Beispiel Hewa

Die Krux mit den Vergleichsportalen im Internet

Wer über Vergleichsportale nach günstigen Strompreisen sucht, sollte die Angebote genau unter die Lupe nehmen. | Foto: ©fotomek - stock.adobe.com2019/06/AdobeStock_158744872.jpeg

HERSBRUCK – Die grundlegende Idee von Vergleichsplattformen im Internet findet Harald Kiesl prinzipiell gut: „Man kann schauen, ob man da noch richtig ist, wo man ist“ – und das möglichst unkompliziert auf einen Blick. „Doch ganz so einfach ist es nicht“, warnt der Geschäftsführer der Hewa.

Denn für eine exakte Aussage müssten die Portale auch Gleiches mit Gleichem vergleichen, erklärt Kiesl. Doch regelmäßig würden dort Preise der günstigen Stromanbieter – „die Geld zahlen, dass sie vorne angezeigt werden“, weiß er – den Grundversorgungstarifen lokaler Energieversorger gegenübergestellt. „Der Vergleich mit der Grundversorgung ist meist automatisch voreingestellt. Man muss also schauen, mit was man tatsächlich vergleicht.“

Der Grundversorgungstarif sei nämlich immer teurer als andere Angebote. Der Grund: „Wenn Kunden beispielsweise durch Insolvenz ihres bisherigen Versorgers spontan von uns aufgefangen werden müssen, können wir deren Strommenge ja im Vorfeld bei unserem Einkauf nicht kalkulieren – im Gegensatz zu der unserer Stammkunden. Daher sind in den Tarifen Risikoaufschläge berücksichtigt.“ Da sei es dann leicht für einen Spitzenpreis-Anbieter zu sagen, er sei billiger. Kunden sollten daher Banner und Werbung auf Vergleichsseiten kritisch hinterfragen, rät Kiesl: „Stadtwerke wird man da nicht finden.“

Fürs lokale Dasein

Vergleichen die User ohne weiter nachzudenken, bleibe hängen: „Die Hewa ist teuer.“ Das werde heutzutage ungefiltert und rasch im Netz verbreitet. Auch wenn sich herausstellt, dass sich eine Plattform beispielsweise einen Rechenfehler bei der Eingabe geleistet hat. Kiesl ist bewusst, dass sein Unternehmen nie der billigste Energielieferant war und werden wird: „Wir sind der zuständige Grundversorger in Hersbruck und als kommunales Unternehmen der Stadt müssen wir zudem den dauerhaften Bestand der Einrichtungen zur öffentlichen Daseinsvorsorge gewährleisten.“ Und: Die Hewa agiert lokal.

Auch das kann bei den Vergleichen zu einem Nachteil werden, so der Hewa-Chef. Während die im Strompreis enthaltenen Abgaben, Steuern und diverse Umlagen deutschlandweit gleich seien, richte sich die Konzessionsabgabe nach der Größe der Kommune. Vor allem aber die Kosten für Netznutzung und Messstellenbetrieb schwanken stark je nach Landstrich.

Der Vorteil der Versorgungsunternehmen, die bundesweit Tarife anbieten: „Sie kalkulieren mit pauschalen, durchschnittlichen Netzentgelten. Über die Menge können sie Verluste in Gebieten mit höheren Netzentgelten durch Gewinne in anderen Regionen wieder ausgleichen.“ Bei der Hewa gehe das nicht. Sie kann deutlich günstigeren Strom nur in eigenen Quartieren wie dem rund um das Wärmekraftwerk Bürgerbräu anbieten. Dank des dort installierten Blockheizkraftwerks können ab Juni Kunden im Altstadt-Carré und im Lohweg mit dem Direktstrom beliefert werden. „Da fallen Netzentgelt und Umlagen weg.“

Bleiben belohnt

Auch ein Wechselbonus ist bei den Hersbrucker Stadtwerken nicht drin. „Wir belohnen dafür die Treue unserer Kunden.“ Anfangs ging das Konzept der Lock-Boni-Angebote vieler Energiediscounter auf. „Die haben auf die Trägheit der Masse gesetzt, die auch bei deutlichen Preissteigerungen im zweiten Jahr nicht wechselt. “ Mittlerweile habe sich das bei den Kunden aber herumgesprochen. Sie wechseln einfach nach einem Jahr wieder zum nächsten Anbieter.

Die Folge: Die Insolvenz einiger großer Unternehmen – zuletzt BEV und DEG – hängt sicher auch mit diesem Phänomen zusammen, mutmaßt Kiesl. Und: „Zu billig will auch nicht mehr jeder, weil da meist die Wertigkeit nicht vorhanden ist“, stellt er ein Umdenken in der Bevölkerung fest.

Qualität vor Preis

Einige Vergleichsportale erkundigen sich bei der Hewa nach Preisen, das „Energieverbraucherportal“ beliefert der Energielieferant im Rahmen der Qualifizierung zum Top-Lokalversorger sogar selbst. „Dort wird das Bestprodukt eingestellt und Aspekte wie Sponsoring und Nachhaltigkeit werden berücksichtigt“, erläutert Kiesl. Qualitätsmerkmale, die bei den anderen Plattformen nicht beachtet werden. Dazu gehöre auch das langfristige Denken. „Beim reinen Preisvergleich haben wir keine Chance“, sagt Kiesl offen, „aber bei uns stellt sich eben nicht die Frage, ob es uns nächstes Jahr noch gibt“.

Und noch eine Schwachstelle macht er bei den Vergleichsportalen aus: Strom wird immer noch teurer werden. „Das erzählen die einem auch nicht.“

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch