsverbänden beliefert und bekommen die gleichen Preise. Große Pluspunkte seien in Eckenhaid die zentrale Lage des derzeit geschlossenen Nahversorgers mit Parkplätzen und Lager und die Nähe zu vielen regionalen Erzeugern, die für die „Geschmacksvielfalt“ sorgen könnten, die in Supermärkten oft fehle. Als Beispiel nannte er den Dorfladen Simonshofen, in dem bereits 60 Erzeuger aus der Region ihre Produkte zusätzlich zum Basissortiment anbieten. Dienstleistungen wie ein Lieferservice, eine Tauschbörse oder ein Café könnten das Projekt ergänzen.

Die Gesellschafter eines genossenschaftlichen Dorfladens gingen nur ein beschränktes Risiko ein, erklärte Gröll. Bei einem Einsatz von 200 Euro für einen Anteilsschein sei im Fall eines Scheiterns nur dieses Geld verloren. Gewinne würden meist in Form von Warengutscheinen an die Anteilseigner ausgeschüttet oder in soziale Projekte im Dorf investiert.

Alles in allem eine Idee, der die Eckenhaider mit großem Interesse lauschten, was die fast durchweg positiven Redebeiträge zeigten. Nun sind die Bürger selbst gefragt. Gröll verhehlte auch nicht, dass der Weg noch steinig werden kann. Es komme immer wieder vor, dass Projekte scheitern. Und auch die personelle Besetzung der Läden sei oft nicht einfach. Denn im Dorfladen gehe es um mehr als nur Verkauf, „es muss Spaß machen“. Das bedeute viel Engagement – auch von den Ehrenamtlichen.

Wie geht es weiter? Nach dem positiven Feedback der Versammlung soll bereits in der kommenden Woche eine Bürgerbefragung stattfinden, in der das Einkaufsverhalten und die Wünsche an einen Dorfladen ermittelt werden. Gleichzeitig sollen in einer Machbarkeitsstudie die Rahmenbedingungen geklärt und die Summe ermittelt werden, die für die Einrichtung des Ladens im ehemaligen Nah und Gut notwendig wäre. Läuft alles gut, könnte Ende Januar die Gründungsversammlung stattfinden und der Laden im späten Frühjahr öffnen. „Ein ehrgeiziger Zeitplan, aber machbar“, so Gröll.

Einen Rückschlag mussten die Initiatoren bereits hinnehmen. Entgegen der ersten Gespräche konnten sie sich mit der Edeka-Gruppe nicht auf eine Übernahme des Inventars der Filiale einigen. Doch davon wolle man sich nicht unterkriegen lassen, betonte Egloffstein. Er bat die Eckenhaider darum, die Initiatoren „mit allen Infos zu versorgen, die wir brauchen, damit wir das angehen können“. Zudem wünsche er sich weitere Helfer.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger